Salzwedel l Die Bilder der Neujahrsnacht 2020 sind noch in den Köpfen: Großbrand in der Holzmarktstraße nachdem ein Feuerwerkskörper durch die Türscheibe in ein Antiquitätengeschäft geschossen wurde. Inzwischen ist klar, es handelte sich um eine mutwillig Tat, wie die Polizei ermittelt hat. Der Täter wollte mit der Brandstiftung kaschieren, dass er in den Laden einbrechen wollte. Brandstiftung zur Verdeckung einer Straftat, in dem Fall Diebstahl, informierte Polizist Peter Klahs.

Seit dem Feuer, bei dem das Haus abrissreif zerstört wurde, wird öffentlich über ein Verbot von Feuerwerk in der Salzwedeler Innenstadt diskutiert. Außerhalb der Silvesterfeiertage gilt es bundesweit ohnehin. Andere Städte mit viel historischer Bausubstanz, wie Wernigerode oder Marburg haben es schon seit längerer Zeit auf den Jahreswechsel ausgeweitet. Seit dem vergangenen Jahr gilt es übrigens auch in der Nachbarstadt Lüchow, nachdem dort am Neujahrsmorgen 2019 eine verirrte Silvesterrakete ein Geschäft in Brand gesetzt hatte.

Brandgefahr und Feinstaubbelastung

Auch wenn das Feuer in Salzwedel nicht aufgrund von Unachtsamkeit geschah, will die Kommunalpolitik jetzt handeln. Die große Mehrheit der Mitglieder des Verkehrsausschusses sprachen sich für eine böllerfreie Zone aus. Der Vorstoß kam von Linken und SPD-Fraktion.

Während die Linken in der dichten historischen Fachwerkbebauung eine hohe Brandgefahr sehen, sprechen die Sozialdemokraten die erhebliche Feinstaubbelastung und damit eine Schädigung des Klimas an. Zudem werde mit dem Verbot ein Beitrag für den Tierschutz geleistet. Nicht nur Haustiere sondern auch die wilde heimische Fauna werde durch den Lärm erheblich psychisch belastet. Als Radius für den Bereich Innenstadt soll der Verlauf der noch vorhandenen beziehungsweise ehemaligen Stadtmauer gelten. Kontrollieren müssten das Verbot die Ordnungskräfte der Stadtverwaltung und bei Verstößen „empfindliche Strafen“ verhängen.

AfD-Stadtrat dagegen

„Als einfach überzogen“, empfindet Jens Niemann (AfD) das Verbot, wie er in der Sitzung sagte. Es habe keine Brände gegeben, bis auf den in diesem Jahr, der vorsätzlich gelegt wurde. „Die Bürger gehen sehr verantwortungsvoll damit um“, betonte er. Für die Tiere seien ihre Halter verantwortlich. Die Feuerwerks-Bannmeile stelle eine zusätzliche Aufgabe für die Polizei dar, die schon aufpassen müsse, wenn Jugendliche durch die Stadt ziehen und böllern. Zudem würde das Böller-Tabu aus seiner Sicht die heimische Wirtschaft schwächen. Die Gastronomen hätten schon zu kämpfen „und wir hauen noch einen drauf, wenn die Gäste kein Feuerwerk abbrennen dürfen“, argumentierte er. Das wollte Norbert Hundt (SPD) so nicht stehen lassen. „In den Kneipen wird das ganze Jahr gefeiert, auch ohne Böller“, entgegnete er. „Muss erst was passieren?“, fragte Grünen-Stadträtin Cathleen Hoffmann. Es müsse Ziel aller Stadträte sein, die historisch wertvolle Altstadt zu schützen.

Die Linken regen in ihrem Antrag an, Feuerwerksplätze, wie beispielsweise die Kämmereiteiche auszuweisen. Zudem sollten die Ortschaftsräte der Ortsteile befragt werden, ob sie ebenfalls „Feuerwerksverbotszonen“ in ihren Dörfern einrichten wollen. Abschließend entscheidet der Stadtrat nächsten Mittwoch.

Feuerwehr stimmt zu

Bei der Feuerwehr laufen die Stadträte offene Türen ein, wie Stadtwehrleiter Holger Schmidt auf Volksstimme-Anfrage betont. „Gerade im Innenstadtring herrscht eine hohe Brandgefahr, wie wir ja bereits schmerzlich erfahren mussten“, sagt er. Die alten Häuser seien kaum mit Brandschutzwänden ausgestattet, weshalb sich die Flammen ungehindert ausbreiten können. Mit dem Feuerwerksverbot verringere sich das Risiko erheblich.