Salzwedel l Michael Padleschat blickt stolz auf sein Halbjahreszeugnis der Salzwedeler Jeetzschule. Das Blatt Papier mit den Zensuren ist für den 19-jährigen Gardeleger ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Zukunft.

Als er in die 7. Klasse ging, begannen die gesundheitlichen Probleme. Immer wieder konnte er für Tage nicht zur Schule gehen, „Tendenz steigend“, sagt Michael Padleschat rückblickend. Als die Zahl seiner Fehltage bei 130 angekommen war, musste er die 10. Klasse wiederholen. Einmal am Scholl-Gymnasium, dann noch einmal an der Karl-Marx-Sekundarschule.

Doch sein Befinden verbesserte sich nicht, die krankheitsbedingten Fehltage wurden nicht weniger. Am Ende seiner Schulzeit hatte er den Hauptschulabschluss der 9. Klasse in der Tasche. „Das ist sehr unbefriedigend, vor allem, wenn man weiß, dass man es locker geschafft hätte“, kommentiert Michael Padleschat.

Traum: Duales Studium

Sein erträumtes duales Studium mit einer Ausbildung zum KfZ-Mechatroniker war mit diesem Abschluss nicht zu verwirklichen. In der Kompetenzagentur in Gardelegen habe man ihm vorgeschlagen, sich wegen des Schulabschlusses an die Volkshochschule zu wenden, erzählt der Gardeleger weiter.

Dort besteht in einem 18 Monate währenden Kurs die Möglichkeit, sich auf den Realschulabschluss vorzubereiten. An zwei Abenden in der Woche haben die Teilnehmer Unterricht in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch, Biologie, Physik, Geschichte und Sozialkunde. Zwischen den Unterrichtstagen müssen sie sich viel im Selbststudium erarbeiten, erläutert Cornelia Blödow, Leiterin der Volkshochschule (VHS).

Mit dem Zug über Stendal

Im Mai, kurz nach Michael Padleschats 18. Geburtstag, begann für ihn der Kurs. In Salzwedel, da die erforderliche Teilnehmerzahl in seiner Heimatstadt Gardelegen nicht erreicht wurde. Für Michael Padleschat bedeutete das, jeweils mittwochs und donnerstags um 16.43 Uhr in Gardelegen in einen Bus zu steigen, der vor der VHS-Tür in der Salzwedeler Karl-Marx-Straße hielt. Doch die Rückfahrt gestaltete sich komplizierter, da nach 20 Uhr kein Bus von Salzwedel zurück nach Gardelegen fuhr. Statt dessen musste Michael Padleschat den Zug über Stendal nehmen und dort umsteigen. Ankunft in Gardelegen nach 23 Uhr.

Einmal im Winter gab es in Stendal keinen Anschluss für ihn. Der junge Gardeleger verbrachte die Nacht auf dem Stendaler Bahnhof, bis morgens gegen 4.30 Uhr der erste Zug fuhr. „Ich konnte mich dort in einem Raum aufhalten“, erinnert sich Michael Padleschat. Die Bahnhofsmission? „Die schließt um 18 Uhr.“

Keinen Tag versäumt

Allen Schwierigkeiten zum Trotz - Michael Padleschat versäumte keinen einzigen Kurstag. Seine Therapie setzte er auch während des Kurses fort. Seine Therapeutin habe ihm empfohlen, nach den beiden Unterrichtstagen zur Stressbewältigung immer eine Pause einzulegen. Sie habe ihm auch bei der Prüfungsvorbereitung geholfen.

Diese absolvieren die Teilnehmer des VHS-Kurses - die offiziell als Nicht-Schüler bezeichnet werden - zusammen mit den Schülern der Sekundarschulen. „Unsere Partnerschule ist dabei die Comenius-Ganztagsschule“, sagt Cornelia Blödow.

Zeugnis in den Händen

Zur Prüfung wieder in eine reguläre Schule zu gehen, „das war schon sehr ungewohnt. Als ich aber die anderen Teilnehmer aus unserem Kurs sah, habe ich mich wieder beruhigt“, erinnert sich Michael Padleschat. Von den 15 Teilnehmern, die mit dem Kurs zum Erwerb des Realschulabschlusses begonnen hatten, traten sechs zu den Prüfungen an. Die schriftlichen Prüfungen absolvierten sie im April, die mündlichen im Juni vergangenen Jahres. Am Ende hielt Michael Padleschat sein Zeugnis über den Realschulabschluss mit einem Durchschnitt von 1,16 in den Händen. Doch damit gab sich der junge Mann nicht zufrieden. Er wollte das Abitur. Schließlich habe er den Tipp bekommen, sich an der Jeetzeschule in Salzwedel zu bewerben.

Seine Bewerbung hatte Erfolg. Michael Padleschat besucht jetzt die nach einem Fluss im Kongo benannte Lualaba-Klasse - als einziger Gardeleger in einer Salzwedeler Schule. „Anfangs war es etwas schwierig, jeden Tag zur Schule zu gehen. Aber nach einem Monat hatte ich mich wieder daran gewöhnt. Jetzt ist es wieder so, als wäre ich nie aus der Schule heraus gewesen. Ich fühle mich dort sehr wohl“, berichtet er. Die Busabfahrtzeiten seien auch okay.

Ein besonderes Dankeschön, da sind sich Michael Padleschat und Cornelia Blödow einig, geht an Mutter und Schwester, an Martina und Nicole Padleschat. „Sie haben ihn immer unterstützt, motiviert und ihm den Rücken gestärkt“. betont Cornelia Blödow.