Salzwedel l Der Weihnachtsbaum im Foyer der Kreisvolkshochschule ist mit Kugeln und Kerzen, aber vor allem mit vielen kleinen Kärtchen geschmückt. „Ich wünsche mir und der ganzen Welt Frieden“ ist auf einer zu lesen und auf einer anderen „Ich möchte eine Wohnung in Salzwedel bekommen“. Geschrieben von Menschen, die Krieg und Terror aus ihrer Heimat vertrieben haben und die hier erst die deutsche Sprache erlernten.

Vor 2015 fanden an der Volkshochschule wenig Integrationskurse statt, „etwa sechs im Jahr“, erinnert sich die Leiterin der Bildungseinrichtung, Cornelia Blödow. 2016 stieg die Zahl dann auf 25, in diesem Jahr waren es 13 Kurse zur Vermittlung der deutschen Sprache, in denen insgesamt 7647 Stunden Unterricht erteilt wurde.

Zur Teilnahme verplichtet

Vier Kurse fanden als sogenannte allgemeine Angebote statt, in denen die Männer und Frauen lernen, die deutsche Sprache zu verstehen, sie zu lesen und zu schreiben. „Sie sind zur Teilnahme an diesen Kursen verpflichtet“, betont Cornelia Blödow. Insgesamt umfassen diese Kurse 700 Stunden, von denen 600 auf Sprachunterricht entfallen und die verbleibenden 100 auf Informationen über Politik und Gesellschaft. „Danach findet eine Prüfung statt. Ziel ist, dass die Teilnehmer mindestens die Kompetenzstufe B 1 erreichen“, so Cornelia Blödow weiter. B 1 bedeutet, dass die Flüchtlinge in der Lage sein sollen, die meisten Alltagssituationen in deutscher Sprache zu bewältigen. 138 Männer und Frauen lernten in den zurückliegenden Monaten in diesen Kursen die deutsche Sprache.

Nicht alle Teilnehmer schaffen diese Prüfung. Dann haben sie die Möglichkeit, einen Wiederholungskurs zu absolvieren, der sich über drei Monate erstreckt. Cornelia Blödow weiß aus Erfahrung: der Bedarf für die Wiederholungskurse ist da. Zwei derartige Unterrichtsreihen fanden in dieses Jahr statt.

Vorab Einstufungstest

Eine besondere Herausforderung ist der Unterricht, wenn die Männer und Frauen kaum lesen und schreiben können. „Alle Teilnehmer müssen zunächst einen Einstufungtest absolvieren“, erläutert Cornelia Blödow das Verfahren. Dieser Test sei, unabhängig von vorherigen Ausbildungen, eine hohe Anforderung an die künftigen Schüler. Zugleich werde bei den oft traumatisierten Flüchtlingen sozialpädagogische Arbeit geleistet.

Die Kreisvolkshochschule des Altmarkkreises hat inzwischen auch vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) den Zuschlag für die Ausrichtung von berufsbezogenen Sprachkursen erhalten.

Kooperation

„Im Oktober haben wir den Bescheid bekommen. Am 20. November begann dann ein Kurs mit 24 Teilnehmern“, rekapituliert Cornelia Blödow. Um die komplexen Sachverhalte zu verstehen und selbst auch zu beschreiben, sei eben die bestandenen B1-Sprachprüfung erforderlich. „Für diesen Kurs arbeiten wir auch mit dem Jobcenter des Altmarkkreises und der Agentur für Arbeit zusammen“, so Cornelia Blödow weiter. Denn die Schüler in diesem Kurs sollen möglichst schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden und weiterführende Ausbildungen absolvieren.

Weitere Kurse sollen Asylbewerbern bei der ersten Orientierung helfen. „Sie sollen wissen, wie es hier bei uns in Deutschland zugeht“, beschreibt Cornelia Blödow das Anliegen. Kooperationspartner ist hierbei der Landesverband der Volkshochschulen.

Die Leiterin der Salzwedeler Volkshochschule weiß den Vorteil eines gut funktionierenden Netzwerkes für die Integration zu schätzen. „Die Zusammenarbeit aller Partner ist sehr gut“, lobt sie.