Riebau l „Irgendwer hilft mir eigentlich immer.“ Damit bringt Rollstuhlfahrer Reiner Benecke die Solidaritätsbereitschaft seiner Mitmenschen in der Region auf den Punkt. Der 54-Jährige ist an den Rollstuhl gefesselt, weiß wie es ist, auf Hilfe angewiesen zu sein. Auch wenn die Hilfsbereitschaft es manches Mal zu gut meint, beklagen würde er sich darüber niemals.

Irgendwer hilft immer

„Wenn über unsolidarische Mitmenschen geklagt wird, kann ich das nicht bestätigten“, sagt der Riebauer. Das komplette Gegenteil ist nämlich aus seiner Sicht der Fall. „Man merkt eigentlich nicht, wann man auf Hilfe angewiesen ist oder es Probleme geben könnte, dass es an Bereitschaft der Mitmenschen mangelt“, sagt er: „Es hilft mir immer jemand.“

Ob beim Einkaufen vor den großen Regalen, wo sich immer wer findet, der ihn unterstützt, oder bei seinen täglichen Wegen. Und das betrifft nicht nur die Solidaritätsbereitschaft, sondern auch die Freundlichkeit anderer Leute in Gänze. Unfreundlichkeit scheint es in Reiner Beneckes Umgebung nicht zu geben. „So etwas kann ich einfach nicht bestätigen.“ Er fühlt sich überall gut aufgehoben.

Sein Geheimrezept

Andere Menschen in seiner Situation könnten klagen. Nicht der Riebauer. Reiner Benecke ist ein von Grund auf positiv eingestellter Mensch, dass fällt im Gespräch mit der Volksstimme auf. Und genau so bewegt er sich auch auf die Menschen zu. Mit einem Lächeln auf den Lippen, freundlich und zuvorkommend. „Ich bin relativ zufrieden“, sagt er. Vielleicht ist es sein Geheimrezept für Solidarität.

Außerdem: „Wie es in den Wald hinein schallt, so schallt es eben auch hinaus“, weiß er genau. Und warum sollte er es auch anders machen, schließlich fühlt er sich in der Gesellschaft wohl. Auch und gerade in seinem Heimatort Riebau. „Auf dem Dorf ist der Zusammenhalt vielleicht nicht mehr so groß wie vor einigen Jahren – aber er ist noch immer groß und spürbar“, sagt der 54-Jährige. Auf seine Nachbarn sei verlass. Und überhaupt: „Ich bin halt ein Dorfkind!“

Diplomatisch und objektiv

Solidarität definiert Reiner Benecke ganz simpel: „Das heißt, dass man hilft!“ Für Kommunen bedeutet diese Hilfe in seinen Augen Barrierefreiheit. „Immer wenn etwas neu gebaut wird, sollte auch darauf geachtet werden“, gibt er den Verwaltungen mit auf den Weg. Ihm ist aber auch durchaus bewusst, dass das in einer historischen Altstadt wie in Salzwedel, nicht immer möglich ist. Der 54-Jährige bleibt stets diplomatisch und objektiv, gewichtet nach dem Machbaren.

Vielleicht, so Benecke, hat er seine positive Herangehensweise von den Diakonissen aus Magdeburg mitbekommen. Dort habe er vor Jahren einiges gelernt.

Vermutlich können aber auch Menschen von Reiner Benecke lernen. Seiner Natur, den Menschen stets positiv zu begegnen. Es scheint sein unbewusster Beitrag für eine funktionierende Gesellschaft zu sein – seine Solidarität.