Salzwedel l Zu den schönsten und zugleich bekanntesten Pilzen gehört der Fliegenpilz (Amanita muscaria). Mit seinem scharlachroten Hut, den meist weiße Flecken zieren, ist er unverwechselbar und wohl schon jedem Kind vertraut. Er kommt im Gebiet des Altmarkkreises recht häufig vor.

Schutz vor Plagegeistern

Doch das Wissen um seine Giftigkeit hält uns vom Sammeln ab, sodass die Pilze bis zum Vergehen unsere Wälder schmücken können. Aber wie kam der Pilz zu seinem Namen? Als es noch keine synthetischen Insektizide gab, wurde seine Giftwirkung benutzt, um die Fliegen zu dezimieren, denn damals wird es besonders auf Bauernhöfen wesentlich mehr Fliegen als heute gegeben haben. Um sich vor den Plagegeistern zu schützen, wurden ihnen Fliegenpilzzubereitungen als Nahrung angeboten.

In einem Kräuterbuch von 1678 heißt es dazu: „Die rothen Fliegenschwäm soll man in Milch sieden / und den Fliegen darstellen / davon sterben sie / man soll aber sorg haben / daß niemand anders damit geschädigt werde“. Hierbei ist bemerkenswert, dass die Gebrauchsanweisung auch gleichzeitig einen Warnhinweis enthält. Und das zu Recht, denn der Umgang mit dem Giftsud stellte für Kinder und Haustiere, insbesondere Katzen, eine stete Gefahr dar. Nach anderen Überlieferungen wurde der Pilz in Scheiben geschnitten und in gezuckerter Milch angeboten.

Stoffe sind isoliert und identifiziert worden

Auf die Nutzung des Fliegenpilzes als nützliches Insektizid geht nicht nur seine deutsche Bezeichnung, sondern auch der wissenschaftliche Artname (Muscaria = Fliegen betreffend, von lat. musca = Fliege) zurück. Aber erst in unserer Zeit sind seine Giftstoffe isoliert und identifiziert worden. Hauptwirkstoff ist die labile Ibotensäure, die zu 0,17 bis 1 Prozent enthalten ist. Aus dieser bildet sich bei der Zubereitung und nach dem Verzehr das fünffach stärker psychoaktiv wirksame Muscimol. Bereits zehn Milligramm dieser Substanz verursachen beim Menschen Schwindel, Bewegungs- und psychische Störungen, 15 Milligramm bewirken schwere Verwirrungszustände und Sinnestäuschungen.

Noch höhere Giftdosen führen zum Tod im Koma. Hatten Fliegen eine nur geringe Menge der Substanz konsumiert, waren sie lediglich benommen und ließen sich so leichter fangen oder erschlagen. Obwohl der Fliegenpilz zu Gattung der Wulstlinge gehört, zu der auch die gefährlichen Knollenblätterpilze zählen, sind die Giftstoffe, zum Beispiel des Grünen Knollenblätterpilzes, ganz anderer Natur. Es handelt sich um hochtoxische Eiweißverbindungen (Amoxine und Phallotoxine), die hauptsächlich die Leber schädigen.