Landtagswahl

Wahlverlierer im Altmarkkreis Salzwedel zwischen Weltuntergangsstimmung und Zufriedenheit

Die Volksstimme fragte die Kandidaten aus dem Wahlkreis Salzwedel, wie sie auf das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt blicken und woran sie ihr Ergebnis festmachen.

Von Alexander Rekow und Antje Mewes
Die Wähler im  Wahlkreis 1 (Salzwedel) haben mit ihren Kreuzen wieder Carsten Borchert (CDU) das Vertrauen geschenkt.
Die Wähler im Wahlkreis 1 (Salzwedel) haben mit ihren Kreuzen wieder Carsten Borchert (CDU) das Vertrauen geschenkt. Foto: Alexander Rekow

Salzwedel - „Das Landesergebnis der SPD lässt sich nicht schönreden“, sagt Nadine Hofmann von den Sozialdemokraten. Sie selbst werfe sich mit Blick auf das Ergebnis auf Landesebene nichts vor, habe ihrer Einschätzung nach im Wahlkampf alles rausgeholt. „Ich blicke relativ zufrieden auf mein Ergebnis“, so die 23-Jährige. Kritik äußert sie in Richtung des Landesverbandes der SPD, von dem sie sich mehr Unterstützung erhofft hätte. „Wir haben vom Landesverband keinen Rückenwind bekommen – das war eher Gegenwind“, so die Sozialdemokratin, die auf Listenplatz 27 einsortiert wurde. „Man ist immer noch nicht bereit, jungen Leuten einen guten Listenplatz zu geben, um die eigenen Plätze zu halten“, wird ihre Kritik deutlich.

„Die Linke ist der Wahlverlierer“, sagt Marco Heide. Seine Partei habe es auf Landesebene nicht geschafft, zum Wähler durchzudringen. Er vermutet, dass die Landtagswahl von Corona überschattet worden sei, und stichelt in Richtung CDU: „Jetzt haben wir wieder fünf Jahre Stillstand, fünf Jahre Ärzte- und Lehrermangel.“ Anders blickt er auf sein eigenes Ergebnis in der Einheitsgemeinde Salzwedel. „Ich bin über dem Landesdurchschnitt und freue mich, bei den Salzwedelern gepunktet zu haben.“

„Weltuntergangsstimmung“, sagt Nils Krümmel, herrsche bei der Wahlparty der Freien Wähler in Magdeburg. Er vermutet, dass es eine Wahl gewesen sei, bei der viele Wähler bedacht waren, die AfD zu verhindern und deshalb ihr Kreuz bei der CDU setzten. Auch die geringe Präsenz der Freien Wähler in den Medien sei dafür verantwortlich. „Ich habe mir fünf bis sechs Prozent mehr erhofft“, sagt er.

Gutes Ergebnis für das Land

Auch wenn Tankred Roth es für die FDP nicht in den Landtag schaffen wird, ist er mit dem Wahlabend zufrieden. „Ich bin sehr froh, dass die FDP wieder im Landtag vertreten ist“, sagt er. Das sei für das gesamte Land ein gutes Ergebnis, weil die politischen Ränder von links und rechts damit geschwächt würden. Er wünsche sich, dass nun „aus der Mitte heraus eine zukunftsfähige Regierung gebildet wird“. Auch von seinem persönlichen Ergebnis ist der 29-Jährige nicht enttäuscht. „Dafür, dass ich aus dem Kalten gestartet bin, habe ich einiges erreicht“, schätzt er ein.

„Ich bin traurig, dass den Leuten augenscheinlich nicht klar ist, wie wichtig Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit sind“, sagt Zoltan Schäfer, der für Bündnis 90/Die Grünen ins Rennen um das Direktmandat gegangen ist. Er würde sich wünschen, dass die Menschen mehr Verständnis dafür aufbringen, wie sehr der Klimawandel die Lebensgrundlagen aller bedroht. Das sei vielen nicht bewusst. Es sei zu hoffen, dass über Aufklärung und einen größeren Informationsaustausch zwischen Wissenschaft und Bevölkerung ein Umdenken erfolge und vor allen Dingen ein Handeln hin zu mehr Klimaschutz und Umweltbewusstsein. Leider habe die Corona-Pandemie verhindert, dass er mit den Leuten dazu ins Gespräch kommen konnte.

Kreisvorsitzender zufrieden

Zufrieden mit dem Abschneiden von Hanns-Michael Kochanowski (AfD), der für die Volksstimme telefonisch nicht erreichbar war, zeigt sich sein Kreisvorsitzender Sebastian Koch. Zwar habe er sich aufgrund von vorherigen Umfragen gewünscht, noch ein paar Stimmen mehr zu bekommen, sei aber froh, vor SPD und Linken gelandet zu sein. „Besser geht natürlich immer“, so Koch, der den Christdemokraten zum Wahlsieg gratuliert: „Die CDU muss nun zeigen, dass sie ein Drittel der Menschen in Sachsen-Anhalt vertritt.“