Berufsstart

Wenn junge Leute Hilfe brauchen

Schreiben des Lebenslaufes, Übung des Bewerbungsgesprächs, Hilfe bei Problemen: Das bietet eine Kompetenzagentur in Salzwedel.

Von Anke Pelczarski

Altmarkkreis l „Ohne die Agentur hätte ich das Leben nicht so in den Griff bekommen, wie es derzeit läuft“, sagt eine junge Frau aus dem Kreis, die anonym bleiben möchte. Nach einem halben Jahr Ausbildung sei alles schief gelaufen: Sie hatte einen Unfall, war plötzlich eingeschränkt, konnte die Lehre nicht fortsetzen. Die Westaltmärkerin fiel in ein Loch. Durch Zufall hörte sie vom Angebot der Grone Bildungszentren GmbH Salzwedel. „Ich habe mich dort angemeldet. Sie haben mir mit dem ganzen Papierkram geholfen. Da war ich mit 18 überfordert, hätte es allein nicht geschafft“, erzählt die junge Frau, die allein lebt. Die Mitarbeiter hätten auch seelisch unterstützt, die Sorgen angehört, sich mit um die Probleme gekümmert.

„Wie man mit Anträgen umgeht, das kriegt man nicht gelehrt. In der Kompetenzagentur habe ich Hilfe bekommen, verstehe vieles besser und bin damit auch ein bisschen über mich hinausgewachsen“, schildert die Westaltmärkerin, die sich derzeit auf ihre neue Ausbildung vorbereitet. Ohne Unterstützung hätte das nie geklappt.

Die Kompetenzagentur, deren Mitarbeiter auch während des Lockdowns erreichbar sind, gibt es seit 1. Oktober 2016. Seither sind 409 junge Leute aufgenommen worden, die meisten zwischen 15 und 24 Jahren alt. 225 von ihnen sind in Arbeit, Ausbildung sowie verschiedene Maßnahmen wie Berufsvorbereitungsjahr, Freiwilliges Soziales Jahr oder Bundesfreiwilligendienst vermittelt worden. Diese Zahlen nennt Standortleiterin Grit Dunkel.

Besonders stolz ist sie auf 47 sogenannte Wiederaufnahmen, junge Leute, die nach der Ausbildung den Weg zurück zum Angebot der Kompetenzagentur finden, weil sie weiter Bedarf an Unterstützung haben. Dies würde von einem hohen Vertrauen in die Arbeit der Kompetenzagentur zeugen, wenn plötzlich wieder Hilfe benötigt werde.

Die Beratung erfolge freiwillig. Das Abschließen eines Vertrages sei nötig. Danach gehe es an das Formulieren von Zielen. Wenn ein Ausbildungsplatz gesucht werde, würden Stärken und Schwächen ausgelotet, beschreibt Grit Dunkel. Zuweilen müssten die Jugendlichen aber auch auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. „Ein Teilnehmer wollte Schauspieler werden, hatte aber schlechte Noten in Deutsch“, nennt sie ein Beispiel. Für die Zukunft ihrer Kinder seien zwar die Eltern verantwortlich. „Aber manchmal gelingt es Außenstehenden, die jungen Leute besser aus der Reserve zu locken und ihnen klar zu machen, dass es nicht um die Eltern, sondern um sie selbst geht“, erklärt die Standortleiterin. „Wichtig ist es, ein guter Zuhörer zu sein, vor allem in Zeiten von Kontakteinschränkungen“, fügt sie hinzu. Das sei telefonisch und per Mail möglich.

Die Mitarbeiter unterstützen beim Schreiben des Lebenslaufes und helfen, durch Rollenspiele die Angst vor Bewerbungsgesprächen zu mindern. Bei letzterem wird der Kontakt übers Internet immer wichtiger: Auch das muss geübt werden. Zudem gibt es Hilfe in anderen Bereichen, die nicht so gut laufen. Dazu können Wohnungssuche, Sucht, Schulden oder das Fernbleiben vom Unterricht gehören. Wichtig sei der Kontakt zu Eltern und Schulsozialarbeitern, um gemeinsam mit dem Jugendlichen eine Lösung für ein geregeltes Leben zu finden, sagt Grit Dunkel.

  • Anlaufstelle für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 35 Jahren
  • Vermittlung in Ausbildung und Arbeit
  • Aufzeigen von Wegen durch vielfältige Hilfsangebote
  • Ergänzung zu bestehenden Qualifizierungs- und Betreuungsangeboten
  • Unterstützung der Arbeit der Schulsozialarbeiter der Sekundar-, Förder- und Berufsbegleitenden Schulen im Altmarkkreis Salzwedel
  • Begleitung und Unterstützung bis zur Ausbildung
  • Kontakte zu kompetenten Partnern wie Bildungsträgern, Berufsschulen, Beratungsstellen und Betrieben werden geknüpft
  • Enge Kooperation mit Netzwerkpartnern wie Jobcenter, Agentur für Arbeit, Jugendamt, Jugendmigrationsdienst, Jugendgerichtshilfe

Das Projekt wird gefördert über das Landesprogramm Regionales Übergangsmanagement Sachsen-Anhalt (RÜMSA) des Europäischen Sozialfonds.

Ansprechpartner:
Carmen Ebeling für den Standort Salzwedel (Schulen in Salzwedel, Arendsee, Dähre), E-Mail c.ebeling@grone.de, Telefon 0152/31895789
Lutz Kiemann für den Standort Gardelegen (Schulen in Gardelegen, Mieste, Kalbe/Milde), E-Mail l.kiemann@grone.de, Telefon 0152/31895796
Grit Dunkel für den Standort Klötze (Schulen in Klötze, Beetzendorf), E-Mail g.dunkel@grone.de, Telefon 0152/31895788