Salzwedel l Gleich hinter der Bahn-Unterführung auf der Chüttlitzer Chaussee, die von der Lüneburger Straße abzweigt, sind links und rechts leichte Abhänge, die sich gut dafür eignen, mit dem Rad oder Roller herunterzufahren. Das haben Jungen und Mädchen, die sich regelmäßig dort aufhalten schnell gemerkt. Zwischen dem Geländer, das verhindern soll, dass jemand in die offenen Bereiche der Unterführung fällt und den Bahngleisen, befindet sich eine Wiese. Sie wird ebenfalls von Kindern zum Spielen und Toben genutzt. „Ich habe sie hier öfter schon Ball spielen sehen“, erzählt Helga Rumm.

Das Problem: Die Schienen sind nur wenige Meter entfernt. „Hier donnern ja auch die Güterzüge durch“, ergänzt sie. Und wie schnell sei ein Ball mal auf die Gleise geflogen. Zudem entstehe ein Sog, wenn die Züge vorbei fahren. Das habe sie selbst schon gespürt, als sie dort mit ihrem Rad gestanden habe. Sie vermutet, dass die meisten Kinder aus der nahen Gartenanlage zur Unterführung kommen. „Das ist doch schnell passiert“, nimmt sie die Eltern in Schutz, „die ganze Zeit kann keiner aufpassen“. Verbote seien das eine, „aber wie fix ist einer ausgebüxt“, zeigt sie Verständnis.

„Ich erzähle das nur, weil ich mir so große Sorgen um die Kinder mache.“

Helga Rumm

Sie hat auch schon mal einem Vater, der im Garten gewerkelt hat, Bescheid gesagt, dass der Nachwuchs an der Bahn auf Achse ist. „Der hat sich darüber gefreut und ist gleich los“, erzählt Helga Rumm. Sie ist öfter dort mit dem Rad auf Tour, aber natürlich könne keiner dort ständig aufpassen. „Ich erzähle das nur, weil ich mir so große Sorgen um die Kinder mache. Wenn erst etwas Schlimmes passiert, ist es zu spät“, erläutert sie ihr Anliegen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Auch deshalb, damit Eltern ihre Sprösslinge noch einmal auf die Gefahren hinweisen, die von vorbeifahrenden Zügen ausgehen. „Am besten wäre ein Zaun“, ist sie sich sicher. „Vielleicht wäre es möglich, dass Polizisten dort gelegentlich auf Streife vorbei schauen“, denkt sie laut nach. Das hätte vielleicht eine abschreckende Wirkung auf die kleinen Racker, die sich den Platz zum Spielen auserkoren haben. Außerdem würde es aus ihrer Sicht der Unterführung nützen, die auch als Aufenthaltsort von Schmierern und Randalierern genutzt werde, die Müll oder zerschlagene Flaschen zurücklassen.

Wie schrecklich es ausgehen kann, wenn sich Kinder zu nahe an Bahnanlagen aufhalten, hat ein tödlicher Unfall gezeigt, der sich Ostern bei Gardelegen ereignet hatte. Ein Vierjähriger war auf der Bahnstrecke Wolfsburg-Berlin von einem Intercity-Zug erfasst worden und verstarb noch an der Unfallstelle.

Auch auf der Strecke zwischen Stendal und Uelzen, die durch Salzwedel führt und unter deren Gleisen die Unterführung auf der Chüttlitzer Chaussee verläuft, fahren gelegentlich ICE-Züge. Das kommt beispielsweise bei Sperrungen anderer Strecken vor, dann werden die Schnellzüge umgeleitet. So geschehen am Montag, als ein ICE auf der Bahnlinie unterwegs war. Auch wenn sie nicht ihre volle Geschwindigkeit erreichen, ist die Gefahr für in der Nähe spielende Kinder groß.

Das betroffene Gelände gehört der Deutschen Bahn, wie die Stadt auf Anfrage der Volksstimme mitteilt. Das Ordnungsamt sei dafür nicht zuständig, erklärt Kirsten Schwerin von der Stadtverwaltung.

Die Volksstimme fragte bereits am vergangenen Donnerstag der bei der Pressestelle der Deutschen Bahn an, welche Maßnahmen für diesen Gefahrenbereich ergriffen werden können. So, ob beispielsweise die Möglichkeit besteht, einen Zaun zu ziehen. Eine Antwort lag gestern trotz schriftlicher und mehrmaliger mündlicher Nachfrage nicht vor.

Nach dem Unfall mit dem Vierjährigen in Gardelegen, hieß es in einer Stellungnahme der Bahn, dass Bahnanlagen generell nicht betreten werden dürften und es Aufklärungskampagnen gemeinsam mit der Bundespolizei gebe. In Einzelfällen würden sensible Stellen an den Schienen gesondert abgesichert, besonders an Hochgeschwindigkeitsstrecken. Bahnlinien generell einzuzäunen sei aber nicht möglich.

Ob es für das Gelände an der Unterführung eine Lösung geben kann, bleibt damit vorerst offen.