Lina Mallon

Zweites Buch, zweiter Bestseller

Erfolgreiche Bloggerin und Autorin: Lina Mallon, geboren in der Altmark, landete mit "zweit.nah" wieder auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Salzwedel/Südafrika l Erst kam der Erfolg mit ihrem Blog, nun hat sie auch in der Literaturszene in Deutschland auf beeindruckende Weise Fuß gefasst. Lina Mallon (32), gebürtige Altmärkerin, veröffentlichte unlängst ihr zweites Buch mit dem Titel „zweit.nah“. Und wieder landete sie auf der Spiegel-Bestsellerliste. Bereits ihr erstes Werk konnte die ehemalige Salzwedelerin dort platzieren.

Dass das zweite Werk nicht unbedingt einfacher von der Hand geht wie der Erstling, wo sie sich mittlerweile verortet und welche Träume sie hegt - darüber spricht Lina Mallon im Interview mit der Volksstimme.

Volksstimme: Vor wenigen Tagen erschien ihr zweites Buch „zweit.nah“. Es landete direkt wieder auf der Spiegel-Bestsellerliste. Haben Sie das erwartet? Oder anders: War dieser Erfolg planbar?

Lina Mallon: Ich habe nach der Manuskriptabgabe vor dem zugeklappten Laptop gesessen und gedacht: ganz egal, ob das zweite Buch ein neuer Bestseller wird, ob es an den Verkaufserfolg von meinem ersten Beststeller „schnell.liebig“ anknüpfen kann – es fühlt sich richtig an. Die Fortsetzung ist ganz natürlich passiert, genau wie sich meine eigene Geschichte ganz natürlich weiterentwickelt hat.

Als dann das Feedback kam und das Buch durchweg positive Kritiken bekommen hat, hat mich das wirklich glücklich gemacht – der Anruf, dass auch zweit.nah direkt auf der Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste landet, war dann eigentlich eher die Wunderkerze auf all den guten Gefühlen, die ich mit diesem zweiten Buch verbinde.

Wie groß war der gefühlte Druck wieder abliefern zu müssen? Oder haben sie sich solche Fragen gar nicht gestellt?

Ganz ehrlich? Riesig! Ich habe gedacht: „Ok, du darfst dir keinen Druck machen, du darfst die Fortsetzung nicht erzwingen, du musst aber auch an das erste Buch anknüpfen, du musst die Menschen genau dort abholen, wo das erste Buch sie für den Moment zurückgelassen hat, aber das darf sich auf keinen Fall erzwungen anfühlen – denk also am besten gar nicht an die Erwartungen von außen.“

Und natürlich war für einige Monate alles woran ich gedacht habe eben jene Erwartungen von außen, aber vor allem auch meine eigenen. Ich wollte kein Buch schreiben, dass nur eine Fortsetzung von einem erfolgreichen Bestseller ist, ihn quasi nur verlängert, sondern eine Geschichte, die für sich allein steht und die sich aus ihrer Vergangenheit entwickelt. Ich habe mich dann erst einmal in einer riesigen Schreibblockade wiedergefunden – und sie erst überwunden, als ich mich mit einem Block Papier und einem Stift ans Meer gesetzt und einfach angefangen habe zu beschreiben, was ich fühle, was in mir passiert. Als ich wieder bei mir angekommen war, hat auch das Buch beginnen können.

Was dürfen die Leser bei „zweit.nah“ erwarten?

Mein erstes Buch hat sich vor allem mit der Geschwindigkeit beschäftigt, mit der wir Menschen kennenlernen, interessant finden, daten, lieben, uns wieder von ihnen entfernen, sie vergessen und dann von vorn anfangen. Alle suchen nach Liebe, aber kein Mensch hat Zeit anzuhalten und sich kurz zu fragen, was er wirklich von ihr will, wie er sich eigentlich fühlen will, wenn er liebt. In zweit.nah tue ich genau das. Ich nehme das Tempo heraus, ich lasse mich auf einen Menschen ein – und gehe Stück für Stück, Kapitel für Kapitel durch alle die offenen Fragen und aufkeimenden Ängste, die sich in mir geregt haben: Woher weißt du, dass du dich richtig entscheidest? Woher weißt du, dass du bleiben willst? Dass es Liebe ist? Wie kann eine moderne Beziehung funktionieren?

Auch für Beziehungen sind die Corona-Maßnahmen vielfach eine Belastung. Entweder Paare sehen nur noch den Partner und haben wenig andere Kontakte. Oder in Fernbeziehungen sehen sie sich noch seltener. Was würde Lina Mallon raten? Und wie lebt Lina Mallon ihre Beziehung in der Pandemie?

Wir alle sind während dieser Pandemie müde geworden, ängstlich, wir alle fühlen uns belastet, nicht frei genug, manche aufeinander gezwungen, andere so weit voneinander entfernt. Der erste Schritt darum: Empathie – Empathie dafür, dass wir alle, jeder einzelne, ein individuelles Päckchen zu tragen haben, das manchmal schwerer und manchmal leichter zu tragen ist. Das gilt nicht nur für Partnerschaften, sondern für alle Formen von Beziehungen.

Ich habe meinen Freund gut vier Wochen vor dem südafrikanischen Lockdown kennengelernt – im Buch beschreibe ich darum auch, wie es sich anfühlt einen Funken über sieben Monate und zwischen 9985 Kilometern aufrecht zu erhalten.

Wenn wir uns heute fragen, wie das eigentlich funktionieren konnte, sagen wir oft: wir haben uns immer auf das fokussiert, was wir hatten, anstatt jeden Tag all das zu vermissen, was uns fehlte. Das hieß eben: unsere Dates waren lange Telefonate, wir haben uns zum Abendessen über den Zoom-Call verabredet und dann vor der Kamera zusammen gekocht, Filme zusammen geschaut, wir haben stundenlang Pläne geschmiedet und uns an ihnen festgehalten, auch wenn sie sich manchmal schon Tage später wieder aufgelöst haben. Wir haben einen Weg gefunden, zusammen im selben Boot zu sitzen, auch wenn das bedeutete, dass wir uns ohne Paddel oder Ziel eine Zeit lang blind treiben lassen mussten.

Anderes Thema: Sie leben in Hamburg und in Südafrika - stammen aus der Altmark. Ist Lina Mallon ein Stadt- oder Landmensch? Wird es bald einen klaren Lebensmittelpunkt für sie geben?

Das ist eine der schwierigsten Fragen meines Lebens – und ich suche noch immer nach der Antwort. Nach 18 Jahren in der Altmark wollte ich raus, wollte in die Stadt, bin auf Umwegen erst in Berlin und schließlich in Hamburg gelandet, bis mir auch das zu klein wurde. Über Jahre war ich unterwegs und habe immer wieder neue Länder gesehen, neue Orte entdeckt. In Kapstadt habe ich das Gefühl, dass ich Wurzeln schlagen kann. Hier ist die Stadt so nah – aber die Natur, das Land und die atemberaubende Landschaft auch immer nur eine kurze Fahrt entfernt.

Im Moment stehe ich mit jeweils einem Bein noch auf dem europäischen und mit dem anderen auf dem afrikanischen Kontinent. Mein Herz hängt an meiner Familie, das ist klar, aber es schlägt eben auch so stark für Südafrika. Es wird nur noch eine Frage der Zeit sein, bis ich mit beiden Beinen an dem Ort ankommen kann, der nicht die Heimat ist, in der ich geboren wurde, aber das Zuhause, das ich in mir drin spüre.

Ich glaube man kann sagen, dass ich von nun an immer etwas vermissen werde - die vertraute Altmark, in der ich aufgewachsen bin, das kleine Salzwedel, in dem ich angefangen habe zu schreiben, meine ersten Artikel für die lokalen Nachrichten verfasste – oder das weite, aufregende Südafrika, in dem ich mich gefunden habe.

Wissen Sie schon, wohin es sie als nächstes treibt? Gibt es ein besonderes To-do, wenn die Pandemie einmal endet?

Ich möchte meine Familie nach Südafrika einladen – sie mit auf Safari in den Krüger Nationalpark nehmen, an die Küste von Hermanns, um Wale zu beobachten, mit in die Weinländer von Stellenbosch und an die Strände von Kapstadt. Meine Familie opfert so viel für mich und bringt so viel Verständnis auf, für dieses vermeintlich so unkonventionelle Leben, für das ich mich frei entscheiden durfte, ich würde darum so gerne ein bisschen was von diesem Ort zurückgeben, der mich so glücklich macht.

Und wenn es um meine eigenen Reisepläne geht: ich möchte mehr von Afrika sehen! Am liebsten würde ich als nächstes Botswana erleben, in Mosambik eintauchen oder mir endlichen den Traum erfüllen, einmal auf Madagaskar aufzuwachen.