Schönebeck l In der Stadt Schönebeck gibt es 39 Straßen, die nach einem verdienstvollen Sohn oder auch einer verdienstvollen Tochter der Stadt benannt sind. Aber wer bitte war Herr oder Frau Boeltzig? Wer Otto Kresse? Wilhelm Dümling? Wolfgang Wanckel? Der nachfragende Zeitgenosse kann nun aufgeklärt werden, so nach und nach. An der Thimannstraße ist jetzt das erste von insgesamt 39 Schildchen installiert und enthüllt worden, das mit den Lebensdaten der betreffenden Person aufwartet. Das nun als erstes montierte Schild verweist auf Johannis Thimann. Thimann? Wer war das?

Jemand, der es genau weiß, ist der Heimatforscher Hans-Joachim Geffert. Er hält schriftlich in einer Zuarbeit an das Presseamt der Elbestadt fest: Thimann war Ackerbürger in Schönebeck und besaß drei Grundstücke: Breite Weg 21 vom Großvater, Markt 6 vom Vater und ein Grundstück in der Baderstraße mit Garten; insgesamt 110 Morgen Acker, dazu einen halben Morgen Wiese und 390 Thaler an Vermögen.

Diese Daten hat Geffert aus Urkunden, die sich im Besitz des Stadtarchives befinden, herausgearbeitet. Johannis Thimann ist im Jahr 1612 geboren. Er hatte nur ein kurzes und von Verlust geprägtes Leben vor sich. Im Jahr 1632, also während des Dreißigjährigen Krieges, verstarben innerhalb kurzer Zeit sein Vater Andreas, seine Brüder Andreas und Christoph sowie seine Schwestern Anna, Magdalena und Elisabeth an den Folgen der Drangsale der kaiserlichen Truppen unter General Pappenheim. Im Jahr 1636 brachten die einrückenden Schweden die Pest mit. Auch Johannis Thimann erkrankte daran. Den Tod vor Augen, schrieb der erst 24-Jährige ein Testament und zwar am 24. September 1636. Er war der Letzte seiner Familie. In seinem Testament heißt es unter anderem: „...vermache ich zum ewigen Gedächtniß Großvaters Hof, daß daraus sollte gemacht werden ein frey Hospital, darinnen alte, abgelebte Bürger sich umb ein gebührendes Geld möchten einkauffen und sollte das Hospital nach meinem Nahmen als St. Johannis- oder Thimanß-Hospital genannt werden.“

Die schnelle Umsetzung des Testamentes bereitete Probleme, wie Hans-Joachim Geffert weiß. Zwar sei 1662 in der Steinstraße ein Haus aufgekauft worden, um dort ein Hospital einzurichten, aber kein Bürger wollte in diesem Armenhaus wohnen. Erst 1706 ist vor dem Salzer Tor (heutige Arkade) ein Hospital mit sechs Wohnungen eingerichtet worden, wo jedem Hospitaliten frei eine Kammer, eine gemeinschaftliche Wohnstube, Holz, Licht, Bier, acht Scheffel Brotkorn, jährlich und wöchentlich vier Groschen zur Verfügung standen.

Stift stand leer

Im Jahr 1853 ist aufgrund von Baufälligkeit des alten Hospitals auf Veranlassung von Bürgermeister Schneider in der Johannisstraße ein neues, größeres Hospital für 21 Hospitaliten aus dem Stiftsvermögen erbaut worden. Im Jahr 1910 betrug das Vermögen der Stiftung 229 000 Mark.

Nach der Wende 1990 entsprach das Stift nicht mehr den Anforderungen und stand seit 2002 leer. Die Städtische Wohnungsbau GmbH (SWB) ließ das Gebäude 2011 restaurieren und richtete in der Thimann-Residenz an der Thimannstraße ein geräumiges Altenheim ein.

Die Herstellung und Montage der Tafeln finanzieren private Spender, informiert Matthias Zander vom städtischen Presseamt. Die Ausführung sei so gewählt worden, dass die Informationen kurz und knapp lesbar sind. Oberbürgermeister Bert Knoblauch begrüßte ausdrücklich das vorgestellte Projekt und bedankte sich bei den Initiatoren und Spendern.

Die Mitarbeiter des Schönebecker Stadtarchivs, Britta Meldau und Mathias Hille, haben das Projekt mit Recherchearbeiten, historischen Unterlagen und Fotos sowie vielen geschichtlichen Fußnoten unterstützt. Geboren wurde die Idee, als 2005 eine Ausstellung über 100 bedeutende Personen im Kreismuseum ausgerichtet worden ist. Das Geld für die Realisierung der ersten Schilder wurde auf der Geburtstagsfeier des Schönebecker Rathauspreisträgers Hans-Joachim Geffert gesammelt.

„In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv wurden die Texte anschließend ausführlich erarbeitet, die auch auf der Homepage der Stadt Schönebeck detailliert aufgelistet sind“, informiert Matthias Zander. Die Kosten werden bei mehreren hundert Euro liegen. Die Schilder sollen bis Mitte 2016 nach und nach an den Straßenschildern installiert werden.