Ranies l Das Taxi von heute ist nicht mehr elfenbeinfarbig, sondern blau, hat nicht vier Räder, sondern zwei Beine und bietet Platz nicht nur für vier Mitfahrer, sondern für eine Unmenge mehr. Zum Einsatz kam es am Sonnabend- und Sonntagmorgen: das Krötentaxi des Naturschutzbundes – kleine Eimer mit Henkeln und eben keine schnellen Autos.

Seit Jahren schon organisieren die Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu) Schönebeck die Hilfsaktionen. Sobald sich langsam der Winter dem Ende zuneigt und die Nachttemperaturen im Plusbereich liegen, werden nicht nur die Naturschützer aktiv, sondern auch Frösche, Kröten und Lurche. Dann benötigen die possierlichen Tierchen menschliche Hilfe, um nicht – und das ist wörtlich zu verstehen – unter die Räder zu kommen.

So sind in vielen Bereichen Ostelbiens, zum Beispiel an der Haberlandbrücke, in der Nähe der Elbauenbrücke und eben an der Straße am Deich in Richtung Ranies, Krötenzäune aufgestellt: kleine Fangnetze, die das Weiterkrabbeln der Amphibien verhindern sollen. In bestimmten Abständen stehen sogenannte Fangeimer vor den Netzen, in die die Tiere auf ihrem Weg plumpsen. „Das sollen sie auch, denn aus den Eimern können wir sie dann bequem aufsuchen“, berichtet Michael Wunschik, Vorsitzender der Ortsgruppe des Naturschutzbundes. Wenngleich die Temperaturen nachts noch leicht über dem Gefrierpunkt liegen, machen sich die ersten kleinen und großen Tierchen auf den Weg. „Das sind alte Wanderrouten“, so Wunschik. Den Winter verbringen Frösche, Molche und Co. unter Wurzeln und in Erdlöchern, um dann, wenn die ersten Sonnenstrahlen den Waldboden erwärmen, sich auf den langen Weg in die Laichgewässer zu machen.

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Bei Autoverkehr keine Chance

Dabei müssen sie, so zeigt das aktuelle Beispiel vom Sonnabend, die Kreisstraße nach Ranies überqueren. „Allein für den Abschnitt der Straße benötigen die Tiere gut 15 bis 20 Minuten. Das ist sehr lange. Wenn dann Autoverkehr ist, haben die Tiere keine Chance“, erklärt der Nabu-Ortsvorsitzende. Ein weiteres Hindernis stellt die Bordsteinkante der Straße entlang des Deiches dar.

In diesem Fall greifen nun die Naturschützer behutsam ein. In den nächsten Wochen werden sie immer wieder entlang der Fangzäune unterwegs sein, um die Unken einzusammeln und persönlich über die Straße zu bringen – als eine Art „Schulweghelfer für Krabbeltiere“. Viele interessierte Einwohner mit ihren Kindern und Enkeln nehmen diese öffentlichen Termine des Nabu gerne an, um ihrem Nachwuchs mehr die Natur nahe zu bringen. Am Sonnabend halfen zahlreiche kleine und große freundliche Froschfreunde.

Die Tierchen wurden später an einem Gewässer hinter dem hohen Deich nach und nach ausgesetzt. Zuvor erfasste Michael Wunschik die Lurche und Frösche noch, um eine Statistik zu führen. In Sachsen-Anhalt gibt es übrigens 18 Lurcharten, gefunden wurde am ersten Sammelwochenende nur eine: der Teichmolch. 48 Weibchen und Männchen wurden übergesetzt. In den Eimer ging den Sammlern noch ein Moorfrosch. Und: viel Müll.

Wer mithelfen möchte: Das nächste Krötentaxi startet am Sonnabend, 19. März, um 9 Uhr. Weitere Auskünfte auf der Internetseite: www.nabu-schoenebeck.de.