Pretzien l In dieser Woche mussten die Mitarbeiter des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft und Hochwasserschutz (LHW) gut zu Fuß sein. Von Montag an bis Freitag standen Deichschauen im Flussbereich Schönebeck an. 196 Kilometer zwischen Aken und der Ohre im Bördekreis (so groß ist der Flussbereich Schönebeck) müssen die LHW-Leute und weitere Helfer aus anderen Bereichen abgehen, um sich über den ordnungsgemäßen Unterhaltungszustand der Schutzanlagen zu überzeugen.

Etliche Kilometer sind gestern Mitarbeiter des LHW, des Umweltamtes der Kreisverwaltung und der Stadtverwaltung Schönebeck gelaufen. Es galt, die Deiche im Schönebecker Raum abzugehen und mögliche Schädigungen festzustellen.

Instruktionen zu Beginn

Um 9 Uhr traf sich die Gruppe am Pretziener Wehr. Flussbereichsleiter Ronald Günther gab Instruktionen. Er teilte die Deichläufer in fünf Gruppen ein. Er selbst übernahm mit seiner Kollegin Christin Kloß und Olaf Godlofski vom Schönebecker Ordnungsamt den Deich zwischen Ranies und dem Apfelwerder. Das sind siebeneinhalb Kilometer. Zumindest das Wetter hatten die Inspektoren auf ihrer Seite.

Was mit einem Deich alles passieren kann, hatte Ronald Günther zuvor erläutert: Müllablagerungen, Löcher, Absenkungen der Deichkrone, Unterspülungen, weg gepflügte Schutzstreifen und anderes mehr muss festgestellt und dokumentiert werden.

Bei dieser Gelegenheit gab Günther einen Stand bezüglich der laufenden Deichsanierungen. Das Zauberwort heißt hier DIN 19712. Nach dieser Maßgabe, nach den unter dieser Formel festgehaltenen technischen Baubestimmungen, sollen in den nächsten Jahren quasi alle Deiche in Sachsen-Anhalt hergerichtet werden. Auf einigen Abschnitten ist das schon geschehen, wie etwa zwischen der Haberlandbrücke und Pretzien, entlang der Umflut also. Hier ist der Deich jetzt knapp einen Mater höher als vorher. Auch der Deichabschnitt zwischen dem Grünewalder Kreisel und dem Apfelwerder ist nach den vorgegebenen Maßstäben ertüchtigt worden.

Sorgenkind

Eine Art Sorgenkind ist für den Flussbereichsleiter der Abschnitt zwischen Haberlandbrücke und Pechau. „Den Deich schätze ich als nicht standsicher ein“, verweist Günther auf eine ernstzunehmende Gefahr bei einem extremen Hochwasser. Für diesen Bereich laufe eine Vorprüfung, nämlich dahingehend, ob Deichbauarbeiten negative Auswirkungen auf die Natur hätten. Günther hofft, dass sich diesbezüglich keine Anhaltspunkte ergeben - anderenfalls stünden mit einer Umweltverträglichkeitsprüfung und einem Planfeststellungsverfahren zeitaufwändige Untersuchungen an. „Falls wir das aber nicht brauchen, könnten die Arbeiten noch in diesem Jahr losgehen“, erklärt der Deichschützer.

Fest eingeplant in diesem Jahr ist die Sanierung des rechten Elbeumflutdeiches zwischen Plötzky und der alten Ziegelei sowie zwei Abschnitte in Dornburg.

Direkt in Pretzien soll der Schutz des Ortes teils durch einen Deich und teils durch eine Mauer gesichert werden. Die Baumaßnahmen betreffen Grundstücke am Fischerufer und in der Hafenstraße. Da hier aber einige Anwohner nicht damit einverstanden sind, dass über ihren Grund und Boden eine Mauer verläuft, „haben wir die Linienführung optimiert“, beschreibt Günther die Flexibilität der Planer. „Wir werden den Schutz der Ortslage herstellen, ohne die Rechte von Anwohnern zu verletzen“, verspricht er.