Schönebeck l Die Johanniter sind nun auch offiziell in Schönebeck angekommen. Am Freitag wurde die neue Wache der evangelischen Hilfsorganisation im Schönebecker Stadtteil Felgeleben eingesegnet. Von dort aus rücken die Retter der Organisation zu Einsätzen in Schönebeck und Umgebung aus. Die Johanniter sind damit für die Notfallhilfe in der Region zwischen Egeln, Magdeburg und der Saale verantwortlich. Träger ist der Landkreis.

Die Johanniter hatten nach einer Ausschreibung den Zuschlag für die Rettungsdienste im Raum Schönebeck erhalten. Zuvor hatte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) jahrzehntelang diese Aufgabe übernommen. Das unterlegene DRK hatte gegen die Vergabe geklagt, noch vor mehr als einem Jahr war unklar, wer ab dem 1. Januar 2016 die Rettungsdienste in der Region übernimmt.

„Ausschreibungen sind immer aufreibend, manchmal betrüblich, manchmal erfreulich“, sagte Johanniter Landesvorstand Andreas Weigel bei der kleinen Einweihungsfeier im Dachgeschoss der neuen Wache und ergänzte: „Wir sind nicht die billigsten.“ Ein Vorteil bei der Ausschreibung war klar der Standort der Wache. Der Landkreis hatte Felgeleben festgeschrieben, denn von dort aus sind alle Einsatzorte gleich gut erreichbar, so dass die gesetzlich vorgegebene Einsatzfrist eingehalten werden kann.

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Ehemaliger Bauernhof

Die neue Johanniter-Wache ist ein ehemaliger Bauernhof in Alt Felgeleben. Der Hof sei sehr verwohnt gewesen, berichtet Regionalvorstand Martina von Witten. Eine Scheune wurde abgerissen, das Hauptgebäude wurde komplett entkernt und neu ausgebaut. Brandschutzauflagen hätten den Einzug in die neue Wache etwas verzögert, die Johanniter mussten noch bis Ende des vergangenen Jahres in Containern auf dem Gelände ausharren. Aus dem Provisorischen sollte bald etwas Bleibendes auf dem Felgeleber Hof werden, wie Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) bei der Einweihung sagte. In einem weiteren ehemaligen Hofgebäude stehen heute die Einsatzwagen.

Das sind vier an der Zahl, zwei davon sind für den 24-Stunden-Dienst vorgesehen und stehen damit auch nachts bereit. Zwischen den Rettungswagen, die in Schönebeck ausgerüstet wurden, wartet ein besonderes Gefährt auf seinen Einsatz. Für Katastrophen oder auch Großveranstaltungen haben die Johanniter ein Quad angeschafft. Das geländegängige Fahrzeug soll schnelle Hilfe im Notfall ermöglichen, auch an Orten, zu denen Rettungswagen nicht mehr vordringen können. „Und es dient natürlich auch der Motivation der Helfer“, sagt Peter Ruppert vom Regionalverband über das vierrädrige Motorrad, das auch einigen Fahrspaß verspricht.

Ruheraum mit Bett und Fernseher

Die Besatzungen der Wagen, insgesamt arbeiten 26 Personen in der Wache, finden in dem komplett modernisierten Gebäude Bedingungen vor, die nicht dem üblichen Standard entsprechen, wie die Leiterin der Wache, Christin Zerna, erklärt. Jeder Mitarbeiter hat einen eigenen Ruheraum mit Bett und Fernseher, auf den Fluren warten zahlreiche Duschräume und Toiletten. Im Erdgeschoss finden die Helfer einen großen Aufenthaltsraum, eine moderne Küche und Umkleideräume. Drei an der Zahl: Einen großen und einen kleinen für die Männer und einen kleinen für die Frauen. „Es ist eher ein Männerberuf“, sagt Wachenleiterin Zerna.

Und für den sei es gar nicht so einfach, geeignete Mitarbeiter zu finden. „Viele Rettungsdienste haben mittlerweile Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden“, sagte Andreas Weigelt. Peter Ruppert vom Regionalverband freut sich ebenfalls über Interessenten für den Beruf des Notfallsanitäters. „Wir wollen Leute aus der Region, die hier auch langfristig bleiben“, sagt der Johanniter. Bewerbungen für das kommende Ausbildungsjahr sind noch bis März möglich.