Schönebeck l Deutschlandweit sind sie salopp gesagt Mangelware: Hebammen und Entbindungshelfer. So wurden männliche Hebammen bis Ende vergangenen Jahres genannt. Mit dem Gesetz zur Reform der Hebammenausbildung wurde diese Regelung zum 1. Januar 2020 aufgehoben. Männliche Entbindungshelfer werden jetzt ebenfalls Hebamme genannt.

Das Gesetz zur Reform der Hebammenausbildung, kurz Hebammenreformgesetz, legt fest, dass angehende Hebammen künftig in einem dualen Studium ausgebildet werden und dadurch ein wissenschaftliches Studium mit einer beruflichen Ausbildung verbunden wird. Praxiseinsätze finden im Krankenhaus und im ambulanten Bereich beispielsweise bei einer freiberuflichen Hebamme statt.

Eigene Praxis jetzt ohne Beleggeburten

Als solche ist Susanne Depta in Schönebeck unterwegs, hat seit 2007 ihre eigene Hebammenpraxis an der Friedrichstraße. Über 13 Jahre hinweg hat sie Schwangere sowohl vor, während als auch nach der Geburt betreut – als sogenannte Beleghebamme (siehe Infokasten). Zwar arbeitet die 56-Jährige weiterhin als Hebamme in Schönebeck, allerdings nicht mehr als Beleghebamme. Heißt: Sie bietet diverse Leistungen rund um die Betreuung von Schwangeren vor und nach der Geburt weiterhin an, begleitet Schwangere seit Anfang Juni 2020 aber nicht mehr zur Geburt in die Klinik.

Damit gibt es keine Beleghebammen mehr in Schönebeck, denn auch Hebamme Antje Hase, hat ihr Schaffen als solche beendet. Ein Schritt, den sich Susanne Depta gut überlegt hat. Als Beleghebamme war sie für die Schwangeren, die sie betreut, rund um die Uhr erreichbar. Eine Geburt hält sich aber eben nicht an reguläre Arbeitszeiten. „Teilweise habe ich morgens Kurse gegeben, nachmittags dann Frauen im Wochenbett betreut und dann kam am Abend eben noch ein Anruf, dass eine Geburt losgeht“, berichtet die 56-Jährige von so mancher schlafloser Nacht, die sie statt im Bett im Kreißsaal verbracht hat. Das habe sie früher auch nicht gestört. Doch „man wird älter und erholt sich von solch schlaflosen Nächten einfach nicht mehr so schnell“, erklärt Susanne Depta, warum sie sich dazu entschieden hat, nicht mehr als Beleghebamme tätig zu sein.

Letzte Beleghebamme geht in Rente

Auch im Raum Staßfurt gibt es schon bald keine Beleghebammen mehr. Gabriele Eberhard von der Hebammenpraxis ist seit einiger Zeit nicht mehr als Beleghebamme tätig, während ihre Praxiskollegin Claudia Grenzau zwar noch als solche tätig ist, aber keine Schwangeren mehr annimmt, da sie zum Ende des Jahres 2020 in Rente geht.

Begleitet hat Susanne Depta aus Schönebeck Frauen, die mit ihrer Unterstützung am Schönebecker Ameos-Klinikum oder am Marienstift in Magdeburg entbinden wollten. Was die Zusammenarbeit mit den dortigen Ärzten, Hebammen und dem Pflegepersonal angeht, kann sie sich nicht beschweren. „Ich hatte alle Freiheiten. Man kennt sich und jeder weiß, was man kann“, berichtet sie. Vor ihrer Zeit als freiberufliche Hebamme war sie am damaligen Schönebecker Klinikum angestellt, das damals noch in Trägerschaft des Kreises war.

Weiterhin Vor- und Nachsorge

Hebamme ist Susanne Depta und viele ihrer Kolleginnen, die zwar nicht mehr als Beleghebamme arbeiten aber weiterhin, bietet diverse Leistungen für die Zeit vor und nach der Geburt an. Nur eben keine Einsätze während der Geburt mehr.

Im Salzlandkreis gibt es also de facto keine Beleghebammen mehr. Dass das eigentlich schade ist, sind sich die Hebammen einig, ist die Betreuung für Schwangere durch eine Beleghebamme doch deutlich intensiver als bei anderen Möglichkeiten, das eigene Kind zur Welt zu bringen. Hebamme und Schwangere lernen einander schon weit vor der Geburt kennen, können sich gemeinsam auf diese Vorbereiten, bauen so ein Vertrauensverhältnis auf und gehen den Weg nach der Geburt auch gemeinsam weiter.

Nächste Beleghebamme in Magdeburg

Von Schönebeck aus gesehen die nächste Hebamme, die auch als Beleghebamme tätig ist, hat ihre Praxis in Magdeburg, betreut Geburten am Klinikum Magdeburg im Stadtteil Olvenstedt. Eine Betreuung von Frauen aus dem Salzlandkreis kann Hebamme Ulrike Block aber nicht anbieten, erklärt sie gegenüber der Volksstimme telefonisch. Auch sie ist betrübt, dass Schwangere im Salzlandkreis nicht mehr die Möglichkeit haben, von einer Beleghebamme ganzheitlich betreut zu werden.

Neben Altersgründen, das Schaffen als Beleghebamme niederzulegen, spielen bei vielen Hebammen aber auch andere Faktoren eine entscheidende Rolle. So kostet die Haftpflichtversicherung für Hebammen jährlich so viel, dass sich die Begleitung von Geburten für freiberufliche Hebammen finanziell auch einfach nicht lohnt.

Landesverband ist besorgt

Dass immer mehr Hebammen ihr freiberufliches Schaffen als Beleghebamme niederlegen, beobachtet auch der Landesverband Sachsen-Anhalt des Deutschen Hebammenverbandes. Undine Bielau ist seit Anfang Juli 2020 Vorsitzende des Landesverbandes und kennt die Probleme der Hebammen, berichtet von zusätzlichen Problemen mit Verordnungen der gesetzlichen Krankenkassen, die beispielsweise auch Hausgeburten komplizierter machen.