Schönebeck/Staßfurt l Die Anwendungssoftware ist ein kleiner Allrounder. Bei einem Pressegespräch stellten Landrat Markus Bauer und Betriebsleiter Ralf Felgenträger den Schritt in das digitale Zeitalter in Sachen Müll gestern erstmals vor. „Wir wollen mit der Zeit gehen und generationsübergreifend informieren“, erklärt der Kreischef. Die Digitalisierung schreite voran und auch die Kommunen und Regionen könnten sich davor nicht verschließen. Stichwort Online-Formulare oder Telemedizin. Beim neuen Angebot des Kreiswirtschaftsbetriebes, und da komme der Dienstleistungscharakter der Verwaltung zum Tragen, stehe der Faktor Mensch im Vordergrund.

Die Idee zum neuen Dienst hat mehrere Väter. So schlug Kreistagsmitglied Manfred Püchel im Sommer 2017 vor, als Ergänzung zum Abfallkalender in Papierform eine digitale Lösung zur Verfügung zu stellen. Der Kreistag war angetan von der Idee, dass auf dem Handy-Display Abfalltermine erinnert und angezeigt werden, dass Sperrmüll angemeldet und Mitteilungen gesendet werden können. Seit 2015 bereits hat auch die Leitung des Kreiswirtschaftsbetriebes über die Einführung einer App nachgedacht. Die Markterkundung aber, so Ralf Felgenträger, habe zunächst ergeben, dass solche Anwendungen sehr kostenintensiv seien. Gerade, wenn man einen eigenen hohen Anspruch hat. „Uns war klar: Wenn wir das Thema angehen, dann wollen wir den großen Wurf“, so der Betriebsleiter. Sprich - die App sollte mehr sein als elektronischer Terminkalender, sondern ein echter Dienstleister: Übersichtlich, gut nutzbar, für alle Betriebssysteme (IOS, Android, Windows) geeignet, kompatibel mit digitalen Assistenten, informativ wie die Internetseite.

Der Kreiswirtschaftsbetrieb hat einen Dienstleister gefunden, der bereits für viele Landkreise, Städte und Gemeinden Apps entwickelt hat und auf die individuellen Vorstellungen eingegangen ist.

Abfuhrtermine und mehr

Die neue App ist in den Stores unter „KWB Salzland“ zu finden und innerhalb weniger Minuten auf das Smartphone heruntergeladen. Bei digitalen Assistenten dauert die Einrichtung per Hand länger. Die Nutzer können ein eigenes Profil anlegen, in dem sie ihre Adresse und bei Bedarf weitere Standorte angeben. Dann listen Tablet, Telefon oder PC für den gewählten Standort Abfuhrtermine nach Tag, Woche oder Monat auf, erinnert je nach privater Einstellung für die einzelnen Abfallarten und informiert aktuell zu Änderungen im Tourenplan. Die App zeigt auch Wertstoffhöfe, Sackverkaufsstellen oder Glascontainer an, weist auf Öffnungszeiten hin, errechnet die kürzesten Strecken auf einer Landkarte oder nennt Ansprechpartner. Die Kunden können Kritik üben und loben, Sperrmüll anmelden, Container bestellen, die Biotonne anmelden und alles über Gebühren erfahren. Es gibt ein Abfall-Abc und Nachrichten aus dem Kreiswirtschaftsbetrieb. Auch die Synchronisation mit digitalen Kalendern auf den Geräten ist möglich.

Der Kreiswirtschaftsbetrieb hat 17.850 Euro für die Entwicklung der App ausgegeben. Die Lizenzgebühren belaufen sich auf 5.474 Euro jährlich.

1.630 Anwender zeigt das App-Konto bereits an. Hinzu kommen 126 weitere, die Sprachboxen heranziehen. Mit rund 100.000 potenziellen Kunden des Kreiswirtschaftsbetriebes ist noch Luft nach oben. „In der Regel, das sagen uns die Anbieter aus ihren Erfahrungswerten heraus, nutzen 30 bis 40 Prozent eine solche App“, sagt Ralf Felgenträger. Im November des vergangenen Jahres habe man alles umfangreich getestet. Seit Dezember ist die App freigeschaltet. Ohne zunächst groß dafür zu werden.

Erfolgreiche Erprobung

„Das passiert jetzt, weil die Erprobung erfolgreich war.“ Betriebsleiter und Landrat hoffen auf viel Zuspruch. „Wenn viele von den technischen Entwicklungen partizipieren, wenn wir die Vernetzung auch in den Köpfen hinbekommen, dann ist das auch ein Schritt, dass der ländlich geprägte Raum als Wohnstandort attraktiv bleibt“, so der Kreischef. Bernburg wolle mit seiner Breitbandoffensive die Grundlagen für die Infrastruktur der technischen Neuerungen schaffen.

Bleibt für den altbewährten Abfallratgeber jetzt selbst nur noch die Papiertonne die Perspektive? Markus Bauer verneint das für den Moment. Wenngleich die technische Entwicklung die Richtung weg vom Papier vorgebe. Der Ratgeber wird weiterhin produziert. „Wir wollen alle mitnehmen.“ Denkbar ist aber, dass er zukünftig nur noch an Haushalte, die es wünschen, verteilt werde, oder – ähnlich wie Telefonbücher – öffentlich zur Mitnahme ausliege.