Glinde l „Die Olympischen Sommerspiele in Tokio sind ausgefallen, der Karneval in Rio und auch der Wiener Opernball sind abgesagt. Nun hat es auch die Glinder Lichtmess getroffen“, bemüht der 1. Lichtmessvorstand Harald Schmidt seinen Humor nicht zu verlieren. „Nach einem Vorstandsbeschluss fällt die Lichtmess 2021 aus, da die Corona-Auflagen, speziell beim sonntäglichen Frühstück, durch uns nicht abgesichert werden können“, teilt er der Volksstimme mit.

Vorstand hat die Entwicklung abgewartet

Um diese bedrückend-sensationelle Nachricht auch den Bürgern kund zu tun, sollen heute und morgen Info-Zettel in die Glinder Briefkästen gesteckt werden. Was eine formale Sache sein dürfte: Denn spätestens nach den ersten fünf Zetteln wird sich die Nachricht herumgesprochen haben, wenn sie nicht auch schon ohne analoges Papier die digitale Runde gemacht hat.

Sensationell deswegen, weil es bisher nur der Zweite Weltkrieg schaffte, das traditionelle Männerfest am großen Elbebogen in die Schranken zu weisen. Und da auch bloß offiziell - im stillen Kneipen-Kämmerlein wurde gefeiert.

Keine andere Perspektive

Wie Harald Schmidt sagt, habe man die Absage der Lichtmess bereits Anfang November im achtköpfigen Vorstand diskutiert, aber noch die aktuelle Entwicklung abwarten wollen. „Nach dem jetzigen Stand der Dinge haben wir keine andere Perspektive“, so der 1. Vorstand. „Nun machen wir es öffentlich.“

Die erste Zusammenkunft, die mit den Corona-Verordnungen kollidieren würde, wäre die Auftaktveranstaltung Ende Dezember im „Goldenen Anker“, wo rund 50 Aktive alle Jahre wieder den „Fahrplan“ des Festes besprechen. Es stehen dann solche Fragen auf der Tagesordnung: Wer baut was und mit wem.

Anschließend würden die einzelnen Bautrupps in Klausur gehen und hinter verschlossenen Toren und Türen ihre ulkigen Vehikel zimmern. Was im Coronasinne noch halbwegs machbar wäre, weil oft im Freien gewerkelt wird.

Schon Bratwurstbläser ein Problem

Schwieriger würde es aber am Lichtmessvortag, wenn die Bratwurstbläser von Haus zu Haus ziehen, um die Würste einzusammeln und den Glindern in ihren Stuben ein Ständchen bringen. „Stellen Sie sich mal vor, da wäre ein Infektionsträger darunter. Das wäre die optimale Virenverbreitung“, gibt Harald Schmidt zu bedenken. Zum „GAU“ könnte das Lichtmess-Frühstück werden, wo im dampfigen und gut geheizten Saal rund 200 Männer zusammen kommen. „Unser Wirt Henrik Fabian meint, bei hundert Personen wären die Auflagen umsetzbar“, so Schmidt. Dabei wäre aber die Blaskapelle schon nicht mit eingerechnet. Soll heißen: Ein Lichtmess-Frühstück, das quasi der kultige Auftakt ist, funktioniert nur wie bisher oder gar nicht.

Durch zwei Fälle sind die Glinder sensibilisi

Die Glinder sind in Sachen Covid-19 ohnehin sensibilisiert. Denn im vergangenen Frühjahr hatten sie die ersten beiden Coronafälle im Salzlandkreis. Wobei es fast nicht geblieben wäre. Denn einer der Lichtmess-Aktiven hatte sich das Virus bei einem Winterurlaub in Tirol eingefangen. Am Abend seines Rückreisetages wollte er ursprünglich mit der Ehefrau zur „Kleinlichtmess“ gehen. So heißt die ultimative Dankeschönveranstaltung für alle Lichtmess-Aktiven und deren Frauen im „Goldenen Anker“. Ein Muss, auf das kein Akteur verzichtet. Doch der Mann spürte schon leichte Symptome und sah verantwortungsvoll von der Teilnahme am Fest ab.

Natürlich fällt unter diesen Voraussetzungen auch der Weihnachtsmarkt am und im Lichtmess-Museum aus.

Viele Glinder sind sich sicher, dass auch wieder bessere Zeiten kommen. Eines dürfte feststehen: Wenn sich Anfang Februar 2022 wieder der Festumzug durch das Elbedorf schiebt, dürfte das Motto von mindestens einem Motivwagen klar sein: Corona.