Bäume

Alte Pappeln in der Gemeinde Bördeland sind gefährlich

Sie stehen an Feldern, Wegen oder Sportplätzen: Hybridpappeln aus DDR-Zeiten, deren Lebenszeit sich dem Ende zuneigt. Die Gemeinde sagt: Die Naturschutzbehörde bremst bei Fällungen.

Von Robert Gruhne
Tote Pappeln sind tickende Zeitbomben. Beim nächsten Sturm könnten sie fallen.
Tote Pappeln sind tickende Zeitbomben. Beim nächsten Sturm könnten sie fallen. Fotos: Robert Gruhne

Welsleben - Idyllisch und ruhig mutet der Feldweg zwischen Welsleben und Schönebeck an. Eine üppige grüne Allee säumt den Weg, alle paar Minuten radelt jemand vorbei. Es ist ein sonniger Nachmittag und die Allee spendet den Durchfahrenden Schatten.

Ekkehard Horrmann findet die Allee ebenfalls schön, aber er kennt sie auch anders. „Hier sind schon einige Bäume durchgebrochen. Wir räumen die regelmäßig weg“, sagt der Landwirt aus Welsleben. Und es stimmt: Beim zweiten Blick wirkt die Allee gar nicht mehr so dicht. Zwischendrin fehlen schon viele Bäume, andere sind abgestorben oder nur noch Stümpfe.

Irgendwann kippen die Gehölze einfach um

Das Problem an den Pappeln ist laut Horrmann: „Man sieht von außen nicht, wo die Bäume hohl sind. Die faulen dann und rutschen zusammen“, sagt er weiter, während er gegen einen Baum klopft. Wenn die Pappeln schließlich tot seien, dauere es drei, vier Jahre, bis sie umkippten. Die Trockenheit der letzten Jahre beschleunige das.

Landwirt Ekkehard Horrmann aus Welsleben hatte selbst schon eine umgekippte Pappel vorm Auto.
Landwirt Ekkehard Horrmann aus Welsleben hatte selbst schon eine umgekippte Pappel vorm Auto.
Foto: Robert Gruhne

Horrmann hat es selbst schon erlebt. „Jetzt erst im Frühjahr kam einer vor meinem Auto runter!“, sagt er und zeigt auf eine Baumzeile am Feldrand. Die Bäume hielten dem Wind irgendwann nicht mehr stand. „Heute Nacht war wieder Sturm, da darf hier lieber keiner durchfahren“, rät Horrmann.

Der Landwirt sitzt auch für die Bürgerinitiative Welsleben im Gemeinderat. Dort hat er das Pappel-Problem schon mehrfach angesprochen. „Es wird aber immer massiver“, warnt Horrmann.

Hybridpappeln aus den 1950ern

Im Ordnungsamt beschäftigt man sich ebenfalls mit dem Problem. „Das ist nicht nur in Welsleben so, sondern überall in der Gemeinde“, sagt Leiter Andreas Pluntke. Um Großmühlingen, hinter Eggersdorf, an den Sportplätzen – überall wurden zu DDR-Zeiten Pappeln gepflanzt. Sie wachsen schnell und bringen viel Holz. Die Bäume bei Welsleben wurden zum Beispiel in den 1950ern gepflanzt.

Es handelt sich bei den Bäumen aber nicht um die heimische Schwarzpappel, die mittlerweile selten geworden ist, sondern um eine hybride Art. Diese wachsen schnell, sind aber kurzlebiger. Das wird seit einigen Jahren zum Problem. Viele Pappeln in Bördeland haben ihren Zenit erreicht, heißt es von Bürgermeister Bernd Nimmich (SPD). „Die müssten weg, um neue anzupflanzen“, sagt er.

Doch das scheitere ihm zufolge oft an der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Salzlandkreises, die bei Fällungen bremse. Nimmich klagt: „Die Naturschutzbehörde sieht in jedem Baum einen guten Baum. Aber man kann manche Bäume nicht gesund beten!“

Alleen zählen als besonders erhaltenswert

Pluntke sieht das ähnlich: Beim Umweltamt tue man sich schwer, Bäume zur Fällung freizugeben. Als Gründe bekomme er beispielsweise den besonderen Schutz von Alleen genannt. Artenschutz, zum Beispiel für den Milan, sei ein weiterer Grund, der gegen eine Fällung sprechen könne. Pluntke fordert: „Wir müssen mit dem Umweltamt grundsätzlich ins Gespräch kommen, um den Pappelumbau zu klären.“

Von den Problem-Pappeln in Welsleben erfuhr die Naturschutzbehörde über das Ordnungsamt Horrmanns Anfrage. Man wolle sich mit der Gemeinde bei einer gemeinsamen Befahrung – voraussichtlich im Spätsommer – verständigen, informierte Kreissprecherin Marianne Bothe.

„Grüner Tisch zur Baumpflege“ im Gespräch

Für den Kreis hätten die Pappeln eine „besondere Dringlichkeit durch erhöhte Bruch- und Umsturzgefährdung“, teilte Bothe außerdem mit. Bedingung für einen möglichen Umbau sei eine Neuanpflanzung von standortgerechten und naturraumtypischen Gehölzen. Alleen und einseitige Baumreihen seien außerdem gesetzlich besonders geschützt, da sie orts- und landschaftsbildprägend wirkten.

Der Salzlandkreis bringt außerdem einen sogenannten „Grünen Tisch zur Baumpflege“ ins Spiel. Dieses Format gab es bereits 2018/2019 gemeinsam mit den Kommunen. Hier könnte der Pappelumbau Thema sein.

Wenn Bäume morsch und kahl sind, kann die Gemeinde sie bei Gefahr im Verzug auch eigenständig fällen lassen, sagt Pluntke. Bei so großen Bäumen wie 60- oder 70-jährigen Pappeln kriege man das aber nicht allein gestemmt. „Dann brauchen wir externe Firmen, aber die wollen auch eine bestimmte Stückzahl zum Fällen und nicht nur einzelne“, sagt Pluntke. Die Kosten trägt in jedem Fall die Gemeinde.