Schönebeck l „Der Standort Schönebeck wird das Jahr (2019) voraussichtlich mit einem Jahresfehlbetrag (EAT = Ertrag nach Steuern) von ca. -1,5 Millionen Euro abschließen“, heißt es in einem aktuellen Schreiben an die Mitarbeiter des Ameos-Standortes Schönebeck, das der Volksstimme vorliegt. Unterzeichnet hat das Schreiben Lutz Möller, Krankenhausdirektor des Ameos-Klinikums Schönebeck.

Das Schreiben heizt die ohnehin schon bestehenden Gerücht rund um die Schließung von Ameos-Standorten weiter an. Weiter heißt es in dem Schreiben: „Alle diese Krankenhäuser sind und werden quasi ‚Schließungskandidaten‘. Mit dem o. g. Jahresergebnis für 2019 sowie keinem signifikantem Turnaround in 2020/21 kann auch unser Standort schnell dazugehören.“

Politik und Gesetzesflut

Lutz Möller begründet diesen Umstand in der zurückliegenden, aber insbesondere in der aktuellen Gesundheitspolitik „mit der momentanen Gesetzesflut“, die Krankenhäuser in die Situation von Zahlungsunfähigkeit (öffentliche Träger) und Insolvenz (privatwirtschaftlich geführte Kliniken wie Ameos) führt.

Lars Timm, Regionalgeschäftsführer Ameos Ost bestätigt: „Wir stehen, wie viele Krankenhäuser, auch im Ameos Klinikum Schönebeck vor größten Herausforderungen durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen, vor allem durch die geringe Investitionsförderung des Landes Sachsen-Anhalts. Wir gehen in diesem Jahr von einem negativen Ergebnis aus.“

Fest steht: „Dem Ameos-Klinikum standen seit 1991 insgesamt 76,7 Millionen Euro als Investitionen am Standort Schönebeck zur Verfügung.“ Das teilte Ute Albersmann, Sprecherin im Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt auf Volksstimme-Anfrage mit.

Welcher Fachbereich kann bleiben?

Auch von „möglichen weiteren Kostenoptimierungspotenzialen“ ist in dem Schreiben die Rede. Was damit gemeint ist, erklärt Lars Timm wie folgt: „Wir haben uns angeschaut, welcher Fachbereich bleiben kann, welcher Fachbereich durch Kooperationen oder Zusammenlegungen mit anderen Standorten eine Zukunft hat.“

So haben auch Gerüchte über die Schließung einzelner Stationen die Runde gemacht. Am Standort Schönebeck sei es die Entbindungsstation, die womöglich vor dem Aus steht. Eine Krankenschwester berichtet, dass insbesondere die Personalsituation auf dieser Station prekär sei. Fünf Hebammen arbeiten zur Zeit im Drei-Schicht-System, wovon eine Hebamme rechnerisch Urlaub oder freie Tage habe. Ab dem Sommer würde sich die Situation dann noch weiter verschärfen, da eine der Hebammen gekündigt habe.

Als Notlösung, hieß es seitens der Klinikleitung, wolle man auf Honorarhebammen und auch -schwestern zurückgreifen. „Da geht das Geld dann einfach hin, und wir sollen uns mit einem Zukunftspaket, das keines ist, begnügen“, sagt die Krankenschwester.

Werbung für Zukunftspaket

Dazu erklärt Lars Timm: „Honorarhebammen kommen tatsächlich nur in Ausnahmefällen zum Einsatz und sind zumeist bundesweit aktiv. Daher ist der Verdienst pro Stunde auch höher, weil diese eben ständig auf Abruf stehen.“

Weiterhin wirbt der Regionalgeschäftsführer Ameos Ost für das Zukunftspaket – auch damit der Standort Schönebeck erhalten bleibe: „Bei einer Zeichnung des Zukunftpaketes gibt es keine Standortschließung und keine Verlagerungen von Abteilungen. Die Mitarbeitenden müssen es dann nicht befürchten, plötzlich ihren neuen Arbeitsplatz 45 Kilometer weiter zu finden.“ Schließlich wolle man Krankenhausschließungen vermeiden.

Grundsätzlich sei dieser Schritt aber notwendig, „wenn ein Krankenhaus über einen Zeitraum von zwei Jahren negative Zahlen schreibt“, so Timm.