Schönebeck l Da kam er wieder rein, in den Gerichtssaal. Gefesselt, vorgeführt aus dem Volkstedter Knast. René B., der Mann mit dem „Abo“ auf einen Platz für die Anklagebank des Amtsgerichts. Gerade hat sich der 25-Jährige wegen des Überfalls auf das Schönebecker Asylbewerberheim eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monate (versuchter gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung) eingefangen (nicht rechtskräftig), nun muss sich der Kadi erneut mit ihm befassen.

Diesmal geht es um vergleichsweise geringe Vorwürfe: Trunkenheitsfahrt, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Missbrauch von Notrufen. So soll B. am 22. November 2014 zwischen 5.22 und 7.29 Uhr 21-mal (!) die 110 angerufen haben. Dummerweise vom eigenen Handy. Doch dazu später.

Zu Beginn der Verhandlung sah es so aus, als könne der Prozess gar nicht stattfinden. Zumindest nicht mit Patrick Dreesen als Pflichtverteidiger. Weil ihr Vertrauensverhältnis sei „zerrüttet“ sei, hat der Angeklagten seinen Anwalt abgelehnt. Doch Richter Eike Bruns schmetterte das Ansinnen ab: „Keine ausreichenden Gründe.“

Die aktuellen Tatvorwürfe wies der Angeklagte gestern allesamt weit von sich. Am 25. Mai 2015 sei er nicht gefahren. „Ich war voll (2,10 Promille). Ich würde aber nie unter Alkohol und ohne Papiere fahren.“ Allerdings hatte ein Zeuge genau beobachtet, wie B. von der Friedrichstraße in den Stadtpark gefahren war. Dort hatte ihn später die Polizei in seinem geparkten Ford festgestellt.

Am 23. Oktober 2015 habe die Polizei ihn verwechselt. Gefahren sei „eine Freundin“.

Und die Notruf- „Nummer“? „Ich war betrunken und ein Kumpel hat gewählt. Ich habe irgendwas gebrabbelt, weil ich nichts mehr mitgekriegt habe.“

Der Prozess wird am 21. September fortgesetzt.