Gnadau l Geht es darum, lange Reden zu schwingen und über Pläne zu philosophieren, die seinen Heimatort attraktiver gestalten könnten, dreht sich Paul Kruse um. Er gehört mit zu den Tatkräftigen im Dorf, die nicht lange fackeln, sondern selbst mit anpacken. Zum jüngsten Arbeitseinsatz wird die Schubkarre zum Arbeitsutensil. In diese verlädt er peu à peu sechs Tonnen Kies, von einem Gnadauer gesponsert. Entleert wird die Schubkarre dann auf dem Hauptweg vom Friedhofstor bis zur Leichenhalle. Rund 40 Meter sind das.

Kruses Credo: Wer sich über Dinge aufregt, zu deren Besserung er selbst - zum Beispiel im Rahmen eines Arbeitseinsatzes - beitragen kann, sollte lieber die sprichwörtliche Schippe in die Hand nehmen.

Rutschiger Schlammweg

Problematisch an dem Wegesystem: Durch den erdigen Untergrund verwandelt sich der Weg bei Regen schnell in einen rutschigen Schlammweg. Daher genießt dieses Vorhaben unter den rund 40 Helfenden einen besonderen Stellenwert. Während Dietmar Schrader den Kies mit dem Harken verteilt, verdichtet und glättet Ortsbürgermeister Andreas Gutsche die Steinchen mit der Rüttelplatte.

Natürlich seien die Arbeiten auf dem Friedhof, am Spielplatz, in, um und mit der freiwilligen Feuerwehr nichts weiter als „Schönheitskorrekturen“. Denn: „Unser Ort ist wunderschön“, findet Kruse. Dass lediglich ein Gemeindearbeiter von Gnadau, der darüber hinaus insgesamt zwei Gemeinden zu betreuen habe, nicht alles schaffe, sei gänzlich nachvollziehbar, setzt der junge Vater fort.

Unser eigenes Ringheiligtum

Auf dem Spielplatz hinter dem Dorfgemeinschaftshaus haben sich weitere gut ein Dutzend Helfer versammelt. Zumeist wird an der pfahlartigen Spielplatzumgrenzung gearbeitet. Zum Teil sind die Palisaden überhaupt nicht mehr sichtbar und müssen wortwörtlich ausgegraben werden. Andrea Bartels hat sich deshalb bereits mit dem Spaten bewaffnet und zieht zwischen dem mühseligen Graben eine nicht ganz ernst gemeinte Resonanz: „Wir graben hier unser eigenes Ringheiligtum aus“, lacht sie und fährt umgehend mit ihrer Arbeit fort. Helfer Christian Meussling holt die eingesunkenen, zum Teil stark verfaulten Pfähle dann aus dem Boden und übergibt sie Jeremia. Meusslings vierjähriger Sohn stemmt den Pfahl ähnlich einem Holzfäller auf seine Schultern und legt ihn in der Schubkarre ab.

Rein spielzeugtechnisch hinterlässt der Gnadauer Platz einen eher tristen Eindruck. Das liegt an drei notwendig abgebauten Spielgeräten: Der Reckstange, Rutsche und Schaukel. Die drei Geräte kamen allesamt 2017 nicht mehr durch den TÜV. Grund dafür waren laut Gutsche die verfaulten Holzkonstruktionen, mit denen das Spielgerät im Boden befestigt worden war. Kinder müssen daher derzeit mit Wippe und einem Federwippentier vorlieb nehmen.

Spielplatzkonzept wird erstellt

Ungefähr 15 Gnadauer Kinder, überschlägt der Ortsbürgermeister, würden allerdings von einem attraktiven Spielplatz profitieren, weshalb gegenwärtig ein Spielplatzkonzept erstellt werde. Bis Ende des laufenden Jahres - so lauten die Idealvorstellungen Gutsches - solle das erste neue Spielgerät auf dem Platz Einzug halten und vielleicht schon der Sand ausgetauscht sein. In absehbarer Zeit würden dafür Spenden gesammelt. Selbige Hoffnung hat auch die „Gemeindepflegerin auf Zeit“, Doreen Horn inne. Welche Gerätschaften genau auf den Platz kommen, sollten allerdings die Kinder der entsprechenden Altersklasse mitbestimmen. Ihr Vorschlag daher: Eine Bildermalaktion unter dem Thema „Wie sieht mein Lieblingsspielplatz aus?“ in Kita und Grundschule. Das aber sei noch Zukunftsmusik.