Schönebeck l Seit gut zwei Jahren gehört ein Teilbereich der Barbarastraße nun zu Thyssen-krupp und ist für den Durchgangsverkehr voll gesperrt. Ein Umstand, den die Anwohner bis heute kritisch sehen. Nicht nur, dass sie für einen Besuch der Innenstadt einen Umweg über Dammweg und Hoher Weg hinnehmen müssen. Sie finden auch in den heimischen Wänden nicht so richtig viel Ruhe, weil immer noch Lasterfahrer das Verkehrsschild am Knoten Dammweg/Barbarastraße ignorieren und in die Sackgasse fahren. „Die Laster stehen dann ratlos vor dem Zaun, wo es kein Tor gibt“, erzählt Renate Schnürle. Das erlebe sie fast tagtäglich, im schlimmsten Fall gleich mehrmals am Tag. „Einmal standen fünf Lkw hintereinander.“

Da – wie es das Verkehrsschild auch aussagt – ein Wenden vor Ort nicht möglich ist, ist das Geschick der Fahrer gefragt. Das Zurücksetzen ihres nicht gerade kleinen Gefährts würde aber nicht allen gleich gut gelingen, hat sie beobachtet. So werde auch versucht, in den Auffahrten zu den Wohnhäusern zu wenden. Mal mit, mal ohne Erfolg, meint sie und zeigt auf die zur Straße befindliche Garagenwand, die schon ziemlich lädiert aussieht. „Die Vollsperrung des Teilbereiches ist so schlimm für das ganze Wohngebiet“, sagt sie kopfschüttelnd. „Das Chaos, das sich fast täglich in der Sackgasse hier abspielt ...“ Sie habe schon das Unternehmen angeschrieben und auf das Problem hingewiesen, sagt Renate Schnürle im Gespräch.

Anlieger sehen Handlungsbedarf

Durch Gespräche mit Anwohnern der Barbarastraße weiß auch die SPD-Stadtratsfraktion darum. Fraktionsvorsitzender Frank Schiwek schreibt Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) an. Zwar sei ihm bewusst, dass dies kein ausschließlich städtisches Problem sei, dennoch sehe die Fraktion im Interesse der Anlieger Handlungsbedarf.

Auf Nachfrage der Volksstimme zeigt sich, dass das Thema bekannt ist. „Die Stadt ist an der Problematik dran. Es haben Gespräche mit beteiligten Firmen stattgefunden“, teilt Matthias Zander vom Stadt-Presseamt mit. Hinweisschilder und Verkehrssituation seien bei der übergeordneten Straßenverkehrsbehörde des Kreises angesprochen worden, es habe eine Verkehrsschau gegeben. Die Kreisverwaltung bestätigt das. „Wir kennen die Situation vor Ort seit einiger Zeit und sind diesbezüglich mit der Stadt Schönebeck im Gespräch gewesen. Denn, das sei vorausgeschickt, zuständig ist die Stadt Schönebeck, wenngleich Teile von Barbarastraße, Dammweg und Heinitzhof zur Kreisstraße 1279 zählen“, teilt Kreissprecher Marko Jeschor mit. Man könne nachvollziehen, dass Anwohner mit der Situation unzufrieden sind.

Für Renate Schnürle ist klar: „Hier fehlen ganz eindeutig Hinweisschilder für die Lasterfahrer, um zeitig – und nicht erst in der Barbarastraße vor dem Zaun – zu erkennen, wo genau der Liefereingang für Thyssenkrupp ist.“ Ihrer Meinung nach müssten diese an der Kreuzung Dammweg/Barbarastraße, am Kreisel Heinitzhof und an der Söker Straße angebracht werden. „Es müsste doch auch im Interesse des Unternehmens sein, wenn die Lieferung zügig passiert und nicht erst durch ratloses Umherfahren.“

Es fehlen Schilder

Das sieht auch die SPD-Stadtratsfraktion so. „Der Liefereingang für die Firma sollte gesondert auf Vorwegweisern und zusätzlich direkt an den Einfahrten zur Barbarastraße ausgeschildert werden“, heißt es im Schreiben von Frank Schiwek an den Stadtchef.

Der dafür zuständige Kreis ist da anderer Meinung, gibt Matthias Zander von der Stadtverwaltung wieder: Die Ausschilderung sei in Ordnung. Dass die Lasterfahrer in die Sackgasse fahren, „liegt nicht an der unzureichenden Verkehrsbeschilderung, sondern an den ordnungswidrigen Verkehrsverhalten der Kraftfahrer“, so der Stadtmitarbeiter. Und auch Kreissprecher Marko Jeschor betont: „Weitere Schilder würden aus unserer Sicht nicht zu einer Verbesserung der Situation führen.“

Und das Unternehmen selbst? Thyssenkrupp verweist darauf, dass es bezüglich der Beschilderung eine öffentliche Straße ist und die Stadt das Sagen habe. Aber man kenne und verstehe die Kritik der Anwohner und wolle bei der Lösung unterstützen. „Wir würden Höhe Kreisverkehr Schilder am Werkszaun befestigen, darauf ein großer Pfeil und ein Schriftzug mit dem Firmen-Hinweis. Damit die Laster erst gar nicht in den Dammweg reinfahren“, heißt es von Seiten der Firma. Die Schilder sollen schnellstmöglich in Auftrag gegeben werden. Einen genauen Termin, wann sie hängen, könne man aber noch nicht sagen.