Schönebeck/Beit Jala l Chemie ist zwar nicht unbedingt das Lieblingsfach von Gunnar Schellenberger, doch ein wenig kennt sich der Staatssekretär für Kultur in der Staatskanzlei und dem Ministerium für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt und CDU-Kreisvorsitzender im Salzlandkreis aus. Unterrichtsfächer des Pädagogen sind eigentlich Mathematik und Physik. Doch als er bei einer viertägigen Dienstreise nach Israel und Westjordanland (unter anderem wegen 100 Jahre Bauhaus) die Möglichkeit zu einem Schulbesuch in der Stadt Beit Jala hat und in einer Schulstunde im Chemiekabinett hospitiert, fällt dem deutschen Pädagogen ein misslungenes Experiment auf. Am Ende war es eine Schlauchklemme, die einen Schüler fast zum Verzweifeln brachte.

Es sind oftmals diese Kleinigkeiten, die das Eis zum Schmelzen bringen. Ein kurzes, gemeinsames Lachen, das oftmals mehr Verständnis und Wärme bringt als jahrelange Diplomatie der kleinen Schritte. Neben vielen anderen Programmpunkten stand der Besuch des Bildungszentrums Talitha Kumi auf der Tagesordnung – einer deutschen Austauschschule in Trägerschaft des Berliner Missionswerkes. „Die Schule war sehr beeindruckend“, berichtet Gunnar Schellenberger im Gespräch mit der Volksstimme.

Bilingualer Unterricht

Schon vor knapp 170 Jahren wird die Einrichtung, damals als Kinderheim, in Jerusalem gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg zieht die Einrichtung in den jordanischen Teil Palästinas um und erweitert das Portfolio: Heim, Schule, Kindergarten. „Es findet dort ein bilingualer Unterricht in Deutsch und Englisch statt“, erzählt Schellenberger. Das Leitbild der Schule ist so modern wie manche Vorzeigeschule in Europa. Es findet eine christlich, humanitäre Erziehung statt. Elementare Werte wie Frieden, Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit werden den Schülern vermittelt. Und das in einer Region, die – vorsichtig formuliert – einem Pulverfass ähnelt.

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Vom Talitha-Kumi-Bildungszentrum bringt Gunnar Schellenberger nun eine Bitte mit: In diesem Jahr werden 13 Schülerinnen und Schüler der jetzigen Klasse 11d nach Deutschland reisen. Der Austausch wird von der evangelischen Gemeinde in Schneeberg (Sachsen) organisiert. „Nach der Woche in Schneeberg suchen die 13 Schüler Hospitationsbetriebe und private Unterbringungen in Gastfamilien“, berichtet Schellenberger. Der Zeitraum dafür steht bereits fest: 18. Juni bis 5. Juli.

Der Klassenlehrer der 11d der dortigen Schule ist nun gemeinsam mit Gunnar Schellenberger auf der Suche nach Stellen in Firmen und Unternehmen. Das Interesse der Schüler ist hierbei breit gesät: Allgemein- und Zahnmedizin, Maschinenbau, Journalismus und Sportjournalismus, Öffentlichkeitsarbeit, Architektur und Innenarchitektur, Film- und Tontechnik. „Die Schüler werden im Sommer im Alter von 16 und 17 Jahren sein und haben alle eine gute deutsche Sprachfähigkeit“, macht Schellenberger deutlich. Damit die palästinensischen Jugendlichen ihre Deutschkenntnisse weiter vertiefen können, sollen zudem Gastfamilien gefunden werden.

Hospitanz in der Region

An dieser Stelle hofft Gunnar Schellenberger auf die Mithilfe der Menschen im Altkreis Schönebeck: Wer kann im genannten Zeitraum einen Schüler oder eine Schülerin aufnehmen? Welches Unternehmen ist bereit, einem Jugendlichen eine Hospitanz zu ermöglichen?