Schönebeck l Seit September 2016 durfte kein Fahrzeug, das schwerer als 3,5 Tonnen  war, mehr über die Brücke fahren.  Seit Mai diesen Jahres war der Abschnitt auf der Eggersdorfer Straße voll für den Verkehr gesperrt. Jetzt sind die Bauarbeiten abgeschlossen, die neue Solgrabenbrücke, für die die Stadt 400 000 Euro an Eigenmitteln ausgegeben hat, kann ab sofort befahren werden.

„Dass eine solch unscheinbar und klein wirkende Brücke eine verhältnismäßig lange Bauzeit in Anspruch genommen hat, lag unter anderem an den vielen Leitungen, die hier verlaufen", erklärte Oberbürgermeister Bert Knoblauch zur Eröffnung. Dennoch habe man sich an die geplanten fünf Monate gehalten. Bauleiter Steffen Böhme führt das weiter aus.  „In der Grube befand sich nicht nur eine Gashochdruckleitung. Auch sind wir hier auf Fernsehkabel gestoßen, von denen vorher nicht genau bekannt war, dass sie sich dort befanden", erklärt er.

120 Jahre alt

Weitere Leitungen, die umverlegt werden mussten: Trinkwasser-, Strom- und Telekomleitungen. Neben der neuen Fahrbahn, die errichtet wurde, wurde auf beiden Seiten die damalige Schutzmauer durch ein Gelände ersetzt. Die etwa 120 Jahre alte Solgrabenbrücke wurde 2016 als zu marode für eine Weiternutzung befunden. Steinausbrüche in der Brückenwölbung hatten das bei einer turnusmäßigen Hauptprüfung deutlich gemacht.

Die Brücke erhielt damals die Note 3,9 bei vier möglichen Minuspunkten. Für die Bauarbeiten war die Brücke zunächst halbseitig und später voll für den Straßenverkehr gesperrt. Das war nicht nur umständlich für die Anwohner, die im Gebiet des Solequells wohnen und von dort aus nach Eggersdorf, zur Bundesstraße 246a beziehungsweise zur Autobahn 14 wollten, sondern dementsprechend auch für Besucher des Solequells und des Kurparks.

Briefkasten an der Absperrung

„Immer wieder gab es Anfragen von Badegästen, aber auch Busreisegruppen, die von der Umleitung nichts wussten, wenden und den Umweg in Kauf nehmen mussten", sagt Solepark-Chefin Sibylle Schulz. Ähnlich unter der Baustelle gelitten haben Anwohner. So auch Reinhold und Regina Brasack, die in der Eggersdorfer Straße 11 wohnen – und somit monatelang die Baustelle vor der Haustür hatten.

„Wir haben uns eingekesselt gefühlt", sagt Regina Brasack. „Doch wir haben es mit Humor genommen." Damit das Ehepaar und ihre Nachbarn noch Post und Zeitungen empfangen konnten, wurden sie kreativ. An der Absperrung brachten sie einen Briefkasten – und sogar eine Funkklingel – an.

Regelmäßige Kontrollen

Das Ehepaar ist zwar froh, dass ihr Grundstück jetzt nicht mehr durch Bauzaun von der Straße abgeschnitten ist, sorgen sich jetzt allerdings um ein weiteres Thema. Ihrer Meinung nach haben Autofahrer auf dem Abschnitt deutlich mehr als die erlaubten 50 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho. 

„Eine Tempo-30-Schild können wir hier nicht aufstellen, da es sich um eine Hauptverkehrsstraße handelt, da ist Tempo 50 vorgeschrieben", so Bert Knoblauch. Denkbar sei jedoch, dass die Stadt regelmäßig  mit ihrem mobilen Blitzer Geschwindigkeitskontrollen durchführen könne.