Zuchau l Grüne Gebirgsmatten, weite Hochebenen, Berge, Klöster, meisterhaft ziselierte Steinkreuze – auf Schritt und Tritt trifft man in Armenien auf Weltkulturerbe. Das kleine Land am Kreuzungspunkt zwischen Europa und Asien ist die älteste christliche Nation der Welt.

Ortsbürgermeister Jörn Weinert (CDU) ist schon seit Jahren dafür bekannt, bei Initiativen nicht zu kleckern, sondern zu klotzen. Seit 2016 eine armenische Bank mit viel öffentlichem Interesse vor der Zuchauer Kirche aufgestellt wurde, reißen die partnerschaftlichen Aktivitäten nicht ab. Ein armenischer Backofen wurde gebaut (und er wird genutzt), Gesprächsrunden initiiert oder Kulinarisches aus dem Südkaukasus zelebriert. Jetzt besucht eine armenische Delegation das Dorf.

Barbyer Mönch bereiste den fernen Osten

Aber woher kommt diese auf den ersten Blick ungewöhnliche Partnerschaft? Warum das kleine Zuchau und Getap im fernen Armenien?

Weil sich der Stadtrat, Ortsbürgermeister, promovierte und habilitierte Sprach- und Literaturwissenschaftler Weinert 2014 zwei Monate lang als Gastdozent an der Staatlichen Linguistischen Brjussow-Universität Eriwan aufhielt, dabei Land und Leute schätzen lernte. Nicht unbedingt den chaotischen Straßenverkehr, aber die Menschen und deren Geschichte. „Die armenischen Gastgeber bekundeten immer wieder Interesse an einer Intensivierung der Beziehungen zu Sachsen-Anhalt“, so Weinert. Und weil der Zuchauer seit Jahren in der Regionalgeschichte unterwegs ist und schon so manches verschüttete „Schätzchen“ ans Tageslicht förderte, erinnerte er zum Beispiel an einen Barbyer Mönch, der vor siebeneinhalb Jahrhunderten unvoreingenommen den fernen Osten bereiste und beschrieb.

Nun kommen die Gäste aus der Kaukasus-Republik eineinhalb Wochen ins frühlingshafte Deutschland. In erster Linie sind es Vertreter aus Politik und Wirtschaft: Bürgermeister, Vorsitzender der Abteilung Tourismus, Vertreter der Universität Eriwan, ein Bauingenieur sowie ein Kleinunternehmer aus dem Partnerdorf.

Gedankenaustausch der Partnerstädte

Die armenische Herrenriege muss mit guter Kondition antreten, da Weinert und seine Helfer ein straffes Programm gezimmert haben. Bevor die Gäste ins ländliche Zuchau kommen, steht zu Beginn freilich ein Besuch der Botschaft der Republik Armenien mit einem Gedankenaustausch zur Weiterführung und Intensivierung der Dorfpartnerschaft auf dem Plan.

Am 29. März 2019 wird dann durchs 300-Seelendorf geführt und zwei landwirtschaftliche Betriebe (Jochen Strötker, Elisabeth von Spiegel) besichtigt. In der St. Laurentiuskirche ist anschließend ein deutsch-armenisches Mitmach-Konzert geplant. Hier bringen sich die Zuchauer Viola Otto und Friedrich Becker mit Unterstützung der Kirchengemeinde ein.

„Die Gäste aus der ehemaligen Sowjetrepublik werden sicherlich ins Schmunzeln kommen, wenn sie vom Subbotnik der Jugend-Feuerwehr erfahren“, lächelt Jörn Weinert. Denn der Begriff für den (ursprünglich sonnabendlichen) Arbeitseinsatz ist eine sowjetische Erfindung.

Straffes Kulturprogramm für die Gäste

Auch eine „armenische Kulinaria“, wie Jörn Weinert die meisterliche Kochkunst nennt, ist ebenso vorgesehen wie ein erster Spatenstich für den Bau eines Spielplatzes oder eine Kremserfahrt nach Sachsendorf, auf der die Bockwindmühle besichtigt werden soll.

In Barby wollen die Armenier die St. Johanniskirche besichtigten. Hier soll der Dominikaner Burchard von Barby gewirkt haben, der im 13. Jahrhundert eine Reise nach Armenien unternahm. Doch damit nicht genug: In Sachen Kultur stehen auch die Calbenser Heimatstube, die Burgruine Klein Rosenburg, das Ringheiligtum und das Dorf Reppichau auf dem Programm, wo das „Kunstprojekt Sachsenspiegel“ besichtigt wird.

Wenn die armenischen Gäste am 6. April wieder in ihre Heimat zurück starten, dürften sie randvoll mit Eindrücken sein.