Ostelbien

Blockierte Zufahrt zu Seen

An den Seen rund um Pretzien werden überdimensionierte Wochenendhäuser gebaut. Für die Ortschaften ergeben sich daraus zahlreiche Probleme.

Von Jan Iven

Pretzien/Plötzky l Eigentlich sollten die Leute gar nicht im Naherholungsgebiet rund um Pretzien wohnen. „Offiziell sind das Wochenendhäuser, die über die Jahrzehnte aber immer massiver gebaut wurden“, sagt der Pretziener Ortsbürgermeister Gundhelm Franke (CDU). Lange Zeit hätten sich die Behörden aber nicht um die Planung in dem Gebiet gekümmert. Inzwischen haben eine ganze Reihe von Menschen ihren ersten Wohnsitz in den Wochenendhäusern angemeldet – und verbringen somit offenbar nicht nur ihr Wochenende in der Region.

Nun sind einige Hausbesitzer sogar dazu übergegangen, die Zufahrten zu den Seen in Ostelbien mit Schranken zu versperren. Das sind zum Teil private Wege. Zum Teil aber auch öffentliche Zufahrten. „Wir haben ein bisschen den Überblick verloren“, sagt Franke. Manche Seen könnten Besucher gar nicht mehr erreichen, wenn sie sich nicht auskennen. Mit der Zeit seien die Wochenendhäuser immer größer geworden. „Erst wird eine Terrasse gebaut, im nächsten Jahr bekommt die Terrasse Wände und dann wird die nächste Terrasse gebaut.“

Doch was für manchen vielleicht zunächst nach einer Bagatelle klingt, entwickelt sich für die Ortschaften und die Stadt Schönebeck mittlerweile zu einem ernsten Problem. Denn: „Die Anbindung der Häuser an die öffentliche Versorgung kann nicht gewährleistet werden“, sagt Franke. Für Müllentsorgung, Rettungsdienste oder Feuerwehr seien die Zufahrten zu schmal. Auch die Entsorgung der Klärgruben sei problematisch, wenn die Bewohner nicht nur die Wochenenden im Naherholungsgebiet verbringen, sondern die gesamte Zeit.

Viele Bürger in Pretzien fühlten sich ungleich behandelt. „In der Ortschaft müssen wir alle Bauordnungen penibel einhalten. Aber im Außenbereich schaut niemand so genau hin“, kritisiert der Ortsbürgermeister. So werden die Grundstücke teilweise von großen Mauern eingefriedet – obwohl die Zäune eigentlich nur einen Meter hoch sein dürften.

Auch werden die Bewohner im Außenbereich nicht für Straßenausbaubeiträge herangezogen. „Natürlich fahren die aber auch über unsere Straßen“, sagt Franke. In einem besonders krassen Fall durfte ein Bewohner in Pretzien sein Haus auf seinem Grundstück nicht vergrößern. Grund: Sein Grundstück erstreckt sich über die Grenze zwischen Innen- und Außenbereich von Pretzien. Und im Außenbereich durfte er nicht bauen. Das sei für Bürger nicht nachvollziehbar.

Eine Ursache für den Wildwuchs sei demnach auch, dass der Salzlandkreis in der Vergangenheit zahlreiche Bauten genehmigt hat, ohne genau hinzuschauen oder auf die Bedenken der Kommune einzugehen. „Das geht so weit, dass jemand den Bau eines Geräteschuppens beantragt und am Ende ein Gebäude mit Keller und Sauna errichtet“, so Franke. In einem Fall sei ein Gebäude einen Hang herunter gerutscht: „Und dann ist natürlich niemand verantwortlich.“

Doch auch bei Neubauten in der Region kommt es immer wieder zu Problemen. So waren Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde zuletzt bei einer Kontrolle am Kolumbussee in Plötzky. Wie eine Sprecherin des Salzlandkreises mitteilte, wurden dort massive Bodenversiegelungen durch Nebenanlagen wie Terrassen, Wege und einen Carport festgestellt. Dabei müssen 60 Prozent der Fläche begrünt sein, was in dem Fall offenbar unterschritten wurde. Die Behörde überprüft nun, ob die Eigentümer Ausgleichspflanzungen vornehmen müssen.

Einen Abriss der überdimensionierten Wochenendhäuser fordert der Ortsbürgermeister Franke allerdings nicht. „Es kann nur darum gehen, die Bauten im Nachhinein zu legalisieren“, sagt er. Vor allem müssten jetzt aber erst einmal alle Gebäude erfasst und entsprechende Bebauungspläne aufgestellt werden. Allein dieser Vorgang werde Jahre in Anspruch nehmen.

Zumindest die Absprachen zwischen Kommune und Kreis sollen sich in Zukunft verbessern. „Wir haben eine gemeinsam Arbeitsgruppe mit dem Kreis gegründet, um die Probleme anzugehen“, sagte der Schönebecker Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) jüngst bei seiner Bürgersprechstunde in Pretzien. Dadurch solle auch ein bisschen Ordnung in den Planungs- und Genehmigungsprozess kommen.