Calbe l Die Saalestadt blickt auf eine über 400-jährige Geschichte des Zwiebelanbaus. Konnte Reiner Tischler als Geschäftsführer der Calbenser Handelsgesellschaft (CaHaGe) 2017 noch ein Loblied auf die ausgezeichnete Qualität der Bollen singen, hat sich die Situation in 2018 beinahe ins Gegenteil verkehrt. Die Bollen sind zu klein. Und das in großen Dimensionen.

Verantwortlich dafür ist die diesjährige Trockenheit. Anlässlich des Bollenfestes führt er die hoheitlichen Repräsentantinnen an den Zwiebelhallen vorbei. Einige, wenige Zwiebeln lagern dort. Der Rest ist leer. Tischler schätzt, dass insgesamt einige Lagerhallen auch nach Ende der Ernte leer bleiben werden.

Kaum mehr Zuversicht

Bis zur Haupternte hatte sich die Calbenser Agrargenossenschaft Zeit gelassen. Sie beginnt laut Tischler erst in dieser Woche. Hintergrund des Ganzen war die unerfüllt gebliebene Hoffnung auf ergiebigen Regen und Wachstum der Bollen. Diese Zuversicht allerdings ist untergegangen. Zum Großteil zumindest. Konkret bedeutet das kleinere Zwiebeln. Etwa um die Hälfte kleiner als es die bevorzugten Kaufgrößen (50 und 70 Millimeter im Durchmesser) sind. Von sogenannten 30ern und 40ern gebe es reichlich. Die geringen Größen bereiten allerdings Probleme bei der Vermarktung. Teils sind die Zwiebeln schlichtweg zu klein, dass Kunden sie annehmen. Deshalb greift man in Calbe auf die Möglichkeit des Zukaufens zurück. Wohlbemerkt nur, um die Lieferverträge mit deutschen Kunden erfüllen zu können. Die zugekauften Bollen stammen immer noch aus Deutschland. Vorwiegend aus Hessen sowie der Pfalz, entgegnet Tischler. Dort seien die Witterungsbedinungen zwar ähnlich, aber nicht genauso gewesen. In den Zwiebelhallen von Calbe wird der Zukauf schließlich für die Kunden verpackt.

In den Vorjahren wurden die Calbenser Bollen immer noch ins Ausland geliefert. Beispielsweise nach Jordanien oder Spanien. In insgesamt sechs bis sieben ferne Länder, fasst Tischler zusammen. Verkaufte Calbe in den letzten Jahren rund 2000 Tonnen Zwiebeln ins Ausland, seien es aufgrund der aktuellen Entwicklung in diesem Jahr Null Tonnen. Mit dem Geernteten wolle man zuvorderst die deutschen Kunden bedienen.

Statt 500 Tonnen keine Schalotten

In oder besser gesagt um die Saalestadt werden von der Calbenser Agrargenossenschaft auf 270 Hektar Zwiebeln angebaut. Bei den Schalotten deutet inzwischen alles auf einen Totalaufall. „Sonst ernten wir rund 500 Tonnen - in diesem Jahr ist das alles Müll“, setzt Tischler seine Ausführungen fort.

Ob die Zwiebelernte noch eine erfreuliche Wendung bringt? Reiner Tischler sieht dafür schwarz.