Vier Millionen Euro teure Logistikhalle soll noch in diesem Jahr begonnen werden

Börde-Airport setzt verstärkt auf Luftfracht

Von René Kiel

Hecklingen l Über die Möglichkeiten, die der Verkehrsflughafen Cochstedt für die Luftfracht in Sachsen-Anhalt bietet, informierte sich gestern Nachmittag der Logistik-Beirat des Landes.

Airport-Geschäftsführer Uwe Hädicke nutzte diese Gelegenheit, um den Mitgliedern dieses Gremiums, dass die Landesregierung berät, den Standort vorzustellen. "Wir liegen im Zeitplan und sind vertragstreu, was die Umsetzung der Investitionen anbelangt", ging Hädicke auf die Vereinbarungen mit dem Land ein, die der dänische Investor beim Kauf des Geländes schriftlich fixiert hatte.

Beachtlich ist insbesondere die Entwicklung des Personalbestandes von anfangs vier auf inzwischen 70 Mitarbeiter, von denen laut Hädicke 90 Prozent in Vollzeit beschäftigt sind.

Er sei zuversichtlich, dass man in den nächsten Jahren mit der als "Eisbrecher" fungierenden Fluggesellschaft Ryanair weiter arbeiten und darüber hinaus weitere Airlines für eine Zusammenarbeit im Passagierverkehr gewinnen könne. "Wir hoffen, dass wir zeitnah mit einer weiteren Gesellschaft aus der Deckung kommen können", sagte Hädicke. Details wollte er aber noch nicht verraten. Das werde erst nach der Vertragsunterzeichnung erfolgen, sagte der Flughafenchef. Sicher ist, dass speziell in den Herbstferien 2012 erstmals das Sonnenziel Antalya an der Türkischen Rivera von Cochstedt aus angeflogen werde.

Die Auslastung der Ryanair-Maschinen bezeichnete Hädicke als gut. Bis der Flughafen eine schwarze Null schreiben könne, müsste aber noch mehr Luftverkehr generiert werden. "400 000 Passagiere plus x wäre für uns eine gute Zahl", sagte Hädicke. Im vergangenen Jahr waren es rund 76 000. Dieses Jahr werden es durch die geringere Zahl an Flugbewegungen von großen Maschinen entsprechend weniger werden.

In diesem Zusammenhang verwies Hädicke darauf, dass der Börde-Airport nicht mehr am Tropf des Landes hänge und seit der Privatisierung keine staatlichen Zuschüsse mehr erhalten habe.

Nach zwei Jahren Passagierverkehr wolle man sich nun verstärkt der Luftfracht als zweites Standbein widmen, kündigte Hädicke an. Der erste Schritt sei die Stationierung eines Frachtflugzeuges vom Typ Antonov 26 in Cochstedt gewesen. Die Maschine des lettischen Anbieters Raf-Avia steht seit einigen Wochen für europaweite Transportgeschäfte mit bis zu 5,5 Tonnen Fracht zur Verfügung. Sie kann Bauteile bis zu elf Metern Länge, etwa 2,30 Meter Breite und 1,60 Meter Höhe transportieren.

Als zweiten Schritt stellte Hädicke den Bau von zwei Logistikhallen mit einem Umfang von 1000 und 7000 Quadratmeter in Aussicht. Allein die kleine Halle werde rund vier Millionen Euro kosten. "Der Bauantrag ist bereits gestellt. Unser Ziel ist es, sie drei bis vier Monate nach dem Baubeginn in Betrieb nehmen zu können", sagte der Geschäftsführer. Erste Kontakte mit Speditionen in Sachsen-Anhalt seien bereits geknüpft worden.

Mache das Cargo-Geschäft derzeit erst drei bis vier Prozent des Umsatzes des Flughafens aus, sollen es in absehbarer Zeit rund zwanzig Prozent werden, sagte Hädicke. Als großen Standortplus von Cochstedt im Gegensatz zur Konkurrenz hob er die uneingeschränkte 24-Stunden-Betriebserlaubnis hervor. "Eine solche Einstufung ist heute goldwert", meinte auch Verkehrsminister Thomas Webel (CDU).