1. Startseite
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Schönebeck
  6. >
  7. Böswillig in Bäume gebohrt: Gemeinde Bördeland lässt Eiche auf Friedhof in Biere fällen

Sachbeschädigung Böswillig in Bäume gebohrt: Gemeinde Bördeland lässt Eiche auf Friedhof in Biere fällen

Zwei Eichen wurden vor einigen Monaten auf dem Bierer Friedhof angebohrt. Einer der Bäume bekam wieder Laub, ein anderer starb ab. Die Gemeinde fällte den toten Baum letzte Woche. Ein Täter für die Schäden an den Bäumen ist noch nicht bekannt.

Von Robert Gruhne 29.06.2021, 16:59
Eine der beiden Eichen auf dem Bierer Friedhof war erst tot und ist nun auch gefällt.
Eine der beiden Eichen auf dem Bierer Friedhof war erst tot und ist nun auch gefällt. Foto: Robert Gruhne

Biere - Andreas Pluntke, Ordnungsamtsleiter der Gemeinde Bördeland, kommt gleich auf den Punkt, als es um die zwei angebohrten Eichen auf dem Bierer Friedhof geht: „Der Baum ist tot.“ Eine der 20 Jahre alten Eichen hat es nicht überstanden, dass vor einigen Monaten jemand ringsherum in sie hineinbohrte. Betroffen war noch ein zweiter Baum, der jedoch in diesem Frühjahr wieder ausschlug.

Nur wenige Tage nach Pluntkes Feststellung schritt die Gemeinde zur Tat und fällte den Baum. Der Bauhof habe die Reste beseitigt, teilte Bürgermeister Bernd Nimmich (SPD) mit. Nur die Teile mit den Löchern wurden gesichert. Damit kam die Gemeinde einer Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde des Salzlandkreises zuvor.

„Bösartige Sachbeschädigung“

Die Bohrlöcher auf drei Meter Höhe in den Stämmen wurden im März durch Zufall von Bauhofmitarbeitern entdeckt. Bürgermeister Bernd Nimmich (SPD) sagte damals: „Ich habe schon viel erlebt, aber sowas ist mir noch nicht unterkommen. Das ist eine bösartige Sachbeschädigung gegen die wir vorgehen werden und alles versuchen werden, die Täter zu ermitteln.“

Laub trug die Eiche dieses Jahr nicht mehr. Der Weg  war lange gesperrt.
Laub trug die Eiche dieses Jahr nicht mehr. Der Weg war lange gesperrt.
Foto: Robert Gruhne

Bisher jedoch ohne Erfolg. Vermutet wurde im März, dass es sich um Bürger handelte, die sich über Bäume oder zu viel Laub beschwerten. Der extra bestellte Baumgutachter Steffen Pilz sagte, vorsätzliche Baumbeschädigungen kommen häufig vor. Er vermutete im Bierer Fall, dass Profis am Werk gewesen sind, da die Art der Schädigung die Bäume empfindlich trifft. Die Rinde ist ein wichtiges Organ, weil sie für Stabilität und Versorgung des Baumes sorgt. Wird sie geschädigt, können Bakterien und Pilze eindringen.

Schon im März lautete deshalb das Urteil der Begutachtung: Die Bäume müssen höchstwahrscheinlich gefällt werden. Der Bereich wurde weitläufig abgesperrt.

„Ein Specht, der 12er-Löcher macht“

Die Gemeinde entschied sich daraufhin, die Bäume fällen zu lassen. Nach dem Volksstimme-Artikel meldete sich aber eine Leserin, die als Urheber der Löcher einen Specht vermutete. Das schloss Baumgutachter Pilz aus. Der Vogel gehe grundsätzlich nur an schon geschädigte Bäume und fresse auch nicht so tief und gleichmäßig. Pluntke formulierte es zynischer: „Das muss schon ein Specht gewesen sein, der 12er-Löcher macht.“

Trotzdem wollte die Gemeinde auf Nummer sicher gehen und entschied sich dazu, die Fällungen von der Unteren Naturschutzbehörde genehmigen zu lassen. Nach einem Ortstermin entschied die Behörde: Die Bäume sollten während der Vegetationsperiode zunächst beobachtet werden, um ihren Gesundheitszustand einschätzen zu können.

Glücklicherweise bremste die Behörde die Fällungen, könnte man heute sagen. Denn bei einem Termin Mitte Juni stellte die Naturschutzbehörde fest, dass eine der beiden Eichen wieder belaubt ist. Der zweite Baum aber hatte es nicht geschafft. Pluntke stellte gar fest: „Der blutet richtig aus, vielleicht ist er noch vergiftet worden.“

Zweiter Baum noch nicht über den Berg

Auch beim zweiten Baum ist ein langfristiges Überleben nicht gesichert. Die Löcher bleiben schließlich und vermindern die Stabilität des Baumes. Die Eiche wird weiter beobachtet.

Von der Unteren Naturschutzbehörde hieß es letzte Woche noch, dass man prüfe, „ob die unbelaubte Eiche im Rahmen der Gefahrenabwehr gefällt werden muss und informiert zeitnah dazu die Gemeinde Bördeland“, teilte Pressesprecherin Marianne Bothe mit.

Die Gemeinde wollte aufgrund der Gefahr für Vorbeigehende aber nicht mehr länger warten. „Für mich gibt es keine andere Option als Fällung. Tot ist tot“, sagte Pluntke. Letzte Woche gingen die Bauhofmitarbeiter zu Werke.