Egeln/Tarthun/Schönebeck/Staßfurt l Ein normaler Alltag abseits von Einsätzen ist für viele Feuerwehrleute im Salzlandkreis weit entfernt. Am Dienstagvormittag brannte es an der Kreisstraße zwischen Egeln und Tarthun.

Drei Diemen mit insgesamt 90 Strohballen stranden lichterloh in Flammen. Die Kameraden der Ortswehren Egeln und Tarthun kamen zum Brandeinsatz, konnten die Strohdiemen aber nicht mehr retten. Sie verhinderten jedoch ein Übergreifen auf weitere Diemen, die entlang der Straße für den Verkauf postiert waren.

Landwirt tippt auf Brandstiftung

„Das ist Brandstiftung. Das ist nun schon das dritte Mal in diesem Jahr, dass man uns was in Brand gesteckt hat“, sagte Klaus Baier von der gleichnamigen Landwirtschafts GbR aus Egeln voller Verbitterung. Da das Feuer an drei Stellen gleichzeitig ausgebrochen war, geht auch der Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Stöhr (UWGE) davon aus, dass hier jemand nachgeholfen hat.

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Wie er der Volksstimme mitteilte, kam bei Tarthun am Nachmittag schwere Technik zum Einsatz, um das immer noch glimmende Stroh auseinander zu ziehen. Danach rollte eine 30.000 Liter fassende Kaupe einer Westeregelner Spedition an, um die Glut abzulöschen.

Unfall mit Feuerwehrfahrzeug

Pech hatten die Kameraden der Ortswehr Egeln, die von der Rettungsleitstelle des Salzlandkreises am Mittag ebenfalls alarmiert wurden, um zu dem Löscheinsatz zwischen Egeln und Tarthun zu fahren. Auf dem Weg dorthin, zwischen Egeln-Nord und der Kreuzung der B 81/B180, kam es aus bisher ungeklärter Ursache zu einem Verkehrsunfall. Dabei stieß ein Feuerwehrfahrzeug mit einem Pkw zusammen, worauf der Feuerwehrtanker erst in einem angrenzenden abschüssigen Straßengraben zum Stehen kam.

„Bei diesem Unfall wurde eine junge Frau aus dem Pkw leicht verletzt“, sagt Verbandsgemeinde-Bürgermeister Stöhr. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht. Das Feuerwehrfahrzeug wurde abgeschleppt. Stöhr, der sich vor Ort über den Unfall und den Löscheinsatz informierte, gehe von einem Versicherungsschaden aus.

Bewohner rufen Leitstelle an

In der Wolmirslebener Feldflur waren die rund 1500 Strohballen, die in der Nacht zum Montag in Flammen standen, auch am Montagabend immer noch nicht komplett abgebrannt. Aufgrund des Feuerscheins meldeten sich Montagabend etliche Leute bei der Rettungsleitstelle.

Neben zahlreichen anderen Bränden insbesondere im Raum Egeln und Schönebeck, gab es im August bisher allein fünf Diemenbrände – die aktuellen eingerechnet.

Bisher kein Beschuldigter

„Nicht in allen Fällen ist von einer Brandstiftung im rechtlichen Sinne auszugehen. In der Regel werden erste Ermittlungen seitens der Polizei eingeleitet. Die Ermittlungen sind darauf ausgerichtet festzustellen, ob es sich um einen technischen Defekt, einen fahrlässige oder vorsätzliche Inbrandsetzung oder um Naturgewalten handelt“, erklärt Polizeisprecher Marco Kopitz das Vorgehen der Polizei bei Diemenbränden. Einen Beschuldigten gebe es bisher nicht.

Die Polizei empfiehlt, das Stroh nicht länger als notwendig in Diemen auf dem Feld zu lagern. Auch Verbandsgemeinde-Bürgermeister Stöhr appelliert an die Landwirte, ihr Stroh nicht lange an den Straßenrändern abzustellen.

Tausende Euro Schaden

Der Schaden für die betroffenen Landwirte ist immens. In Wolmirsleben beispielsweise liegt der Verlust für den betroffenen Landwirt bei rund 60.000 Euro.

„Das kann für Betriebe mit Tierhaltung, die auf das Stroh als Einstreu angewiesen sind, bedeuten, zukaufen zu müssen. Ackerbaubetriebe, die das Stroh weiterverkaufen wollten, können eventuell Lieferverträge nicht erfüllen und bleiben auf dem finanziellen Schaden sitzen, falls die Gefahr nicht versichert war“, erklärt Christian Apprecht vom Bauernverband Börde.

Keine speziellen Ermittlungen

Eine spezielle Ermittlungsgruppe (EG) zur Aufklärung der Brände werde seitens der Polizei im Salzlandkreis nicht eingerichtet, heißt es.

Marco Kopitz erklärt: „Für die Einrichtung einer EG bedarf es bestimmter Voraussetzungen, welche in den vorliegenden Fällen nicht erfüllt sind.“ Außerdem sei eine Ermittlungsgruppe aus personellen Gründen nicht zu realisieren, teilte die Polizei bereits mit.

Feuerwehren sind einsatzbereit

Die Belastung für die Feuerwehren auch durch zeitintensive Löscharbeiten bei Diemenbränden scheinen immens. Doch sowohl Steffen Aermes, Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Staßfurt, als auch Daniel Schürmann, kommissarischer Stadtwehrleiter in Schönebeck, geben vorsichtig Entwarnung. „Entweder du bist Feuerwehrmann/frau oder du bist es nicht“, sagt Steffen Aermes über Situationen, die über das normale Einsatzmaß hinausgehen. „Man muss in solchen Fällen nicht zusätzlich motiviert werden.“

Dass die Orts- und Stadtteilwehren in Schönebeck zur Zeit höher frequentiert sind als üblich, bestätigt Schönebecks kommissarischer Stadtwehrleiter Daniel Schürmann aber. „Momentan sind es teilweise immer wieder zeit-, personal- und materialaufwändige Einsätze“, sagt er.

Arbeitergeber unterstützen Einsatz

„Eine ruhigere Phase würde unseren Kameraden sicher gut tun.“ Dennoch: „Alle Feuerwehren der Stadt Schönebeck sind vollständig einsatzbereit und die Kameraden sind weiterhin ohne Abstriche für ihre Aufgaben da“, sagt Daniel Schürmann – auch weil viele Arbeitgeber das ehrenamtliche Engagement für die Gemeinschaft ermöglichen.

Auf Volksstimme-Anfrage äußert sich auch Landrat Markus Bauer zur aktuellen Situation. Den Einsatz der Feuerwehrleute könne er gar nicht hoch genug schätzen. Er sagt: „Schlimm genug, dass die wiederholt große Trockenheit zusätzlich belastet. Aber völlig unverständlich und inakzeptabel ist es, wenn tatsächlich irgendwelche Feuerteufel am Werk sein sollten. Hoffentlich findet man den- oder diejenigen, die so unverantwortlich zündeln.“