Schönebeck l Die Fassungslosigkeit von Edelgard Rockmann war am Lesertelefon noch immer hörbar. „Wie kann man denn zu dieser Zeit mähen, das darf man doch jetzt gerade gar nicht. Es ist doch Brutzeit, beziehungsweise viele Säugetiere wie Rehe sind gerade mit ihren Kitzen unterwegs“, sagte sie und fügte hinzu: „Entschuldigen Sie, aber mich macht das Ganze sehr emotional.“

Bei einem Spaziergang war ihr am Donnerstag aufgefallen, dass am Wäldchen neben dem Kurpark, auf dem Fußweg neben der Straße „Am Gradierwerk“ gemäht wurde. „Ich dachte, ich höre und sehe nicht richtig“, klagte die Schönebeckerin, die auch ehrenamtliches Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu) ist, ihr Leid.

Die Volksstimme stellte daraufhin eine Anfrage bei der Stadt – und schnell reagierte darauf der städtische Eigenbetrieb Solepark. Betriebsleiterin Sibylle Schulz stellte klar: „Das Mähen dieses Streifens war mit dem Solepark nicht abgesprochen und wurde versehentlich durch die Beschäftigungsförderungs-, Qualifizierungs- und Innovationsgesellschaft Schönebeck (BQI) durchgeführt.“

Arbeiten gestoppt

Solepark-Mitarbeiter Frank Frommann fügte hinzu, dass er gleich nach Bekanntwerden des Vorfalls in das Wäldchen geeilt sei, um die Mäharbeiten zu stoppen. „Zum Glück war der Schaden noch gering und es war noch nicht viel abgemäht“, so Frommann.

Stephan Schmidt, Assistent der Geschäftsführung bei der BQI, konnte zunächst nicht bestätigen, dass Mitarbeiter vor Ort waren. Zu der versäumten Absprache mit dem Solepark könne er sich deshalb nicht äußern, hieß es. Er verwies auf den Geschäftsführer Hans Weber, der erst ab Dienstag wieder im Haus sei. Eine Anfrage hat die Volksstimme bei ihm gestellt.

Sibylle Schulz und Frank Frommann waren dankbar für den Hinweis der Volksstimme-Leserin. Frommann: „So konnten wir doch schnell handeln und die Mäharbeiten stoppen.“

Edelgard Rockmanns Mann Günter Rockmann, ebenfalls Nabu-Mitglied, beschrieb am Lesertelefon noch einmal, wie wichtig es sei, Wiesen, die keine Nutzflächen sind, zu dieser Jahreszeit nicht zu mähen. „Nicht nur die Bodenbrüter wie Nachtigallen, sondern auch andere brütende Vögel werden durch den Lärm erheblich gestört und es besteht die Gefahr, dass man sie verprellt und die Vögel die Küken in den Nestern hinterlassen“, klärte der engagierte Schönebecker auf.