Schönebeck l „Der Bedarf an Nachhilfe ist immer da. Das war vor der Pandemie so und das ist auch jetzt noch so“, fasst Miriam Weise-Wendel, Leiterin des Nachhilfe-Angebots Studienkreis in Schönebeck, zusammen. Die Anzahl der Schüler, die sich in der Einrichtung am Schönebecker Marktplatz weiterbilden, ist während der Pandemie sogar gestiegen. „Im Vergleich zu den Zahlen vor dem ersten Lockdown im März haben wir nun rund 17 Prozent mehr Jungen und Mädchen aus allen Klassenstufen und Schulformen bei uns“, sagt Weise-Wendel.

Bundesweit ist die Nachfrage während des ersten Lockdowns aber zunächst gesunken, wie Thomas Momotow, Pressesprecher der Studienkreis GmbH, mitteilt. Das könne daran gelegen haben, dass während der Homeschooling-Phase so gut wie keine Noten vergeben wurden beziehungsweise die Versetzung keine Rolle spielte, so Thomas Momotow. Inzwischen habe sich die Nachfrage aber erholt und im vergangenen Monat sei sogar eine stärkere Nachfrage als im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres festzustellen. „Viele Eltern glauben, dass die Coronazeit, speziell die Homeschooling-Zeit, Lücken bei ihren Kindern hat entstehen lassen und glauben nicht, dass die Schulen diese so bald aufarbeiten können“, teilt der Studienkreis-Sprecher mit.

Plötzlich Heimunterricht

Auch Miriam Weise-Wendel sind vor allem die Tage um den ersten Lockdown herum noch gut in Erinnerung. „Plötzlich hieß es für die Schüler: Homeschooling. In den Schulen haben sie Unterlagen und Materialien bekommen, die sie zuhause durchgehen sollten. Damit waren einige überfordert. Sie kamen dann mit den Unterlagen zu uns, und wir haben weitergeholfen, ihnen die jeweiligen Inhalt erklärt.“

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Das ging die ersten paar Tage sogar noch vor Ort im Gebäude am Markt, doch mit dem Lockdown musste nach den Schulen auch die Nachhilfeeinrichtung die Türen schließen. Also wurde auch beim Studienkreis auf virtuellen Unterricht gesetzt. Wie Momotow und Weise-Wendel erklären, konnten die Nachhilfelehrer schnell für den Online-Unterricht geschult werden, sodass diese wiederum die Schüler mittels Videokonferenzen unterrichten konnten. „Das hat auch wirklich gut geklappt. Vor allem mit einem speziellen interaktiven Pad kann die Arbeit fast genauso durchgeführt werden wie an der klassischen Tafel“, resümiert Miriam Weise-Wendel.

Ohne Technik geht nichts

Doch das sogenannte „E-Learning“ (elektronisches Lernen) hat auch einen deutlichen Nachteil: Ohne Technik geht nämlich nichts. Das bemerkte auch Miriam Weise-Wendel. „Als wir coronabedingt nur noch Online-Unterricht angeboten haben, gab es auch Absagen beziehungsweise Abmeldungen durch die Eltern. Es hat sich gezeigt, dass eben nicht jedes Kind Zugang zu einem Laptop oder zu einer ausreichenden Internetverbindung hat. Und das ist schade, denn Kinder, die es ohnehin schon schwerer haben, werden durch Heimunterricht und elektronisches Lernen noch weiter benachteiligt.“

Ähnliches berichtet Thomas Momotow: „Wir haben festgestellt, dass wir im aktuellen Schuljahr überproportional viele Schüler haben, die über das Bildungs- und Teilhabepaket staatliche Unterstützung erhalten. Ein Hinweis darauf, dass sich insbesondere bei Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien ein vermehrter Förderbedarf bemerkbar macht. Ihnen hat möglicherweise das Homeschooling ganz besonders zu schaffen gemacht.“

Online- und Präsenzunterricht

Doch das reine Online-Lernen ist glücklicherweise wieder vom Tisch – zumindest für den Moment. „Im sogenannten ‚Lockdown light‘ ist es uns erlaubt, unsere Niederlassungen für den Präsenzunterricht geöffnet zu halten. Wir bieten aber unseren Kunden weiterhin an, auf Wunsch Online-Unterricht oder einen Hybrid-Unterricht aus Online- und Präsenzunterricht zu erhalten“, erklärt Thomas Momotow.

Das bedeutet, dass auch Schönebecker Schüler wieder vor Ort das Nachhilfeangebot nutzen können – egal ob sie sich für Online- oder Präsenzunterricht entscheiden. Natürlich unter Beachtung verschiedener Vorgaben. So gilt die 1,50-Meter-Abstandsregel und es muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Außerdem wird auf die Einhaltung der Hust- und Niesetikette geachtet. „Zudem lüften wir alle 20 Minuten und haben zusätzlich Luftfilter-Geräte in den Räumen stehen“, sagt Weise-Wendel. Weiterhin findet die Nachhilfe nur noch in kleinen Gruppen von maximal vier Schülern und zu festen Zeiten statt. Das bedeutet beispielsweise, dass Schüler durchaus auch mal draußen warten müssen, wenn sie zu früh auftauchen.

Unterricht vor Ort

Miriam Weise-Wendel ist derweil froh, dass der Unterricht zumindest wieder vor Ort stattfinden kann. Echte soziale Kontakte können Homeschooling, E-Learning & Co. nämlich nicht ersetzen.