Handwerk

Das süße Backwerk hat es ihm angetan

Das süße Gebäck hat es ihm angetan. Wolfgang Jacob aus Schönebeck hat vor 50 Jahren seine Prüfung zum Konditormeister gemeistert.

Von Heike Liensdorf

Schönebeck l Auch nach 50 Jahren als Konditormeister ist Wolfgang Jacob ein leidenschaftlicher Kuchenesser. Zuckerkuchen, Bienenstich, Streuselkuchen, also eher die „trockenen Sorten“. Auch gern Torte, es müsse nicht Sahne sein, räumt er ein. Seine Frau Dorit muss schmunzeln und sagt unumwunden: „Mein Mann ist sehr gern Kuchen – alle Sorten.“ Beide lächeln sich an, sie verstehen sich blind: Süßes geht immer.

Die Konditoren-Leidenschaft scheint bei Familie Jacob vererbt zu werden. Sein Vater Wilhelm Jacob hatte im Jahr 1938 das Geschäft mit Café und Wohnung im Breiteweg 1 gepachtet. Wolfgang Jacob übernahm es später und zog dann einmal quer rüber, Markt 20, und seit fünf Jahren führt Sohn Torsten die dortige Konditorei.

Wolfgang Jacob, der vor kurzem bei einer Festveranstaltung im Haus des Handwerks von der Handwerkskammer Magdeburg seinen goldenen Meisterbrief erhalten hat, hat das Backstuben-Leben schon als Kind geliebt. „Schon mit elf, zwölf Jahren habe ich mitgeholfen. Als ich siebte, achte Klasse war, durfte ich auch schon Eis, das mein Vater auch in eigener Produktion herstellte, mit verkaufen. Naja, im Sommer, wenn es sehr warm war und meine Klassenkameraden baden gefahren sind, ist das nicht immer schön gewesen“, erinnert sich der heute 77-Jährige noch. Er sei halt reingewachsen in den Beruf. Sein Vater war Konditormeister mit Leib und Seele.

Die Begeisterung ist ansteckend gewesen – auch Wolfgang Jacob hat Konditor gelernt. 1958 hat er ausgelernt. Für seine Zukunft hatte er als junger Mann große Pläne: im Winter wollte er im Harz arbeiten, im Sommer an der Ostsee. Eine Wunsch-Hälfte konnte er sich erfüllen: Er fängt im Hotel Heinrich Heine in Schierke an. Die wirtschaftliche Lage zwinge ihn aber, erzählt er, nach Hause zurückzukehren. Er sollte im elterlichen Geschäft mitarbeiten.

Er bereitet sich auf die Meisterprüfung vor und legt diese 1967 ab. Erinnert er sich noch an sein Meisterstück? „Natürlich. Das war eine Windmühle aus Marzipanmasse und gezogenen Zucker“, sagt er, ohne auch nur eine Sekunde überlegen zu müssen.

1965 hat er geheiratet. Seine Dorit sagte ihrem damaligen Beruf adé und stieg in die Konditorei mit ein. „Das nötige Wissen erlernte sie von meiner Mutter und den damaligen Verkäuferinnen“, so Wolfgang Jacob.

Er hatte vor, Konditorei mit Café in zweiter Generation zu übernehmen. Dann kamen aber schwierige Zeiten auf ihn zu. Sein Vater wollte das Geschäft Breiteweg 1 an ihn abgeben, Wolfgang Jacob stellte den Antrag bei der Stadt, übernehmen zu können – das wurde abgelehnt. „Ich habe mich aber nicht unterkriegen lassen“, betont er. Das Ladengeschäft mit Café hatte 65 Plätze. „Wir haben nach der Mittagspause nachmittags um halb 3 Uhr wieder aufgemacht, da standen die Leute schon Schlange, um den gewünschten Platz zu erhaschen“, erzählt seine Frau Dorit. Das Team zählte zehn Mitarbeiter, sie hatten immer einen Lehrling. Und das sollte alles vorbei sein?

Wolfgang Jacob erzählt, dass er im Laden Zettel ausgelegt habe, er müsse schließen, da die Stadt nicht wolle, dass er das Geschäft pachtet. Viele Kunden hätten mit ihrer Unterschrift dagegen protestiert. Dazu kam, so Wolfgang Jacob, dass die letzten Kohlen verbraucht waren, der Ofen konnte nicht mehr angeheizt werden. „Wir mussten schließen. Und siehe da, plötzlich erhielten wir Kohlen und die Stadt wünschte sich, dass wir wieder öffnen. Bedingung: Wir sollten Kuchen ausfahren.“ 1973 hat Wolfgang Jacob das Geschäft am Breiteweg bekommen und war dort bis zur Wende. „Wir mussten uns auf einmal verpflichten, sonntags zu öffnen. Dafür hatten wir montags zu. Ich habe dann aber aufgeschrieben, was wir am Sonntag verdient haben und war wir früher montags verdient haben“, erinnert sich der Schönebecker und fügt schmunzelnd an: „Dann durften wir wieder sonntags schließen und montags öffnen.“

Dann die Wende – und wieder stand das Geschäft Breiteweg 1 unter keinem guten Stern. Sie wollten das Haus kaufen. „Doch die Kommunale Wohnungsverwaltung hatte es bereits an einen anderen Bewerber verkauft, obwohl Gewerbetreibende, die länger in ihren Geschäften waren, Vorkaufsrecht haben sollten“, ärgert sich Wolfgang Jacob heute noch. Innerhalb von wenigen Tagen wird mehrmals bei ihnen eingebrochen, Konditorei und Backstube mit Vorratskeller mit Kalt-Teer schlimm verwüstet. „Das war nicht mehr begreifbar“, sagt er kopfschüttelnd. Sie geben am Breiteweg 1 alles auf und ziehen in ihr Haus am Markt 20, die jetzige Konditorei. Sie ließen das ehemalige Lampengeschäft umbauen, eröffneten 1992 wieder eine Konditorei mit Stehcafé und eigenem Backbetrieb. Wieder Einbrüche, drei in zehn Tagen. Jacobs sichern das Haus besser ab.

Mit dem 1. Januar 2012 hat Sohn Torsten die Konditorei übernommen. „Ein bisschen helfe ich noch mit, so ganz kann ich nicht davon lassen“, räumt er augenzwinkernd ein.