Klinikum Schönebeck

Die Tugenden der Chirurgen

100 Tage sind um: Dr. Jens Peter May ist im Schönebecker Ameos-Klinikum der Nachfolger von Chefarzt Dr. Andreas Thews.

Von Ulrich Meinhard

Schönebeck l Er ist wieder da. Gemeint ist hier nicht der Titel eines neu im Kino angelaufenen Films. Vielmehr ist Dr. med. Jens Peter May zurück, zurück im Schönebecker Klinikum. Als Chefarzt.

1991, damals noch Student der Medizin, absolvierte er sein Praktikum im hiesigen Krankenhaus. Ein Jahr später bekam er eine Stelle als Assistenzarzt, 1998 machte May seinen Facharzt für Chirurgie. Im Jahr 2001 wechselte er in das Krankenhaus Frankfurt/Oder, wo er bis 2003 als Oberarzt tätig war. Die Chance, in einem kirchlichen Krankenhaus in Dessau Chefarzt zu werden, nutzte der heute 50-Jährige 2003, wo er im Jahre 2004 die Prüfung zum Visceralchirurgen (Erkrankungen der Bauchorgane) ablegte.

Als kürzlich am Schönebecker Ameos-Klinikum der langjährige Chefarzt Dr. Andreas Thews in den Ruhestand ging und das Klinikum einen Nachfolger suchte, überlegte Dr. May nicht lange, bewarb sich und bekam die Stelle als Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie. 100 Tage ist er jetzt an seiner neuen, alten Wirkungsstätte in Amt und Würden. Im Gespräch mit der Volksstimme betont der Mediziner seine Heimatverbundenheit mit der Region. „Als Geburtsort steht in meinem Personalausweis zwar Elsterwerda - das liegt im südlichen Zipfel Brandenburgs. Doch mit eineinhalb Jahren, als kleines Kind also, kam ich nach Gommern. Und dort lebe ich auch heute noch“, weist der Chirurg darauf hin, dass er sogar während seiner Zeit in Dessau seinen Gommeraner Wohnsitz nicht aufgab.

Im Schönebecker Krankenhaus traf er viele Kollegen von früher wieder. „Etwa 50 Prozent der Belegschaft in meinem Umfeld kenne ich“, versichert der Arzt und meint, dass diese Kontinuität ein positives Zeichen ist, das für das Schönebecker Haus spricht. Auch bei der Frage, was er denn anders machen  will als sein Vorgänger, kommt May zuerst einmal auf das Wort Kontinuität zurück. Es gebe alte Tugenden bei den Chirurgen. Die habe er bei Thews gesehen und geschätzt und er wolle selbst daran festhalten.

Zum Beispiel? „Zum Beispiel, dass eine Operation dann erfolgt, wenn sie für den Patienten wichtig ist und nicht dann, wenn sie für das Haus Geld einbringt.“ Kliniken, die auf das schnelle Geldverdienen aus sind und operative Eingriffe zu schnell oder sogar in unnötiger Weise vollziehen, wirft May wenn nicht sogar kriminelles, dann doch kurzfristiges Denken vor. Für ihn stehe die Zufriedenheit der Patienten an erster Stelle. Sein unmittelbares Team aus Schwestern und Fachärzten sieht er „exzellent aufgestellt“.

Lauftext

Und wenn Dr. May zurückblickt, auf seine ersten Jahre als Krankenhausarzt, dann sei, sagt er, die medizinische Versorgung heute eine Dimension weiter. Üblicher Weise würden Entscheidungen zur Diagnostik und zur Therapie fachübergreifend getroffen, im kollegialen Miteinander. „Anfang der 90er haben wir in Schönebeck teilweise ohne Klimaanlage und mit schwerer Bleischürze operiert.“

Allein die räumlichen Bedingungen seien viel besser. Einen Sprung nach vorn hätten auch die Technik und die Operationsweisen gemacht. Statt des früher eher üblichen Wegoperierens werde heute auf Reparation gesetzt. Auch die Anästhesie sei inzwischen viel leistungsfähiger. „Dass jemanden schlecht ist nach einer Narkose, ist heute die Ausnahme“, versichert May.

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An seiner Aufgabe im Schönebecker Ameos-Klinikum gefällt ihm neben der regionalen Verbundenheit die flache Hie-rarchie. Von einem autokratischen Führungsstil hält er nichts, der sei antiquiert.

Welche Tipps hat der Arzt zur Gesunderhaltung der Gefäße und des menschlichen Körpers überhaupt? „Auf jeden Fall nicht rauchen. Viel Sport treiben, etwa drei Stunden in der Woche, eine ballaststoffreiche Ernährung und die Wahl gesunder Fette. Fisch etwa ist sehr empfehlenswert.“

Das Schönebecker Klinikum ist ein Krankenhaus der Allgemein- und Regelversorgung. Das bedeutet für Dr. Jens Peter May, dass er und sein Team häufig Eingriffe ausführen, die zur Routine in einem Klinikum gehören, wie etwa Blinddarm-, Gallenblasen- und Schilddrüsen-OP‘s. „Selbstverständlich gehören aber auch Eingriffe höherer Schwierigkeitsgrade zum Repertoire der Klinik“, sagt der Arzt. Mit der Zertifizierung als Darmzentrum im Jahre 2009 sei insbesondere die Expertise auf dem Gebiet der Chirurgie der Krebserkrankungen des Bauchraumes gewürdigt worden. Ein weiteres Spezialgebiet der Klinik sei die Behandlung von Enddarmerkrankungen.

„In Planung ist die Erweiterung des Spektrums auf die Entfernung von Tochtergeschwülsten in der Leber. Rund um die Uhr steht dafür ein kompetentes Operationsteam zur Verfügung, so dass zu jeder Tages- und Nachtzeit bei akuten chirurgischen Erkrankungen sofort operiert werden kann“, versichert der Chefarzt.