Zens l Besser kann es wohl nicht laufen: Der Abend im 270-Seelen-Ort ist ratzfatz ausverkauft. Aus den Erfahrungen der Vorjahre wissen die Besucher, dass sie sich auf drei Stunden feinsten Dixieland freuen können. Das ist zum einen der Anspruch von Bärbel und Michael Feldbach an sich selbst, zum anderen wollen die Organisatoren ihre Gäste nicht enttäuschen. Wissen sie doch um ihre Kenner. Und davon ist auch Günter Friedhelm von der Band Hardt Stompers angetan. „Das Publikum hier ist unheimlich fachkundig und applausfreudig. Es macht Spaß, darauf einzugehen.“

Ganz begeistert erzählt er, dass seine Frau, die mittendrin im Publikum sitzt, von Leuten angesprochen worden sei, dass sie die Gruppe schon in Dresden und Quedlinburg bei Auftritten erlebt haben. „Echte Jazzfans also.“ Denn die Band aus Reutlingen spielt in dieser Formation zwar schon seit den 1980er Jahren, ist aber erst vier Mal in den neuen Bundesländern unterwegs gewesen. Einmal in Dresden, zweimal in Quedlinburg – und am Sonnabend in Zens.

Und zur Anreise muss Günter Friedhelm noch eines loswerden: „Man hat uns nicht gesagt, dass wir lieber nicht nach Navi fahren sollen.“ Somit ging es für die Truppe über die sehr holprige Straße von Calbe nach Zens. „Aber: Alles heile geblieben – wir und die Instrumente.“

Bilder

Weltkulturerbe?

Augenzwinkernd sagt Friedhelm, er habe schon mit Ortsbürgermeister Frank Ahrend gesprochen. „Ich finde, die Straße sollte ausgebaut oder Weltkulturerbe werden“, so der Musiker. Sein Vorschlag bringt ihm reichlich Applaus von den Gästen und einen zustimmend nickenden Ortschef.

Doch all das ist schnell vergessen. Die sechs Musiker versprechen Wellness für die Ohren, sie wollen Seelenwehwechen und Herzeleid therapieren – und das machen sie auch, und zwar bestens. Das Publikum klatscht mit, wippt mit, hat einfach Spaß und einen schönen jazzigen Abend.

Er ist immer dabei

Unter den Besuchern ist einer, der immer dabei ist. Zum 23. Mal laden Bärbel und Michael Feldbach in ihren privaten Garten ein, wenn es im Rahmen des Musikfestes „Klänge im Raum“ heißt „Dixieland non stop“. Und seit 23 Jahren geht es für Josef Babinsky am Pfingstsonnabend nach Zens in den Künstlergarten. Mittlerweile sei es ein ungeschriebenes Gesetz für den 81-jährigen Kleinmühlinger. „Weil die Musik so toll ist, weil man viele Leute trifft – weil es einfach ein Muss ist“, erzählt er. Sein absoluter Favorit aus 23 Jahren „Dixieland non stop“?: Das Damenorchester Salome aus Berlin. „Das war absolute Spitze“, schwärmt er. Aber auch die Gruppe Hardt Stompers gefalle ihm sehr gut, denn er höre gern Jazz.

Zens-Kenner wissen: Zur Musik gibt es immer eine Ausstellung. Dieses Mal zeigt Thomas Riedel aus Barleben seine Fotos. Als Jugendlicher habe er schon fotografiert. Dann habe er sich aber mehr dem Puppenspiel und der Musik gewidmet. Vor zwei, drei Jahren gab es dann eine neue Kamera und er hat sich an sein Hobby von einst zurückerinnert. Die Bilder, die er in Zens zeigt, sind alle im vergangenen Jahr entstanden. „Ich mache sehr gern Porträts, in Gesichtern etwas festhalten. Denn: Jeder ist schön.“ Und er mag Nahaufnahmen, Makro. Bei Feldbachs zeigt Thomas Riedel vielfältige Motive, vom Gertraudenfriedhof Bad Salzelmen bis zum Wassertropfen. Die Schau in Zens ist seine erste Fotoausstellung überhaupt. Den Besuchern gefällt es ...

360 Würstchen

Zu einem gelungenen Abend gehört auch das leibliche Wohl. Das wissen die Heimatfreunde Zicken-Zens und haben – neben Getränken – reichlich eingekauft: 360 Würstchen, fünf Kilogramm Leberkäse, 100 Buletten, zehn Kilogramm Nudel- und Kartoffelsalat, 400 Brötchen, drei große Brote für Schmalzstullen. Dazu zwölf selbstgebackene Kuchen und sechs große (zwölf normale) Bleche Zwiebelkuchen. Neben den Heimatfreunden und den Kuchenbäckerinnen sind auch wieder die Feuerwehrleute Kleinmühlingen-Zens mit dabei und weisen die angereisten Besucher ein. Erstmals wird nicht überall im Ort geparkt. Landwirt Tonkens hat auf seinem Firmengelände eine Fläche zur Verfügung gestellt.

Und die Organisatoren? Bärbel und Michael Feldbach sind geschafft, aber glücklich. Und die vergangenen stressigen Tage sind vergessen.