Schönebeck l Es war eine ungewohnte Rolle. Baudezernent Guido Schmidt, der ansonsten im Bauausschuss und im Stadtrat durch ein sicheres Auftreten glänzt, kam am Mittwoch dann doch ins Schwitzen. Auf dem Marktplatz an der Einmündung zur Elbstraße hatte am Morgen ein Fernsehteam aus Dresden ein Kameragerüst und allerlei Spiegel aufgebaut. Ein Tonmann hielt einen Mikrofonpuschel in die Luft, im Hintergrund standen Redakteure und Techniker.

„Entschuldigung, können wir das noch mal machen?“, fragte Schmidt den Kameramann. Der schien ziemliche Geduld mit Laien vor der Kamera zu haben. „Kein Pro-blem Herr Oberbürgermeister“, antwortet der Mann mit dem „dritten Auge“ dem Baudezernenten. Guido Schmidt legte sich echt ins Zeug, um die Stadt Schönebeck so gut wie möglich zu verkaufen. Schließlich geht es um einen Preis, für den der umgebaute Marktplatz mit seinem umstrittenen „Shared Space“ nominiert ist.

Neuordnung des Marktes beeindruckt

Das Kompetenzzentrum Stadtumbau und das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr loben in diesem Jahr erstmals den „Stadtumbau Award Sachsen-Anhalt“ aus. Noch in diesem Jahr sollen realisierte Projekte mit besonders identitätsstiftendem Charakter für Städte und das Land Sachsen-Anhalt ausgezeichnet werden.

Bilder

Die Umgestaltung und Neuordnung des Marktplatzes in Schönebeck ist eines von neun nominierten Projekten, die durch ein Auswahlgremium bewertet werden sollen. Insgesamt, so Stadtsprecher Peter Wannewitz, sind noch fünf Bewerber in der Endrunde, über deren Bauprojekte nun Filme gefertigt werden. Filme mit einer Länge von drei bis vier Minuten Länge, sollen die vorgeschlagenen Bauprojekte porträtieren. Deshalb war nicht nur der Baudezernent vor der Kamera, sondern auch andere Schönebecker. Zudem drehte das Filmteam den gesamten Tag über bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen aus genauso verschiedenen Position den Marktplatz.

Im besonderen Interesse stand dabei das „Shared Space“-Prinzip, bei dem Autos und Fußgänger gleichberechtigt agieren. „Unsicherheit schafft Sicherheit“, beschrieb der Baudezernent das Prinzip des Marktes. Nicht alle Schönebecker können sich damit anfreunden, wie die Berichterstattung in der Vergangenheit und auch in der heutigen Ausgabe zeigt.

Preisverleihung im September in Berlin

Der Marktplatz in der Altstadt war vor der Sanierung nicht als solcher zu erkennen, obwohl er nach der Wende schon einmal aufgehübscht wurde. Nach einem bundesweiten Wettbewerb begann im März 2015 der Umbau, die Fertigstellung war ein Jahr später. Es wurden 350.000 Natursteine verbaut. Die Umgestaltung des Marktplatzes einschließlich Wasserspiel, Beleuchtung, Illumination und Bänken kostete rund drei Millionen Euro.

Die ergebnisoffene Preisverleihung des „Stadtumbau Award Sachsen-Anhalt“, so Peter Wannewitz, findet im September in der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund in Berlin statt.