Barby l „Geht mal ein bisschen zur Seite, sonst stimmt die Höhe nicht“, bat Denny Sprick ein paar Passanten, die neugierig die Arbeiten an der Caféecke verfolgten. Die Schaulustigen standen vor dem wild rotierenden Kopf eines Lasergerätes, das Daten zur Nivellierung des Geländes dem Tiefbauer auf seinen Messstab schickte. Im Bagger saß Thomas „Pinti“ Friedrich, der behutsam den Oberboden abtrug. Das alles geschah auf einem Grundstück, auf dem früher geschwoft und gefeiert wurde. Nach dem Abriss des Stadtcafés 2015 war hier eine wüste Ecke entstanden, auf der im Sommer das Unkraut wucherte.

Besonders Frank Bläsing und Klaus Bittrich vom Heimatverein „Grafschaft Barby“ war dieser Ort im Herzen der Elbestadt ein Dorn im Auge. Sie holten die Barbyer Handwerkerschaft mit ins Boot, die in den vergangenen Jahren schon einige Dinge auf den Weg brachte, für die die Stadt kein Geld hat.

Bänke zum Verweilen

Fazit: Pinti Friedrich samt Kollegen brachten nun am Sonnabend Grund in den „Unort“ Caféecke, was wie ein erster Spatenstich wirkte. Mehrere Fuhren Erde mussten abgefahren werden, damit das Areal zum Teil gepflastert, zum Teil mit Blumen, Büschen und Bäumen aufgewertet werden soll. Auch Bänke sollen zum Verweilen einladen. Damit wird die Caféecke wieder ein bisschen zu dem, was sie früher mal war: ein Kommunikationsort. Hier traf man sich, verfolgte das Treiben in der Innenstadt und erklärte den Lauf der Welt.

Bilder

Der Bauingenieur Frank Liersch lieferte dafür den Entwurf. Er war es auch, der im vergangenen Jahr monatelang auf einer Baurüstung stand und auf fast 24 Quadratmetern einer Hauswand die alte „Caféecke“ malte, wie sie früher aussah. Seitdem ist der Ort ein Hingucker; ästhetischer Bruch war das Gelände davor. Mittlerweile ist auch der Sockel des angrenzenden Hauses geputzt worden. Nachbar Günter Schön, der vor Lierschs Kunstaktion seine Fassade sanieren ließ, half bei den Vorbereitungen.

Von Sponsoren abhängig

Weil noch ein Stummel der Mauer des Abrisshauses steht, sollen eine Treppe und eine Rampe für Rollstuhlfahrer eingearbeitet werden. Es gibt noch einige Gestaltungsdetails auf dem Papier, die noch umgesetzt werden müssen. „Das dauert aber noch ein bisschen und ist von Sponsoren abhängig“, sagte Frank Liersch.

Die Barbyer Handwerkerschaft ist eine lose Vereinigung von 25 Mitgliedern. Rund 20 waren am vergangenen Sonnabend im Einsatz. Außer der Caféecke wurde bereits Tage zuvor das Buswartehäuschen am Kirchplatz gereinigt. Jüngst kamen zwei Haltestellen im Fachwerkstil hinzu, die die Gewerke vor Jahren am Bahnhof und nahe der Tankstelle aufgebaut hatten. Hier waren vor allem neue Anstriche nötig.

Nicht so sehr, weil das Wetter am Holz zerrte, mehr durch jugendliche Schmierereien. Fritjof Thieme, der zu den Organisatoren zählt, bat darum: „Können Sie bitte mal schreiben, dass die Eltern auf ihre Kinder einwirken, das zu unterlassen!“ Schließlich haben die Handwerker noch ein paar andere Dinge zu tun, als laienhafte Graffitis von pubertierenden Nachwuchs-Sprayern zu entfernen. Die Farbe für die Aktion stellte Jens Dohles Malerbetrieb zur Verfügung, der fleißig mit pinselte. Auch Sitzbänke auf dem Hohen Werder an der Stadtmauer - die Handwerker hatten sie vor ein paar Jahren aufgestellt - erhielten einen neuen Anstrich.