Pretzien l Da hat Uwe Ballerstedt nicht schlecht geschaut. Auf dem Strommast direkt vor seinem Haus an der Magdeburger Chaussee fängt ein Storch an, ein Nest zu bauen. Allerdings ziemlich spät, erst im August vergangenen Jahres. Zu spät zum Brüten, zu spät zum Niederlassen.

Doch in diesem Jahr kommt der Storch wieder. Viel zeitiger. Anfang April 2020 geht es an den Nestbau. Uwe Ballerstedt beobachtet aufmerksam, was vor seiner Haustür passiert. Ihm ist klar, dass das bei einem Storchenpaar mit Jungen eine zu wackelige, zu unsichere Angelegenheit sein wird. Er nimmt zum Storchenhof in Loburg Kontakt auf, bittet um Hilfe. Christoph und Michael Kaatz von der Vogelschutzwarte Loburg und die Stadtwerke Schönebeck sprechen das Vorgehen ab, denn an dem Mast sind Stromleitungen des Versorgers.

Ortstreue Störche

Für beide Seiten ist schnell klar: Das Nest an einen anderen Ort zu bringen funktioniert nicht, da Störche sehr ortstreu sind. Zumal der Storch bereits im vergangenen Jahr versucht hatte, ausgerechnet auf diesem Mast zu nisten. Für Christoph Kaatz nicht ungewöhnlich: „Störche lassen sich oft auf Masten nieder. Allerdings sind Energiemasten ungeeignet, weil zu wenig Platz auf ihnen ist.“

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Dann geht es ganz schnell. Schon am Freitag, 17. April 2020, sind alle vor Ort, um das Storchennest auf einem sicheren Unterbau zu platzieren. Nur der Storch hat das Weite gesucht.

Kein Strom während Nestumbau

Alles dauert etwa drei Stunden. Während dieser Zeit sind die angrenzenden Haushalte ohne Strom, was vorher angekündigt war, erklärt Julia Teige von den Stadtwerken. Es müssen noch einige Umbauten an der Leitungsführung am Mast vorgenommen werden. Dann wird das Storchennest heruntergenommen. Ganz vorsichtig, um möglichst viel in der vorgebauten Weise zu erhalten. Das gelingt gut. Am oberen Ende vom Mast werden nun Halterungen befestigt, darauf kommt ein Metallgestell mit einem Durchmesser von 1,10 Meter, zudem ein aus Naturmaterialien geflochtener Korb. Und natürlich wird das eigentliche Storchennest in dieser Nisthilfe platziert.

„Die Zusammenarbeit mit dem Storchenhof hat ausgezeichnet funktioniert“, hebt Julia Teige lobend hervor. Nicht nur die fachliche Betreuung, auch die Nisthilfe selbst sei unbürokratisch und kostenfrei zur Verfügung gestellt worden. Die weiteren Kosten wie Stromabschaltung und Montage mit Hubsteiger belaufen sich auf etwa 870 Euro und werden von den Stadtwerken übernommen, teilt sie mit.

Umbau stimmt zufrieden

Und auch Christoph Kaatz betont, dass die Stadtwerke sehr entgegenkommend gewesen seien. „Nun ist beiden Seiten gedient: Der Storch ist aus der Gefahrenquelle und kann in Ruhe brüten. Und die Stromversorgung ist gesichert, weil das Nest nun nicht mehr inmitten der Leitungen hängt“, sagt der Vereinsvorsitzende der Vogelschutzwarte Loburg, der zudem Sprecher der Bundesarbeitsgruppe Weißstorchschutz des Naturschutzbundes ist, zufrieden.

Am späten Vormittag sind die Arbeiten beendet. Und siehe da, zur Mittagsstunde kommt der Storch wieder. Seit Sonntag, 19. April, seien die Storche im Nest mit sicherem Unterbau nun auch zu zweit. „Und sie waren auch schon in Gange. Es wird also sicherlich bald Nachwuchs geben“, merkt Uwe Ballerstedt augenzwinkernd an.