Calbe l Der einst als Getreidespeicher genutzte neo-romanische Bau steht auf Grund des ehemaligen Schloss-Geländes. Das Objekt ist eines der letzten Überbleibsel des historischen Schloss-Ensembles. Heute grenzt der Kornspeicher, der in jüngerer Vergangenheit als Pestalozzi-Schule genutzt wurde, an das Gelände des Friedrich-Schiller-Gymnasiums.

Im Rahmen eines Kunstprojektes mit den Zwölftklässlern zum Thema „Architektur“ wirft die junge Lehrkraft - seit anderthalb Jahren am Calbenser Gymnasium - erstmals einen Blick in die „heiligen Hallen“ des Objektes und findet: „Es ist ein Privileg, Geschichtsträchtiges direkt vor der Tür zu haben.“ Aus diesem Grund spricht sie sich gegen den geplanten Abriss des Kornspeichers aus.

Interesse wird getestet

Unterstützung erfährt Schmidt durch den Stadtratsvorsitzenden der Stadt Calbe, Christian Behlau (Die Linke). Ob und inwieweit das Interesse am Erhalt von der Bevölkerung angenommen wird, soll nun in einer ersten Sitzung mit Vertretern von Stadt, den Stadträten sowie sämtlichen Calbenser Vereinsvorsitzenden Mitte April ermittelt werden. Insgesamt rund 60 Einladungen wurden für diese erste Infoveranstaltung herausgeschickt.

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Carola Schmidt sieht sich dabei lediglich als Initialzünderin, die einen Anstoß geben möchte. Dazu hat sie seit November 2017 ein Nutzungskonzept entwickelt.

Der Beschluss über den Abriss der ehemaligen Pestalozzi-Schule, dessen Träger/Nutzer der Salzlandkreis ist, wurde im Kreistag gefasst. Ein Stadtratsbeschluss gegen einen Abbruch könnte dazu führen, dass das Thema im Kreistag neu diskutiert wird. Deshalb gilt es nun, Überzeugungsarbeit zu leisten.

Kräfte in Calbe bündeln

Mit ihrem Konzept hat sie dafür bereits eine gute Grundlage geschaffen. So könnte sich Schmidt im Kellergeschoss eine Nutzung als Lager sowie als Bandproberaum und Mitmachwerkstätten vorstellen. „Es gibt hier, wie in den anderen Etagen, eine Nutzungsfläche von rund 300 Quadratmetern“, verweist sie auf die großzügigen Objektdimensionen. Für eine ansprechendere Atmosphäre als großen Saal sollen im Erd- und ersten Obergeschoss die Decken verschwinden. Eine bewegliche Bühne soll die Fläche zieren; dazu kommen Versorgungs- und Toilettenräume.

Grundsätzlich schlägt Schmidt eine flexible Nutzung vor; insbesondere aber für das zweite Obergeschoss. Hier könnten Vereine und Initiativen kleinere Räumlichkeiten nutzen. Der Kunst- und Geografielehrerin ist dieser Punkt besonders wichtig, da das Gebäude soll in seiner Nutzung ein Ort der Vielfalt und Lebendigkeit werden soll. Zentral sei nämlich nicht das bloße Erhalten als „toter Raum“, sondern als zentraler Anlaufpunkt für soziale Angelegenheiten, Vereinsarbeit und kulturelle Veranstaltungen, zu denen sie beispielsweise Ausstellungen zählt.

Fianzierung klären

„Das Dachgeschoss könnte idealerweise als Atelieraum für künstlerisch arbeitende Zirkel wie dem von Henry Alex dienen“, beschreibt die junge Frau ihre weiteren Vorstellungen. Letzterer führt sogar eine Galerie im Nachbargebäude. Die Pläne enden aber nicht etwa im Objekt selbst, sondern erstrecken sich zudem in das Außengelände. So könnte der an den Schulhof grenzende Grundstücksbereich eine Terrasse erhalten und als grüner Freiraum öffentlich genutzt werden.

Neben diesem Konzept und möglichen weiteren Ideen zur Nutzung solle der Stadt bei der nichtöffentlichen Versammlung darüber hinaus ein mögliches Finanzierungsmodell vorgestellt werden. Dazu hat sich Carola Schmidt Unterstützung durch einen Mitarbeiter des Halleschen „Zentrums für soziale Innovation“ geholt. Je nach Resonanz, sagt Schmidt, sollen im nächsten Schritt die gefundenen Unterstützer gemeinsam am Konzept zum Erhalt des Kornspeichers weiterarbeiten.

Engagement anstupsen

Neben diesem primären Ziel erhofft sie sich ein Anstupsen des bürgerschaftlichen Engagements. Gerade wegen des spürbar zunehmenden Auseinanderdriftens der Gesellschaft vor Ort könne mit dem gemeinsamen Einsatz für die Schaffung eines zentral gelegenen Ortes der soziale Zusammenhalt verbessert werden. Kurzum: Mit gebündelten Kräften für ein Gemeinschaftshaus, das zugleich Geschichte vor Ort bewahrt. Ein Abriss im Zusammenhang mit einer vorgesehenen Nachnutzung des Geländes als Außensportanlage hält Schmidt für eine Verschwendung von historischen und räumlichen Potenzialen.