Calbe l Zu den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum der Deutschen Einheit ist den Calbenser Stahlbauern wohl alles andere als zum Feiern zumute. Die insolvente Stahlbau Calbe GmbH hat zum 30. September ihren Betrieb komplett eingestellt. Darüber informierte der Insolvenzverwalter der Gesellschaft, der Betriebswirt Heiko Rautmann aus Magdeburg.

Stahlbau-Standort soll erhalten bleiben

Der Grund: Die bereits sehr weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem Bieterkonsortium haben sich in der vergangenen Woche zerschlagen, erklärt Rautmann. Dadurch sei es nicht mehr möglich, den Betrieb weiter stabil aufrechtzuerhalten und fortzuführen. Das heißt nun auch für die verbliebene Belegschaft von knapp 40 Mitarbeitern, dass sie ihren Hut nehmen muss. „Die Arbeitsverhältnisse mit allen Mitarbeitern des Betriebes werden fristgemäß beendet“, erklärt Rautmann. Bereits vor einem Monat hat sich der Insolvenzverwalter gezwungen gesehen, die Zahl der Belegschaft von 78 zu halbieren (Volksstimme berichtete). Eine unumgängliche Konsequenz der damaligen und für die kommenden sechs bis zwölf Monate prognostizierten Unternehmenssituation und Marktlage.

Nun verbleibe im Unternehmen lediglich noch ein „Abwicklungsteam“, das zumindest auch für eine Betriebsbereitschaft der Maschinen sorgen werde. Parallel dazu wird der Insolvenzverwalter die Verhandlungen mit dem verbleibenden Interessenten des Bieterkonsortiums fortsetzen.

"Zukunftsfähig ausrichten"

Das erklärte Ziel dahinter: Der Standort soll erhalten und „zukunftsfähig ausgerichtet werden“. Hinter vorgehaltener Hand wird dieses Ziel ganz anders formuliert. Die zum Großteil gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmerschaft sei bei einem womöglichen Betriebsübergang (Wechsel des Inhabers) das eigentliche Hemmnis für einen Fortbestand, da ihre Tarifverträge weiter Bestand haben würden.

Für die aus dem Unternehmen ausscheidenden Mitarbeiter habe der Insolvenzverwalter mit dem Stahlbau-Betriebsrat einen Sozialplan und Interessenausgleich abgeschlossen. Zudem werde unter aktiver Einbindung der Bundesagentur für Arbeit eine zügige Qualifikation und Vermittlung der ausscheidenden Arbeitnehmer angestrebt, heißt es.

Betriebsratsvorsitzender wertet Aus als Niede

Trost spendet das den Mitarbeitern wohl kaum. Betriebsratsvorsitzender Günter Lenhart empfindet diese Situation in gewisser Weise auch als eine persönliche Niederlage. „Die augenblickliche Lage belastet mich sehr“, gibt er zu. Auch für die Saalestadt ist das Aus für den ehemaligen Vorzeigebetrieb und einen der größten Arbeitgeber ein herber Verlust.

Rückblick: Die Stahlbau Calbe GmbH hatte am 8. Mai diesen Jahres einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Grund dafür waren massive Auftragsrückgänge und Marktverwerfungen, die es der Gesellschaft nicht mehr ermöglichten, kostendeckend und wettbewerbsfähig zu agieren. Das Amtsgericht Magdeburg eröffnete am 1. September 2015 das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Stahlbau Calbe GmbH.