Soziale Netzwerke

Facebook, WhatsApp und Instagram fallen aus - wie Louisa Schwenke aus Schönebeck reagiert

Gymnasiastin Louisa Schwenke (16) nutzt soziale Netzwerke täglich für ihre politische Arbeit und im Privatleben. Im Interview spricht die Betreiberin der Seite „Catcalls Schönebeck“ warum die Instagram-Seite noch nicht so richtig läuft und wie sie den Ausfall von Facebook, WhatsApp und Instagram am 4. Oktober 2021 erlebt hat.

Von Andre Schneider 07.10.2021, 16:53
Louisa Schwenke spricht im Volksstimme-Interview über den Gebrauch soziale Netzwerke.
Louisa Schwenke spricht im Volksstimme-Interview über den Gebrauch soziale Netzwerke. Foto: Andre Schneider

Schönebeck - Was für eine Katastrophe! Zumindest dachten sich das wohl vor allem Jugendliche Nutzer sozialer Netzwerke. Am Montagabend waren die beliebten Dienste Facebook, Whatsapp und Instagram vom Netz. Die Schönebecker Gymnasiasten Louisa Schwenke (16) spricht im Gespräch mit Volksstimme-Reporter Andre Schneider über den ruhigen Montagabend, den täglichen Gebrauch sozialer Netzwerken und wie sie den Alltag beeinflussen.

Louisa, der Montagabend war für viele Handynutzer ein Schock. Wie haben Sie den Ausfall der sozialen Netzwerke Facebook, Instagram und Whatsapp erlebt?

Für mich war dieser Abend entspannter als sonst. Ich saß nicht so viel vor dem Handy. Ich hatte Zeit, etwas zu lesen oder andere Dinge zu machen, die ich mag. Der Abend war nicht so schlimm, denn ich habe im Notfall noch andere Messenger, auf die ich in dringenden Fällen zugreifen kann. Es ist gut zu wissen, dass die Funktionen bei anderen Leuten auch nicht funktionierten.

Beschreiben Sie bitte Ihr Nutzerverhalten.

Ich nutze soziale Medien so gut wie jeden Tag, am meisten Whatsapp und Instagram, gelegentlich auch Twitter. Whatsapp nutze ich dabei, um mit Freunden und Familie zu schreiben, aber auch für die Schule, um mich mit anderen abzusprechen. Instagram nutze ich für alles mögliche: Politische Bildung, um Bilder zu posten, Bilder von Freunden zu sehen und zu interagieren, um Bekannte wieder zu sehen. Außerdem nutze ich es, um Fotos von unbekannten Orten zu finden. Ich entdecke dort täglich etwas Neues. Meine Bildschirmzeit liegt bei etwa zwei bis drei Stunden am Tag. Davon verbringe ich die meiste Zeit auf sozialen Medien.

Sie posten vor allem bei Instagram häufig Storys, also kurze Film- oder Videoausschnitte aus Ihrem Alltag. Was macht diese Form für Sie aus?

Aus meinem Alltag poste ich weniger. Außer ich befinde mich an interessanten Orten oder poste die wichtigen Fotos vom Essen (lacht). Meistens nutze ich die Storys, um wichtige Themen mit anderen zu teilen und darauf aufmerksam zu machen.

Wie nehmen andere Ihre Mitteilungsformen wahr? Bekommen Sie Rückmeldung? Wie sehen die Reaktionen aus?

Ich bekomme auf meine größtenteils politischen Posts sehr häufig Rückmeldungen von anderen – sowohl positive als auch negative. Meistens entstehen daraus sehr gute und aufschlussreiche Diskussionen, bei denen ich neue Standpunkte höre und neue Argumente für mich selbst entwickeln kann. Damit habe ich dann das Ziel dieser Storyposts erreicht.

Begeben Sie sich in Situationen, um möglichst schöne Bilder für soziale Netzwerke zu produzieren? Wie gehen Sie vor?

Fotos, die ich hochlade, mache ich bewusst für Instagram. Dabei ist mir nicht wichtig, dass sie absolut perfekt sind. Nutzer sollen die angenehme Umgebung und die Atmosphäre erkennen. Ich habe mich für ein Foto aber noch nie in eine gefährliche oder unangenehme Situation gebracht und habe das auch erst einmal nicht vor.

In US-amerikanischen Medien tauchten zuletzt Vorwürfe auf, Instagram erhöhe sozialen Druck vor allem bei jungen Mädchen. Der Grund sei die Darstellung „perfekter Welten“. Spüren Sie diesen Druck?

Das habe ich selbst auch mitbekommen. Davon sind aber nicht nur junge Mädchen betroffen, sondern viele Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft. Es geht nicht um den Druck der „perfekten Welt“, sondern auch darum, dass man ständig online sein muss, da es immer wieder neue Nachrichten gibt. Man hat das Gefühl, abgehängt zu werden, wenn man mal einen Tag Pause machen will. Ich selbst habe den Mythos der „perfekten Welt“ auch schon erfahren, aber mittlerweile festgestellt, dass nichts von dem so ist, wie es dargestellt wird.

Wie gehen Sie damit um?

So pauschal kann ich das nicht beantworten. Soziale Medien haben sehr viele Facetten. Auf jeden Fall sollten diese Medien keinen Platz für Hass und Gewalt bieten. Sie sollten Vernetzungsplatz sein. Wichtig wären viel mehr Aufklärung und Prävention für Cyber-Mobbing (gezielte, bösartige virtuelle Angriffe auf Einzelne, Anm. d. Red.)

Sie sind vor Kurzem in die Partei Die Linke eingetreten. Wie beeinflussen soziale Netzwerke Ihre politische Arbeit dort?

Ohne die verschiedenen politischen Aktivistinnen und Aktivisten, die ich über die sozialen Medien kennengelernt habe, wäre ich nicht zu der Person geworden, die ich heute bin. Soziale Medien haben mir einen Grundstein für meinen politischen Aktivismus gelegt.

Sie haben vor einiger Zeit „Catcalls Schönebeck“ ins Leben gerufen – eine Instagram-Seite gegen sexuelle Belästigung. Die Seite ist seitdem leer. Woran liegt das?

Wir bekommen keine Zusendungen zum Ankreiden. Wir arbeiten aber an anderen Aktionen, damit diese Seite mehr Zuspruch bekommt.

Zum Abschluss: Können Sie sich eine Welt ohne soziale Netzwerke vorstellen? Wie müsste diese aussehen?

Eine Welt ohne soziale Medien könnte ich mir heute nicht mehr vorstellen. Ich kenne viele Leute, deren finanzielle Existenz davon abhängen. Also müsste in einer Welt ohne soziale Medien Geld weniger eine Rolle spielen.