Calbe l Die kleine Gierseilfähre zwischen Calbe und Gottesgnaden wird auch nach dem Jahreswechsel weiter verkehren. Vor fünf Jahren hatte der Stadtrat die Einstellung des Fährverkehrs beschlossen, um im Konsolidierungskonzept die Sparbemühungen gegenüber der Kommunalaufsicht darzustellen. Damals suchte der Stadtrat noch nach einem privaten Betreiber, um die hohen jährlichen Kosten zu drücken. Ein Betreiber für die Fähre fand sich allerdings nicht.

Für die aktuell 75 Einwohner des Ortsteils Gottesgnaden ist es über die Fähre ein kurzer Weg nach Calbe. Allerdings befördert das motorlose Schiff nur Fußgänger und Radfahrer. Zuletzt waren die Zahlen der Passagiere in den vergangenen Jahren stetig gesunken und damit die Kosten für die Stadt gestiegen. Besonders deutlich wurde dies im Vergleich der Jahre 2018 und 2019. Verkaufte die Kommune vor zwei Jahren noch 5740 Einzelfahrscheine, waren es ein Jahr später nur noch 3240 Tickets. Damit brach der Verkauf von Einzelfahrscheinen um mehr als 40 Prozent ein.

Jährliche Kosten

Bei den Kosten kann die Kommune nicht in gleichem Maße sparen. Im Wesentlichen bestehen die jährlichen Kosten aus den Personalkosten für die angestellten Fährleute. Der Rückgang im Verkauf der Fahrscheine spiegelt sich aber auch an der Entwicklung der jährlichen Kosten wider. Vor drei Jahren legte der Calbenser Steuerzahler rund 52.000 Euro im Jahr dazu, um die Kosten zu bezahlen. In diesem Jahr rechnet die Verwaltung mit rund 74.000 Euro Defizitausgleich. In drei Jahren stiegen die Kosten für die Kommune um rund 30 Prozent.

Wegen der anstehenden Landrevision wird die Fähre im Jahr 2021 für die Kleinstadt ein besonders teures Vergnügen. Die Verwaltung rechnet mit Werft-Kosten in Höhe von rund 60.000 Euro.

Keine überregionale Bedeutung

Dabei erhält die Saalestadt nicht einmal eine Förderung, die andere Kommunen, wie beispielsweise Barby, für die Landrevision regelmäßig vom Land erhalten. Der Grund sei nach den Worten des Bürgermeisters, dass die Fähre keine bedeutsamen überregionalen Straßen verbindet. Für den überörtlichen Verkehr spielt die Fähre keine Rolle.

Vielleicht könnte die Zahl der Nutzer steigen, wenn in Zukunft wieder Autos mit der Fähre transportiert werden könnten, schlug Alexander Sieche (CDU/FDP) im Stadtrat vor. Rein theoretisch wäre dies auch möglich, sagte Bürgermeister Sven Hause. Die 13 Meter lange Fähre könnte Fahrzeuge transportieren. Knapp sieben Tonnen Zuladung kann die Fähre aufnehmen. Demnach wären auch Autos kein Problem.

Transport von Autos

Nur in der Praxis müsste das Schiff dann immer mit zwei Fährleuten besetzt sein, machte Bürgermeister Hause deutlich. Der Grund dafür sei, dass die Fähre an den Rampen an beiden Ufern nicht entsprechend automatisch festgemacht werden könne. Die Barbyer haben dies gelöst und eine Verankerung entwickelt, sagte er. Dies sei allerdings an der Gottesgnadener Fähre nicht möglich, fuhr er fort. Dennoch wolle er die Nachfrage zum Anlass nehmen, um die Frage nochmals zu prüfen. Für alle Fälle enthält die neue, um zehn Prozent angehobene Gebührensatzung, einen Tarif für die Beförderung von Fahrzeugen. Falls der Fall eintrete, sei die Stadt entsprechend vorbereitet, heißt es zur Begründung.