Barby l Seit Donnerstag fahren die Fähren zwischen Barby und Walternienburg auf der Elbe sowie die Saalefähre bei Groß Rosenburg wieder. Am Pegel der Elbe in Barby stand das Wasser Donnerstagmittag 36 Zentimeter hoch. Das sind mehr als 30 Zentimeter, frohlockte der Barbyer Bauamtsleiter Holger Goldschmidt, in dessen Verwaltungsbereich sich die insgesamt drei Gierseilfähren befinden.

Unter Volllast sind die beiden Schiffe dennoch nicht unterwegs. Die Tonnage sei stark eingeschränkt, sagt er. Der Fährmann müsse entscheiden, wie viele Autos er auf die Fähre fahren lasse. „Vielleicht sind manchmal auch nur zwei oder auch nur ein Fahrzeug möglich. Das hängt immer von der Situation vor Ort ab.“

Wie lange der Fährbetrieb nun weitergeht, sei offen. Es hänge stark vom Wasserstand der Flüsse ab, betont er. Dennoch liege die Hoffnung darin, dass sich die Pegelstände nach dem Dürresommer nun wieder normalisieren. Jeder Regentropfen im Einzugsbereich der beiden Flüsse helfe.

Überstunden abbummeln

Doch was macht die Stadt mit den angestellten Fährleuten, wenn die Fähren nicht fahren können? Zunächst einmal hätten die Fährleute sehr viele Überstunden angesammelt. Ausfälle durch kranke Mitarbeiter hätten die Personaldecke schon vor der Einstellung des Fährbetriebes belastet, blickt er zurück. Die Fährleute hätten die Überstunden zunächst einmal abbummeln können, schildert er. Ansonsten werden die Fährleute ganz normal im Bauhof eingesetzt, wenn die Schiffe nicht fahren können, erzählt er.

Der wochenlange Ausfall der Fähren belaste aber das Jahresergebnis, ist sich der Amtsleiter sicher. Der Stadt fehlen die Einnahmen von bis zu einem Vierteljahr. Dabei liefen die Kosten weiter, beschreibt er. Ganz besonders ärgerlich ist dies aus der Sicht der Stadt für die Barbyer Elbfähre. Die Verbindung hat in den vergangenen Jahren immerhin noch einen kleinen Überschuss erwirtschaftet. In diesem Jahr sei damit nicht mehr zu rechnen, sagt Holger Goldschmidt. Die Jahresergebnisse der anderen Fähren seien seit Jahren negativ. Hier kann die Stadt nicht einmal die laufenden Kosten mit den Einnahmen decken.

Straßensperrungen

Nach der wochenlangen Sperrung der Verbindung über die Flüsse dauere es außerdem, bis die Menschen die Fähren wieder nutzen. Nur einmal in den vergangenen Jahren konnte die Stadt mit der Saalefähre richtig Geld verdienen. Da gab es umfangreiche Straßensperrungen in der Nachbarstadt Calbe. Wer keine weiten Umwege in Kauf nehmen wollte, nahm das Schiff. Die Folge waren lange Warteschlangen morgens und nachmittags an den Anlegestellen. Im kommenden Jahr könnte es dazu noch einmal kommen, sagt der Amtsleiter. In Calbe soll die Saalebrücke für Bauarbeiten mehrere Wochen gesperrt werden, weiß er. Dann könnte sich die Situation wiederholen. Die Stadt werde dann flexibel darauf reagieren und die Fährzeiten der Nachfrage entsprechend anpassen, erklärt er.

Dennoch bleibe das große Thema bei den Gierseilfähren die nicht abgesicherte Finanzierung der Schiffsverbindungen. Dabei sind die Verbindungen ähnlich wie in der Landwirtschaft, wetterabhängig. Während die Landwirte vom Staat finanzielle Unterstützung für die Ernteausfälle bekommen sollen, erhält die Kommune nichts. Obwohl hier ebenso die Dürre zu spüren war.

Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass die Fähren an die Kette gelegt werden mussten. Die Flüsse sind sich regelmäßig verändernde Systeme. Hochwasser, Eisgang oder auch extremes Niedrigwasser führen immer wieder zur Einstellung der Verbindungen. Wann die Fähre in Breitenhagen ihren Betrieb wieder aufnimmt, ist ungewiss. Dazu müsste die Elbe sicherlich noch etwas höher steigen.

Finanzielles Loch

Abzuwarten bleibe nun, wie groß das finanzielle Loch ausfällt, welches durch das Niedrigwasser gerissen wurde. Ausgleichen müsse dies dann der Steuerzahler. Höhere Preise kann die Kommune kaum verlangen, um mittelfristig die Verluste auszugleichen. Nur zu gut wissen die Barbyer, dass bei steigenden Fährpreisen immer mehr Autofahrer die Umwege in Kauf nehmen. Einen Vorteil gibt es dann mit der kurzen Schiffsverbindung nicht mehr.

Seit langem setzt sich daher Bürgermeister Torsten Reinharz dafür ein, dass sich das Land mehr an den laufenden Kosten der Fährverbindungen beteiligt. Bislang unterstützt die Landeskasse lediglich die teuren Landrevisionen der Schiffe. Für die finanzielle Unterstützung müssen sich die Kommunen aber im Gegenzug verpflichten, die Fährverbindungen auf Jahre hinaus weiter zu betreiben. Ganz egal, ob der Kommune dabei Verluste entstehen. Hier müsse das Land mehr übernehmen, fordert der Barbyer Bürgermeister. Schließlich verbinden die Fähren nicht eine Straße in Trägerschaft der Stadt, sondern von Kreis und Land.