Schönebeck l Elektroschrott, Möbel, Fahrradteile, ein Aquarium – aber auch unappetitliche Dinge wie benutzte Kondome, Hundekot, Gammelfleisch und sogar gebrauchte Spritzen. All das mussten Hausmeister regelmäßig aus den Gelben Tonnen fischen. „Es kann keinem mehr zugemutet werden, diese Tonnen umzusortieren“, sagt die Chefin der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft Sigrid Meyer.

Besonders die gebrauchten Spitzen, die in letzter Zeit in den Tonnen gefunden wurden, so Meyer, bringen auch gesundheitliche Risiken für die Mitarbeiter der Entsorgungsfirma Achtert und der Firma Fafu, die für die SWB mit ihrem Hauswartservice im Einsatz ist, mit sich. Sigrid Meyer: „Es wäre unvorstellbar, wenn sich jemand an den Spritzen verletzen und eine Erkrankung zuziehen würde.“

Keine andere Möglichkeit

Deshalb habe es diese Woche bei einem Treffen mit Vertretern der Firma Achtert und Tönsmeier, die in Zusammenarbeit für die Entsorgung der Gelben Tonnen in Schönebeck zuständig sind, sowie dem Kreiswirtschaftsbetrieb ein Treffen mit einer klaren Einigung gegeben.

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Sigrid Meyer sagt: „Wir haben keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als im Gebiet Friedrichstraße Süd und Garbsener Straße die Gelben Tonnen ab dem 1. September zu entfernen und durch Restmüllbehälter zu ersetzen.“

Entsorgung kostet 23 Euro

Die Anwohner hätten lange genug die Chance bekommen, etwas zu ändern. Meyer: „Wir haben beispielsweise Aushänge gemacht, um die Mieter auf die korrekte Trennung hinzuweisen.“ Doch geändert hat sich bis heute nichts. „Wir müssen dem Elend deshalb ein Ende setzen“, sagt auch Udo Achtert von der gleichnamigen Firma Achtert. Die derzeitige Situation, dass Hausmeister die Tonnen vorsortieren, sei allein aus Hygienegründen nicht mehr tragbar. Und laut Sigrid Meyer auch vom Arbeitsaufwand her nicht die effizienteste Lösung. „Pro Müllplatz berechnen wir für die Hausmeister derzeit ein bis zwei Stunden. Das kostet uns mehr, als die Entsorgung einer Restmülltonne, die bei 23 Euro liegt“, rechnet sie vor. In der Straße der Jugend bleibe laut Sigrid Meyer vorerst alles beim Alten. Sie sagt: „Hier war es nicht so massiv. Wir müssen es beobachten.“

Obwohl die Tonnen jetzt weggenommen werden, sieht Sigrid Meyer noch immer eine Chance, dass sie eventuell in ein paar Monaten zurückkommen. „Wir werden uns im Spätherbst nochmal zusammensetzen“, deutet sie an.

Alle müssen mitleiden

Froh darüber, gemeinsam eine Lösung gefunden zu haben, ist auch Thorsten Lehmann vom Entsorger Tönsmeier. Er sagt: „Es ging ja auch einfach nicht mehr anders.“ Schade findet er, dass alle Anwohner für die Falschtrenner mitleiden müssen. Von der Wegnahme der Gelben Tonnen sind zunächst die Müllplätze der SWB betroffen. Denn die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) war bei dem Treffen diese Woche nicht anwesend.

Karl-Ulrich Voigt, Vorstandsmitglied der WBG, sagt auf Anfrage der Volksstimme: „Von uns konnte leider keiner teilnehmen. Auch bei uns wird vorsortiert. Ob die Gelben Tonnen wegkommen, kann ich jedoch noch nicht sagen.“

Letzte Konsequenz

Ralf Felgenträger, Betriebsleiter des Kreiswirtschaftsbetriebes des Salzlandkreises, der für die Entsorgung der Restmülltonnen zuständig ist, kann die Entscheidung der Wegnahme auf SWB-Gebiet verstehen. Er sagt: „In den betroffenen Straßen ist das keine böse Absicht, sondern wirklich die letzte Konsequenz.“

Dass dabei auch die getroffen werden, die ordentlich getrennt haben, lasse sich leider nicht vermeiden. Ralf Felgenträger sagt weiter: „Der Kreiswirtschaftsbetrieb ist an vielen Müllplätzen von Großwohnanlagen unterwegs. Und Probleme gibt es überall. Aber was hier in Schönebeck abgeht, habe ich so noch nicht gesehen.“