Felgeleben l Als Volker Haring vor mehr als 30 Jahren seine erste Büttenrede beim Felgeleber Carnevalclub gehalten hat, war er so aufgeregt, dass er sich kaum auf die Bühne getraut hat. „Der Elferrat musste mich mehrfach nach oben bitten“, erinnert sich der 70-Jährige, der nun nach fast zwei Jahrzehnten sein Amt als Präsident des FCC abgegeben hat. Dutzende Büttenreden hat Haring damals in den Rollen von Polizisten, Feuerwehrleuten oder sogar einer Klofrau gehalten. Aufgeregt war er dabei zumindest immer noch bei der ersten Veranstaltung jeder Session. „Man darf die Rede nicht ablesen, damit man beim Vortragen mit dem Publikum interagieren und auf Bemerkungen reagieren kann“, sagt Volker Haring. Wobei er die Reden in der Regel nicht selbst geschrieben hat, sondern bekannte Reden übernommen und an Felgeleber Gegebenheiten angepasst hat. Wichtig war ihm bei der Auswahl jedoch immer: „Es darf nie unter der Gürtellinie sein“, sagt er. Gar nicht so einfach in der fünften Jahreszeit.

Zum FCC war Volker Haring Ende der 1980er Jahre gekommen. Damals war der gebürtige Merseburger von Bördeland nach Sachsenland gezogen, um im Traktorenwerk als Zerspaner zu arbeiten. Bei den traditionsreichen Fußballspielen zwischen Sachsenland und Felgeleben wurde er dann von FCC-Mitgliedern angesprochen. „Viele Gründungsmitglieder hatten nach 20 Jahren aufgehört und der Verein suchte dringend Nachwuchs“, sagt Volker Haring.

Schon Streiche in der Schule gespielt

Erfahrungen mit Karneval hatte er zwar noch nicht. „Aber ich war schon immer ein lebenslustiger Mensch und habe bereits in der Schule gern Späße gemacht“, sagt Haring. „Der Karneval ist eine ganz andere Welt, eine fünfte Jahreszeit mitten im Winter“, stellte er schnell fest, und zwar eine, die ihm gefällt. Der Zusammenhalt und die Gemeinschaft sind es, die ihm beim FCC besonders gefallen. Vor allem: „Alle Generationen von ganz jung bis ganz alt arbeiten und feiern zusammen. Das gibt es nur in ganz wenigen Bereichen.“

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Wobei seine eigene Familie zwar oft an Veranstaltungen teilgenommen hat, aber nicht dauerhaft aktiv im Verein ist. Haring entwickelte mit mehreren Mitstreitern und der Hilfe von Sponsoren erstmals ein Programmheft, auf das er ziemlich stolz ist und das bis heute in jeder Session neu aufgelegt wird.

Platz für frische Ideen machen

Doch nach 19 Jahren an der vordersten Front, als Präsident, Ansprechpartner, Büttenredner und Mädchen für alles, freut sich Haring nun, einfach nur als normaler Gast bei Veranstaltungen im Publikum Platz zu nehmen. Knapp 20 Jahre seien sicherlich genug. Nun seien jüngere Leute mit frischen Ideen gefragt. „Ich hätte schon vor fünf Jahren fast aufgehört, aber da gab es noch keinen Nachfolger“, sagt Volker Haring. Das war nun anders. Prinzessin Sandra Kalusche hat mit ihrem Prinzen und Ehemann Andreas in Sachen Karneval noch einiges vor. Beide wurden im zweiten Anlauf zum Landesprinzenpaar von Sachsen-Anhalt gewählt und sie hat nun auch noch die Präsidentschaft beim FCC übernommen. „Sie lebt den Karneval“, sagt Haring. Zwar würde er dem neuen Vorstand zur Not auch mit Rat und Tat zur Seite stehen. Aber das möchte er eigentlich gar nicht so laut sagen.

Und vielleicht hat das FCC-Urgestein auch genau im richtigen Moment aufgehört. Denn wegen der Corona-Pandemie sind die Aussichten für den nächsten Karneval eher düster. Zwar wurden die Veranstaltungen noch nicht offiziell abgesagt. Aber eine normale Session ist unter den derzeitigen Beschränkungen auf schwer vorstellbar.

„Ich habe das zwar nicht zu entscheiden. Aber persönlich würde ich den Karneval in ganz Deutschland absagen“, sagt Volker Haring. Die Risiken seien zu groß. Zunächst einmal sei es schwierig, ein Hygienekonzept umzusetzen. Spätestens wenn Alkohol ins Spiel kommt, sei die Einhaltung der Regeln auch kaum zu gewährleisten. Und dann ist so eine Veranstaltung einfach ein wirtschaftliches Risiko. Denn wenn der FCC den Braunen Hirsch mietet und die Gäste bleiben aus Angst vor Corona weg, dann hätte der FCC ein finanzielles Problem.

Es wäre auch nicht das erste Mal, dass der Karneval in Felgeleben ausfällt. Anfang der 1990er Jahre hatte der FCC mehrere Sessionen ausgesetzt. Zahlreiche Mitglieder waren damals in die alten Bundesländer ausgereist, der Verein konnte die Veranstaltungen nicht stemmen. Wegen Corona planen die Kölner Vereine nun, den 11.11. „in kleiner Runde“. Ob das gut geht? In Schönebeck ist der Marktplatz zur Eröffnung der Session sowieso nie besonders voll. Volker Haring hofft daher, dass zumindest die Eröffnung in der Innenstadt wieder stattfinden kann.