Altkreis Schönebeck l „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“ – dieses Sprichwort ist bei der Feuerwehr so gut wie bedeutungslos. Denn, so sagt Schönebecks Stadtwehrleiter Uwe Tandler: „Wir behandeln jeden Alarm grundsätzlich zunächst als einen scharfen – bis wir vor Ort sind und Entwarnung geben können.“ Heißt: Die Kameraden rücken aus und eilen zur Hilfe – egal, ob vor Ort tatsächlich etwas ist, oder es sich „nur“ um einen Fehlalarm handelt.

Obwohl die Stadt Schönebeck derzeit noch keine genaue Statistik zu Fehlalarmen führt, passieren diese unter den zirka 350 Einsätzen im Jahr laut Ordnungsamtsleiterin Janine Zug „gefühlt recht häufig.“ Uwe Tandler bestätigt das. „Die Zahl geht zwar zurück, es sind jedoch noch immer zu viele.“

Rauchmelder retten Leben

Doch zunächst einmal unterscheidet die Feuerwehr grundsätzlich zwischen Alarmen in Privathaushalten oder in Betrieben. Bei ersteren ruft beispielsweise ein besorgter Nachbar an, weil er den Rauchmelder in der Wohnung nebenan piepen hört. „Auch, wenn es hier oft zu Fehlalarmen kommt, haben Rauchmelder schon häufig Leben gerettet. Wir als Feuerwehr müssen somit auch mit Fehlalarmen leben“, so Uwe Tandler.

Obwohl er die Bevölkerung dringend darauf hinweisen möchte, dass keine angebrannten Töpfe auf dem Herd ohne Aufsicht belassen werden sollten – dadurch komme es tatsächlich häufig zu unnötigen Einsätzen – erinnert er sich auch an ernstere Fälle. Er verweist auf einen Einsatz im vergangenen Jahr. Hier hatten aufmerksame Nachbarn in der Moskauer Straße die Feuerwehr gerufen – und somit einem Mann, der in der stark verräucherten Wohnung geschlafen hatte, das Leben gerettet.

Doch dann sind da auch die Einsätze, die Uwe Tandler etwas differenzierter sieht: Fehl-alarme in größeren Betrieben, Schulen und Krankenhäusern. Anders als in Privathaushalten, gibt es hier Brandmeldeanlagen, die direkt mit der Einsatzleitstelle verbunden sind. Geht hier ein Alarm los, obwohl nichts war, wird der Feuerwehreinsatz dem Auslöser nicht selten in Rechnung gestellt. Ob und in welcher Höhe das geschieht, ist laut Uwe Tandler Sache des Trägers, in dem Fall der Stadt Schönebeck.

Zwischen 300 und 600 Euro

Ordnungsamtsleiterin Janine Zug sagt dazu: „Eine genaue Aufschlüsselung, welche Einsätze Fehlalarme sind, haben wir derzeit noch nicht.“ Ebenso sei es schwer, die durchschnittlichen Kosten eines Einsatzes festzulegen, da die je nach Fahrzeug und Besatzung stark variieren.

Wird ein Fehlalarm einem Betrieb in Rechnung gestellt, landet das Geld in Schönebeck nicht in einer gesonderten Kostenstelle. Sondern in derselben, in der auch das Geld für die Aufnahme von Betriebsmitteln nach Unfällen (gemeint ist damit etwa eine Ölspur) landet. Denn auch hier werden die Kosten für den Einsatz der Feuerwehr dem Verursacher in Rechnung gestellt.

In Barby waren das laut Ordnungsamtsleiterin Karin Knopf 2017 insgesamt neun Fehlalarme. Knopf: „Die Kosten für einen Einsatz bewegen sich zwischen 300 und 600 Euro.“ Doch nicht für alle Fehlalarme wurden tatsächlich Kosten verlangt, da diese nicht immer grob fahrlässig, böswillig oder gar vorsätzlich verursacht waren, so Knopf. Denn nur in diesem Falle werden in Barby die Kosten für den Einsatz dem Verursacher in Rechnung gestellt. Karin Knopf sieht Fehlalarme nicht immer als etwas Negatives. „Sie können durchaus auch als Übung für die Kameraden gesehen werden“, sagt sie.

Nicht auf Kosten sitzen bleiben

Etwas anders denkt Calbes Bürgermeister Sven Hause (parteilos) darüber. „Die Stadt darf nicht auf den Kosten sitzen bleiben“, findet er. „In unserer Feuerwehrsatzung wird nicht zwischen Privathaushalt und Betrieb unterschieden.“ Bei einem Einsatz komme durchschnittlich ein Betrag in Höhe von 250 Euro pro Stunde zustande.

In welchen Betrieben in Schönebeck 2017 die meisten Fehlalarme ausgelöst wurden, geht aus dem Rechenschaftsbericht der Freiwilligen Feuerwehr Tischlerstraße hervor. Hier sind die Unternehmen Thyssenkrupp (fünf Einsätze), das Ameos-Klinikum (drei Einsätze) und die Berufsbildende Schule (drei Einsätze) genannt.

Thyssenkrupp-Sprecher Konrad Böcker sagt dazu: „Ich weiß lediglich von zwei Vorfällen, bei denen in Schönebeck die Brandmeldeanlage losging.“ Es habe sich jeweils um technische Defekte gehandelt.

Nicht ganz vermeiden

Damit Fehlalarme seltener vorkommen, treffe das Ameos-Klinikum regelmäßig Vorkehrungen, sagt Sprecherin Cornelia Heller. Doch obwohl vierteljährlich die Brandmeldeanlage komplett überprüft und gewartet werde, ließen sich Fehlalarme dennoch nicht ganz vermeiden.

Ähnlich geht es Stefanie Körner, Sachbearbeiterin bei der Berufsbildenden Schule Frohse. Sie findet es durchaus in Ordnung, dass die Schule für Fehlalarme zur Kasse gebeten wird. Sie findet grundsätzlich: „Lieber ein Fehlalarm zu viel, als einer zu wenig.“

Uwe Tandler versetzt sich in die Lage der Kameraden. „Jeder Einsatz führt dazu, dass diese von der Arbeit wegmüssen“, so der Stadtwehrleiter. Auf Dauer könne das Ärger mit den Arbeitgebern geben. Dass die Betriebe bei Fehlalarmen zur Kasse gebeten werden, findet er daher durchaus berechtigt.

In Schönebecker Privathaushalten wäre eine Rechnung für Verursacher von Fehlalarmen laut Janine Zug jedoch undenkbar. Die Amtsleiterin sagt – um im Fachjargon zu bleiben: „Das wäre ein völlig falsches Signal.“