Schönebeck (dt) l Der Stadtrat Mark Kowolik (fraktionslos) reagiert in einem Brief auf die Darstellungen von Hans Jürgen Schwarz im Beitrag „Was machen eigentlich die Verantwortlichen?“ vom Donnerstag, 2. August.

Nach den Worten des parteilosen Stadtrates rief der Leserbrief bei ihm „Unverständnis und Kopfschütteln hervor, da er von großer Unkenntnis der Sachlage getragen ist“, so Mark Kowolik an die Volksstimme. Der Vorschlag nach Berlin zu fahren, sei sicherlich nicht der schlechteste, vielleicht könne Hans Jürgen Schwarz als Unternehmer des Jahres dort die eine oder andere Tür öffnen, schreibt der Stadtradt weiter. Er würde als Kommunalpolitiker daran teilnehmen, „denn Versuch macht klug“.

Überfraktionelle Arbeitsgruppe

„Genau diese Art von Kommunalpolitik ist beziehungsweise wurde bisher von vielen der renommierten Stadträte stets abgelehnt. Nun aber der Versuch die Sachlage zu klären: zu Beginn der aktuellen Stadtratslegislatur gab es die Bestrebungen der Verwaltung mit Unterstützung einiger Stadträte, das Bad zu schließen. Es bildete sich eine überfraktionelle Arbeitsgruppe von Stadträten, die das nicht mittragen wollte. Letztendlich gelang es mit klaren Vorgaben, das Bad erst einmal zu retten, explizit ich fragte bei jeder 2. Stadtratssitzung nach, um den aktuellen Abarbeitungsstand im Protokoll vermerkt zu haben“, berichtet Kowolik. Nach diesen Arbeiten habe der zuständige Dezernent erklärt, man hätte jetzt alles im Griff, und die Kosten hätten den geplanten Rahmen nicht überschritten. „Damit war aus unter anderem meiner Sicht alles in geordneten Bahnen“, so Kowolik. Dann habe es aber einen Chlorgasunfall gegeben, von dem die Stadträte aus der Zeitung erfuhren. Die Aussage der Verantwortlichen in der Verwaltung sei gewesen, man müsse das untersuchen und die Stadträte würden informiert.

„Diese Information erfolgte dann im November des vergangenen Jahres mit einer Beschlussvorlage zur Nichtöffnung im Jahr 2018. Als sich abzeichnete, das der Stadtrat eine andere Meinung dazu hat, wurde mit einem buchstäblichen Lächeln auf den Lippen mitgeteilt, dass das Bad definitiv nicht geöffnet wird, da wegen des fehlenden Haushaltes, der Kürze der Zeit bis zur nächsten Saison und der notwendigen Ausschreibung, das Bad nicht zu reparieren sei“, erklärt Mark Kowolik weiter. „Überlagert wurde diese Diskussion mit dem Hirngespinst, ein Kombibad für rund 30 Millionen Euro errichten zu wollen und der Mitteilung, dieses fremd bauen und betreiben zu wollen, um damit einen schnellen Ersatz für das Freibad und Schwimmhalle zu schaffen. Dafür sollte im Eiltempo der Stadtrat am Nasenring durch den Saal geführt werden und etwas beschließen, über dessen Tragweite keiner im Raum auch nur ansatzweise eine Vorstellung hatte. Der Stadtrat trug diese Entscheidung in den Ausmaßen nicht mit und erteilte über den Finanzausschuss dem zuständigen Dezernat und seinem Dezernenten bereits im März eine klar formulierte Arbeitsaufgabe“, erklärt Kowolik. Diese sei bis dato nicht abgearbeitet und den Stadträten übergeben wurden. Parallel hätten sich einige Räte hinter die Thematik des Zustandes im Freibad geklemmt. „Aus diesem Grund und Druck gab es den Besichtigungstermin unter Ausschluss der Öffentlichkeit.“

„Die Teilnehmer hätten im Nachgang die Presse informiert, die Volksstimme berichtete und es wurden die sozialen Netzwerke genutzt, um die gewonnen Eindrücke zu vermitteln, und der Stadtrat entschied sich mit deutlicher Mehrheit gegen eine endgültige Schließung. Eben jene Stadträte haben die Sommerpause genutzt, um einen eigenen, fundierten Antrag zu formulieren und dem Rat vorzulegen, um das Bad im kommenden Jahr zum 90-jährigen Jubiläum wieder eröffnen zu können“, schreibt Mark Kowolik weiter.

Gespräche zum Erhalt

Da die Stadt nun über einen Haushalt verfüge, könnten mittels Einzelbeschlüssen auch Geld aus diesem umgewidmet werden, was nach Kowolik aber erst der übernächste Schritt wäre. „Während der Sommerpause waren wir mit anderen Betreibern und Interessenvertretern, wie zum Beispiel dem Nienburger Förderverein oder der Deutschen Leben-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Austausch, um von den entsprechenden Erfahrungen profitieren zu können.“ Der Stadtrat ist sich aber auch sicher, dass es der Hilfe aller Interessenten aus der Bevölkerung wie auch Unternehmer bedarf, um das Projekt bewältigen zu können „Deshalb waren wir der Erdgas Mittelsachsen (EMS) sehr dankbar die Anregung einer Leserin so schnell aufzunehmen und uns zu unterstützen (Volksstimme berichtete), denn solch eine Sammlung ist immer auch ein Indikator für das bestehende Interesse der Menschen, welche diese Infrastruktur letztendlich nutzen. Kein Mensch hat erwartet, dass dort 450.000 Euro zusammenkommen“, so Mark Kowolik.

Abschließend möchte der Stadtrat auch gestellte Fragen des Lesers beantworten: „Die Verwaltung hat in den Haushalten der vergangene Jahre stets Gelder eingestellt, offensichtlich deutlich zu wenig, denn sonst wäre das Bad nicht in solch einem erbärmlichen Zustand“, erklärt er. Man habe seitens der Verwaltung eingestanden, dass das Bad seit Ende der 1990er Jahre bewusst auf Verschleiß gefahren wurde und dass während der Sanierung teilweise völlig ungeeignete Materialien verbaut worden, so Kowolik. „Auch wurde seitens der Baubetreuung der Stadt kein Wert auf eine ordnungsgemäße Dokumentation der Arbeiten und der verbauten Materialien gelegt“, stellt der Stadtrat klar. „Da der damalige Dezernent auch der jetzige ist und auch der damalige Baubetreuer der Verwaltung noch im Dienst ist, wird der Rat mit Sicherheit noch einige Erklärungen abfordern“, macht er deutlich.

Auch zum Thema Bäderbus zum Waldsee in Plötzky meldet sich der Stadtrat zu Wort: „Wir sind dankbar das für den laufenden Sommer zumindest diese Möglichkeit realisierbar war, denn sonst hätte es gar nichts gegeben.“ Der Stadtrat appelliert aber auch an die Bürger: „Bitte, sprechen Sie uns an, teilen Sie uns Ihre Ideen und Anregungen mit. Umso mehr sich beteiligen, sich einbringen und engagieren, umso eher kann es gelingen, das Bad nicht nur zu retten, sondern es auch vielfältiger und damit kostenneutraler zu nutzen.“