Schönebeck/Magdeburg l Leinen los! Am vergangenen Sonntagmorgen legen rund 90 Mitglieder und Freunde des FCM-Fanclub Kollektiv Elbenau mit dem Fahrgastschiff Marco Polo in Schönebeck ab. Traditionell schippern die Fans zum letzten Heimspiel der Saison die Elbe hinab zum Stadion nach Magdeburg. Während 2018 an Bord noch der Aufstieg in die 2. Bundesliga gefeiert werden konnte, steht bei dieser Fahrt bereits die Rückkehr in die dritte Liga fest. Doch die Stimmung an Bord kann selbst der Abstieg nicht dämpfen. Das Thema ist mittlerweile abgehakt. Die Fans feiern den FCM und sich nach dem Motto: „Glaube kennt keine Liga“.

Der 1. FC Magdeburg sei schon ein besonderer Verein, wird man an diesem Tag immer wieder auf der Marco Polo hören. Das sagen zwar vermutlich alle Fans über ihre jeweiligen Vereine. Doch den Blau-Weißen möchte man es schon glauben, wenn sie von ihrem Zusammenhalt schwärmen. Da sind die gemeinsamen Sammlungen für den guten Zweck. Gerade erst sind wieder 200 Euro für die Freie Waldschule Elbenau zusammengekommen. Gespendet werden zudem Freikarten für Menschen mit Behinderungen. Auch der FCM-Nachwuchs wird unterstützt. Und untereinander unterstützen sich die Mitglieder sowieso. „Wir helfen uns auch mal gegenseitig im Garten“, sagt der zweite Vorsitzende des Kollektivs, Michael Henschel.

Einmal immer

Tatsächlich ist die Bootstour des Kollektivs zum Saisonabschluss nach vielen Jahren nicht mehr nur bei den Mitgliedern besonders beliebt. Auch Bekannte und andere Fanclubs sogar aus Magdeburg schließen sich der lustigen Gesellschaft an. Dafür wird auch die morgendliche Anreise aus Schönebeck gern in Kauf genommen.

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Nach dem Ablegen fährt die Marco Polo zunächst einmal die Elbe hinauf. Nein, versichert der Kapitän, das sei kein Versehen und man wolle auch ganz sicher nicht zum Dynamo-Spiel nach Dresden. Tatsächlich fährt das Schiff immer wieder ein bisschen die Elbe hoch und wieder runter. Schließlich soll die Fahrt rund drei Stunden dauern. Auf direktem Weg würde es sehr viel schneller gehen. Andere Schiffe, Passanten am Ufer und auf Brücken werden lautstark mit „Einmal Blau-Weiß, immer Blau-Weiß“ begrüßt. Auch ein kleines Feuerwerk wird am Ufer der Elbe offenbar von einigen Sympathisanten des Kollektivs gezündet, als die Marco Polo vorbeifährt. Eine Bengalo-Show wird auf ein Minimum reduziert, weil in der Kirche nebenan eine Taufe gefeiert wird. Darauf nimmt man Rücksicht.

Tatsächlich wird an Bord kaum noch über die abgelaufene Saison diskutiert. Man muss schon danach fragen. „Durchwachsen“ bis „bescheiden“ lautet dann das Fazit der Fans. Vielleicht kam der Aufstieg einfach zu früh oder die Erwartungen waren vor der zweiten Liga zu hoch. Manch einer soll ja sogar von einem Durchmarsch in die Bundesliga geträumt haben. Lob gibt es vor allem für Dennis Erdmann. „Das ist ein richtiges Kampfschwein“, sagt Jörg Lustinetz aus Schönebeck. „Der hat Eier und macht noch was.“ Doch dem Vernehmen nach soll er nun leider nach England wechseln. Das Wort „Söldner“ möchte man in diesem Zusammenhang aber lieber nicht in der Zeitung lesen. Letztendlich sind die Fans dem Verein um einiges treuer als die Spieler.

Jochbeinbruch gegen den FCM

Mit an Bord ist Sascha Bergholz aus Calbe. Vor zehn Jahren hat er mit der TSG im Landespokal selbst ein denkwürdiges Spiel gegen den FCM bestritten. Denkwürdig auch deshalb für ihn, wie Bergholz erzählt, weil er sich damals im Kopfballduell mit dem Rumänen Catalin Racanel das Jochbein gebrochen hatte. Magdeburg gewann 3:0. „Der FCM ist natürlich trotzdem immer mein Verein geblieben“, sagt Bergholz.

Einige Frauen und Kinder sind auch an Bord. Wobei die Frauen in Sachen FCM nach eigenen Angaben „noch viel schlimmer als die Männer“ sind. Kollektiv-Vorsitzender Mario Bolze und seine Frau Jana können sich beispielsweise nicht mehr einigen, wer von den beiden als erstes zum FCM gegangen ist. „Ich war auf jeden Fall schon als kleines Mädchen mit meinem Vater da“, sagt Jana Bolze.

An den direkten Wiederaufstieg des 1. FC Magdeburg in die zweite Liga in der nächsten Saison glauben allerdings nur die wenigsten Fans an Bord der Marco Polo. „Die Mannschaft muss langsam wieder aufgebaut werden“, sagt Mario Bolze. „In zwei, drei Jahren reicht es vielleicht für den Aufstieg.“ Doch egal, welche Liga: „Wir stehen hinter dem FCM wie eine blau-weiße Wand“, sagt Vorsitzender Bolze.

Dann kommt Magdeburg in Sicht und die Fans aus Elbenau und Umgebung gehen von Bord. Gemeinsam geht es Richtung Stadion. Dort hallen die Gesänge von allen Tribünen. „Olé, FCM, du bist mein Verein.“ Gänsehaut. Anpfiff. Zumindest in Sachen Stimmung ist der FCM Meister.