Schönebeck l So viel vorweg: Kathrin Weidner ist schuld. Zum Glück! Hätte sie nicht so sehr davon geschwärmt, wie schön es ist, einen Kleingarten zu haben, wären Sebastian (32) und Annika (24) Klapsia seit 2014 vielleicht keine stolzen Kleingärtner in der Anlage „Grüne Hoffnung III“ an der Güstener Bahn in Schönebeck. Annika Klapsia und Kathrin Weidner kennen sich durch die Ausbildung zur Altenpflegerin.

Und da sei eben auch in der Pause öfter das Gespräch auf den Kleingarten gekommen. „Die Lehrlingskollegin hat dort einen Garten, ist auch im Vorstand tätig und hat gesagt, dass eine Parzelle abzugeben ist“, erzählt der Schönebecker. Eine gute Gelegenheit also für die beiden, die erst kurz zuvor von Barby nach Schönebeck gezogen sind, zuzugreifen. Nach der Arbeit nur in der Wohnung sitzen, das wäre ihm zu langweilig, so Sebastian Klapsia. Sie wussten, auf was sie sich einlassen, und sind heute noch glücklich über diese Entscheidung.

Zehn Kleinode besichtigt

So sehen es auch viele andere junge Kleingärtner, die sich in Vereinen, die im Verband der Gartenfreunde Schönebeck und Umgebung organisiert sind, einbringen. Um ihren Einsatz zu würdigen, stand die diesjährige Gemeinschaftsaktion von Verband und Volksstimme auch unter dem Motto „Junges Gemüse in alten Gärten“. In den vergangenen Monaten ist in der Volksstimme über sie und ihre Motivation, eine Parzelle zu bewirtschaften, berichtet worden. Vertreter von Verband und Volksstimme besuchten zehn grüne Kleinode. Nun hat der Verband zur Dankeschön-Veranstaltung eingeladen. Trotz Zusagen blieben viele Plätze leer – zum Bedauern der Organisatoren.

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„Eigentlich war in diesem Jahr als Thema ,Naturgemäßes Gärtnern‘ vorgesehen. Aber dann war ein Artikel in der Zeitung, aus dem man schließen konnte, dass das Kleingartenwesen nur aus Spießern, alten Männern und Gartenzwergen besteht. Dem mussten wir natürlich heftigst widersprechen“, erinnert sich Verbandsvorsitzende Karin Libbe. Kurzentschlossen sei das Thema geändert worden – in „Junges Gemüse in alten Gärten“. „Und Sie haben uns recht gegeben, Kleingärten sind auch etwas für junge Leute“, sagt Karin Libbe.

Denn neben der Möglichkeit, frisches, gesundes Obst und Gemüse für die Familie zu gewinnen, stehe auch der Erholungswert ganz oben: Die Kinder können sich ohne Gefahr an der frischen Luft austoben und gleichzeitig ohne Schulstress etwas über die Pflanzen, das Wachsen und Werden lernen. Die Erwachsenen haben einen körperlichen Ausgleich zu ihrem Arbeitsalltag und finden Erholung in der Natur. „Daher können wir wohl mit Fug und Recht das Fazit ziehen, Kleingärten sind nicht altmodisch, sind kein Relikt aus dem vorigen Jahrhundert. Kleingärtnern ist ein gesundes und nicht zu vergessen auch preisgünstiges Hobby für die ganze Familie und aus unserer Gesellschaft nicht wegzudenken“, so die Verbandsvorsitzende.

Eine gute Zukunft für Kleingärten

Das kann Verbandsfachberater Siegfried Kliematz nur unterstreichen. Er zeichnet sich von Seiten des Gartenverbandes für die Aktion verantwortlich. „Perspektivlos? Genau das sind wir nicht!“, kann er nach der Aktion und den Besuch der vielen jungen Kleingärtner sicher sagen. Zwar haben Vereine Leerstände zu verzeichnen. Der Grund dafür seien aber nicht die angeblich alten Männer im Vorstand, sondern weil das Kleingartenwesen in der DDR anders gewesen sei.

"Ich bin überzeugt: Ihr, die junge Generation, werdet uns würdig ablösen“, betont Siegfried Kliematz. Es gebe in Schönebeck junge Kleingärtner „mit dem Potenzial zur Übernahme von Funktionen in unseren Vereinen“. Er ist sich sicher, dass das Kleingartenwesen in Schönebeck eine gute Zukunft hat.

Davon sind auch Annika und Sebastian Klapsia überzeugt. Sie haben sich ihren knapp 400 Quadratmeter umfassenden Garten nach ihren Wünschen hergerichtet – um einiges ernten und sich erholen zu können. Für die beiden bietet er den idealen Ausgleich zum Arbeitsalltag, sagen sie. Sie ist Wohnbereichsleiterin in der Altenpflege, er ist in der Brand- und Wasserschadenssanierung tätig.

Im Garten und Verein aktiv

Und das Paar ist nicht nur auf dem eigenen Areal aktiv, sondern auch im Verein. Beide gehören dem Vorstand an: Sie ist Schriftführerin, er Beauftragter für Parkplatz und Arbeitseinsätze. Die Aufgaben haben sie gern übernommen. „Wenn kein Vorstand existiert, müsste die Anlage geschlossen werden. Das wollen wir natürlich nicht, immerhin haben wir uns auch einiges aufgebaut. Deshalb machen wir gern mit“, erzählt Sebastian Klapsia. Zumal sie sich in ihrer Anlage in guter Gesellschaft wissen, denn es dort viele junge Leute.

Übrigens: Für die jungen Gartenfreunde, die für die Volksstimme-Aktion einen Blick in ihre grüne Oase zugelassen haben, gibt es neben einem herzlichen Dankeschön, einer Urkunde und einem Gutschein auch noch Knollen. Mit einem Augenzwinkern erklärt sie: „Einen Blumenstrauß haben wir nicht besorgt. Da Sie ja alle Kleingärtner sind, können Sie sich die Blumen im nächsten und den darauffolgenden Frühjahren selbst pflücken, wenn Sie die Frühblüher noch in die Erde bringen.“

Für die Gemeinschaftsaktion 2018 stehen derzeit zur Auswahl: „Integration in unseren Gärten“ und „Wir stellen uns den Herausforderungen des Landeswettbewerbes“.