Schönebeck l „Wenn dieses Signal nicht verstanden wird, dann stehen wir hier das nächste Mal während der Arbeitszeit“, hallt die Stimme von Gewerkschaftssekretär Jan Melzer am Sonnabendvormittag aus dem Megaphon. Die rund 60 protestierenden Mitarbeiter des Chemieunternehmens Schirm pusten in ihre Pfeifen, klatschen in die Hände.

Mit der Protestaktion wolle man der Geschäftsführung die „Gelbe Karte“ zeigen, so Melzer. Hintergrund des Protestes sind die Tarifverhandlungen zwischen der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Geschäftsführung der Schirm GmbH. Die Gewerkschaft fordert den erstmaligen Abschluss eines Tarifvertrages für alle Schirm-Standorte in ganz Deutschland. „Dies erscheint der Tarifkommission und den Mitarbeitern unbedingt notwendig, da deren Arbeitsbedingungen kollektivrechtlich bisher völlig ungeregelt sind“, heißt es in einer Pressemitteilung der IG BCE.

Neben einer „gerechten Bezahlung“ fordert die Gewerkschaft die Zahlung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld, was in „tarifgebundenen Unternehmen in Sachsen-Anhalt längst Standard“ sei.

Als „arrogant“ empfinden es die Gewerkschafter, dass die Geschäftsführung es nicht für notwendig erachtet habe, ein eigenes verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. Die Protestaktion soll verdeutlichen, dass man dies nicht hinnehmen wolle. „Aus Sicht der Gewerkschaft kann es nicht zielführend sein, alle Vorschläge der Gegenseite abzulehnen und selbst keine eigenen zu unterbreiten“, so die IG BCE.

Die Aussage der Gewerkschaft, dass die Geschäftsführung von Schirm kein eigenes verhandlungsfähiges Angebot unterbreitet habe, bezeichnet Christian Liepack, Sprecher der Schirm GmbH, als „falsch und unsportlich“. „Es gibt und es gab Verhandlungen. Wir haben unsere Angebote vorgelegt und in einigen Punkten herrschte sogar bereits Einigkeit“, sagt Liepack. Welche Punkte das gewesen sein sollen oder bei welchen noch Uneinigkeit herrscht, lässt Liepack offen. „Da wollen wir nicht vorgreifen.“

Jedoch betont der Schirm-Sprecher, dass die Geschäftsführung für Gespräche bereit stünde. „Wir wollen verhandeln. Ziel muss es dabei aber sein, dass der Tarifvertrag allen Seiten gerecht wird und dass das Unternehmen wettbewerbsfähig bleibt“, so Liepack.

Für Diskussionen sorgt darüber hinaus auch eine „Corona-Prämie“, die manchen Mitarbeitern gezahlt wurde. In diesem Punkt sieht die Gewerkschaft eine Ungleichbehandlung der Angestellten, die es zu vermeiden gelte.

Dennoch zeigt man sich bei der Gewerkschaft weiterhin offen für Verhandlungen. Die Gespräche seien nur unterbrochen und nicht abgebrochen worden, betont Jan Melzer. Ein nächstes Zusammenkommen von Schirm und IG BCE zur Verhandlung der Bedingungen ist für den 20. Oktober geplant.