Schönebeck l Das Dr. Carl-Hermann Gymnasium kann nicht nur Naturwissenschaften, sondern auch Sprachen. Jolina Lippert (13) und Larissa Schmidt (13) holen in einem landesweiten Russisch-Wettbewerb „Bronze“ nach Schönebeck. Eine großartige Leistung, denn nur Jolina hat Russisch als zweite Fremdsprache an der Schule belegt.

„Meine Mama hat Russisch auch früher in der Schule gehabt. Sie meinte, dass das noch die leichteste von den drei Sprachen Russisch, Französisch und Latein sei. Da habe ich ihr also vertraut“, begründet die Schönebeckerin ihre Wahl. Bereut hat sie ihre Entscheidung auf jeden Fall nicht. Gute Leistungen bringt sie auch, wie man sieht. Ihre Teampartnerin Larissa hingegen hat sogar ohne bisherige Rus-sischkenntnisse an dem Wettbewerb teilgenommen. Dort treten nämlich Mannschaften an, die sich aus jeweils einem Schüler mit Russischkenntnissen und einem Schüler ohne bisherige Russischerfahrung zusammensetzen.

Jüngste im Wettbewerb

„Wir haben es nicht erwartet, aber im Nachhinein hätte es besser sein können. Wir sind nämlich ganz knapp am 2. Platz vorbeigerutscht“, fängt Jolina an zu erzählen. Larissa betont: „Wir waren aber auch mit die Jüngsten. Die erste Runde haben wir zwar mit Gleichaltrigen gespielt, aber die anderen waren 9. und 10. Klasse. Die Erstplatzierten waren sogar 11. oder 12. Klasse“. Dennoch sind die Achtklässlerinnen froh über ihre Platzierung. Auch Familie und Freunde waren stolz auf die beiden. Jolinas Russischlehrerin, Denise Tschierske, hat sie für das Ergebnis gelobt.

In Begleitung eines Muttersprachlers, der für ein Jahr den Russischunterricht am Gymnasium unterstützt, kamen die Mädchen mit dem Zug am späten Vormittag in Halberstadt an. Die Veranstalter erklärten den Mannschaften die Regeln und wärmten sich anschließend noch mit einem Spiel auf. Insgesamt mussten die Schü- ler drei Runden durchlaufen, die jeweils eine Stunde dauerten.

Die erste Runde konnten die 13-Jährigen sogar für sich entscheiden. „Da war ich ganz schön angespannt, weil das ja schon doof ist, wenn man da gleich rausfliegt“, gibt Larissa zu, setzt aber noch dran: „Nachdem wir diese Runde aber gewonnen haben, hat sich die Stimmung aufgelockert.“ Fast fünf Stunden lang mussten die Schüler ihr Vokabelwissen unter Beweis stellen. „Sobald man alle Buchstaben, die ja ganz anders sind als im Deutschen, kennt, kommt man mit der Sprache klar“, erklärt Jolina. Larissa war anfangs überwältigt von dem, was ihre Freundin alles lernen musste. „Als Außenstehender kann man es nicht wirklich fassen, wie sie das alles lesen und in den Kopf bekommen können. Aber nachdem man schon ein paar Vokabeln kennt, ist das nach einiger Zeit eigentlich auch machbar.“ Am Gymnasium werden für die Schüler Studienfahrten in den Ländern der jeweiligen Fremdsprachen angeboten. Leider waren die Plätze für Russland schon belegt, sodass Jolina nicht mehr mitfahren konnte. „Später möchte ich aber mal ganz gerne nach Russland“, fügt sie hinzu.

Für ihre Leistung bekamen die Volleyballbegeisterten einen Gutschein für ein Elektronikgeschäft, ein russisches Lesebuch, eine Tasse und ein Kuscheltier.

Ein Projekt, das begeistert

Insgesamt sind neun Teams angetreten, mit dem Ziel, ins Finale zu kommen. Dort spielen die Landessieger, Maximilian Wagner und Kristin Rudolph vom Burger Roland-Gymnasium, im Europa-Park in Rust bei Freiburg gegen 17 Mannschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Gewinn: eine mehrtägige Russlandreise.

Den Bundescup „Spielend Russisch Lernen“ hat das Deutsch-Russische Forum, das als gesellschaftliche Initiative die deutsch-russischen Beziehungen fördert, 2007 ins Leben gerufen. „Seitdem konnte das Projekt schon über 50.000 Schüler für die russische Sprache begeistern“, betonte Matthias Platzeck, Vorsitzender des Vorstands des Deutsch-Russischen Forums, laut Pressesprecherin Irene Österle. Sie teilte ebenfalls mit, dass allein in diesem Jahr rund 4200 Schülerinnen und Schüler aus 202 Schulen in drei Ländern teilgenommen hatten.

Spiel mit Lernpotenzial

Ziel bei diesem Wettbewerb ist es, bei einem Brettspiel alle drei Spielrunden am schnellsten zu gewinnen. Je nachdem, auf welches Feld sich der Spieler gewürfelt hat, sind es entweder Vokabelfragen oder Fragen zu Land, Geschichte und Kultur Russlands.

In der ersten Runde müssen russische Wörter, Wortgruppen oder Sätze, je nach Leistungsniveau, ins Deutsche übersetzt werden. Nach fünf erspielten Punkten geht es in Runde zwei. In dieser erfolgt die Übersetzung umgekehrt: vom Deutschen ins Russische. Auch hierfür werden wieder mindestens fünf Punkte verlangt, um in die nächste und letzte Runde zu kommen. Hier muss jeder der beiden Mannschaftsmitglieder noch einmal hintereinander alle Fragen auf Russisch beantworten, die ihm während der zweiten Spielrunde gestellt worden sind.

„Dabei lernen die Schüler nicht nur die russische Sprache kennen. Sie erfahren auch mehr über Russland, seine Menschen, seine Kultur und seine Geschichte“, erklärt Zoia Smirnova, Leiterin Sponsoring der Gazprom Germania GmbH.

Das Unternehmen gehört zum weltgrößten Erdgasproduzenten Gazprom in Russland und engagiert sich ebenfalls im gesellschaftlichen Bereich. Unter anderem fördert die Firma von Anfang an den Russisch-Cup.

Das Projekt soll außerdem drei Zielgruppen integrieren: die Jugendlichen, die mit Russisch als Muttersprache nach Deutschland gekommen sind, die Schüler, die im Schulunterricht Russisch lernen, und diejenigen, die zuvor noch nie etwas mit Russisch zu tun hatten.